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Ost und West · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. Seite 843 - 844

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten
Date
1911-10-01
Page
Seite 843 - 844 (sequence 1)
Language
German
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843 841 ILLUSTRATIONEN ZU RUSSLANDS JUDENPOLITIK IN DEN LETZTEN MONATEN. mit Q„e„c P. A. Stolypin ist das Opfer eines Revolverattentats geworden, das in Gegenwart des Zaren auf;ihn verübt wurde. Da der Täter jüdischer Abstammung ist, werden Pogrome befürchtet, — und dies ist, wenn es auch nur bei der Furcht bleiben sollte, wie wir noch hoffen wollen, ein kennzeichnender Abschluss der Stolypinschen Ministerschart. Dass Stolypin über eine ungewöhnliche Energie verfügte und wohl auch manche lichte Charakterzüge aufwies, so z. JB. seine Unbestechlichkeit, — daran ist nicht zu zweifeln. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er einer schlechten Sache mit schlechten Mitteln diente: dem Absolutismus mit einer Seheinkonstitution, der Unterdrückung nationaler Minderheiten mit sinnlosen Brutalitäten, dem Antisemitismus mit einer geradezu bizarren Verfolgungspolitik. Pogrome scheint er nicht gerade vorgezogen zu haben, und das brachte es mit sich, dass ihn viele russische Juden für das kleinere Uebcl hielten. Sic fürchteten seinen Nachfolger mehr als ihn, und meinten, dass er das Aergsto denn doch verhüte. Mag sein! Nun, da er tot ist, wollen wir diese Gläubigkeit nicht näher prüfen. Mag ihm der eine Posten auf der Habenseite gebucht bleiben. Auf der Sollseite sieht es ohnehin traurig genug aus. Statt den Geist der Anarchie) und der Gewalt zu bekämpfen, hat er sich und Russland diesem Geiste ausgeliefert. Statt die nichtrussischen Völker mit Russland zu versöhnen und so Russland zu stärken, hat er sie noch mehr erbittert und so Russland geschwächt. Und die Judcnheit hat er — es ist schwer zu sagen, ob aus eigenem Bedürfnis, aus Liebedienerei nach oben oder Spekulation nach unten — vollkommen ausserhalb aller Rechtsordnung gestellt. Wie gründlich er zu Werke ging, davon sollen die nachfolgenden Illustrationen eine schwache Vorstellung geben: Senatscrklärung: Juden mit höherer Bildung ist der Erwerb von Immobilien ausserhalb des jüdischen „Ansiedlungsrayons" verboten. (Bisher erlaubt gewesen.) * * Senatscrklärung: Juden, die aul Grund der Ausübung eines Handwerkes Wohnrocht ausserhalb des „Ansiedlungsrayons" besitzen, dürfen daselbst nicht Immobilien erwerben. Kaufleute erster Gilde dürfen nicht mehr Immobilien ausserhalb des ..Ansiedlungsrayons" erwerben. Verordnung des Kosaken-Ataman von Tersk: Juden, die vor 1892 Immobilien erworben haben, haben diese binnen 6 Monaten zu verkaufen. * * Der Senat prüft die Frage: Haben Juden, die in Dörfern wohnen dürfen, das Recht, auf gepachtetem Grunde Häuser aufzuführen? Ei-lass der Gouvernements-Verwaltung von Kiew: Nur jüdische Kaufleute erster Gilde, die ständig in Kiew wohnen, haben das Recht, jüdische Angestellte zu halten. — Handelsgesellschaften nicht. * * * Aus dem Projekt einer neuen vom Justizministerium ausgearbeiteten Advokatenordnung: Jüdische Advokaten dürfen keine Zivilprozesse von Christen führen. Jüdische Advokaten dürfen nicht in den Advokatenrat gewählt werden. Die Prozentnorm wird erweitert, in jedem Sprengel dürfen nur 5 % der Juden Advokaten sein. * * * Verbot an die Kiewer jüdischen Droschkenkutscher, in jenen Strassen Aufstellung zu nehmen, in denen Juden nicht wohnen dürfen. * _ * Zirkular des Kurators des Kiewer Bildungsrayons: Es ist Juden verboten, christliche Kinder für die Schule vorzubereiten. * * * Der jüdische Tierarzt Rappaport stand 19 Jahre im Dienste der Kursker I^andschaft und bewährte sich ganz ausserordentlich. Er wurde nun plötzlich aufgefordert, seine Stelle niederzulegen, ,,weil eine russische Landschaft keine Stellen für Angehörige fremder Völker hat." * * * P r o j e k t e des Ministerpräsidenten Stolypin b e z ü g lieh 13 e s c h r ä n k u n g d e s j ü d i - sehen Handels u n d K r e d i t s. ... Geplant ist eine Prozentnorm in Ansehung jüdischer Wechsel. Die Reichsbank erhält den Befehl, jüdische Wechsel nicht zu diskontieren. Zu diesem Zweck sollen die Privatbanken verhalten sein, mitzuteilen, ob es sich um jüdische oder christliche Wechsel handelt. Die Reichsbank hat schon begonnen, jüdischen Kreditsuchenclcn den Kredit zu mindern oder zu entziehen. Folge: Bankerotte und grosse Beunruhigung, auch der ausländischen Geschäftswelt. Juden sollen in Bankverwaltungcn keine hohen Stellen bekleiden dürfen. Herausgabe einer Schrift: „Die Rolle der Juden im Gotreidehandel" durch das Ministerium des Innern. Ein aus antisemitischen Büchern zusammengeschriebenes Machwerk. * * * I n t a u s e n d c n 0 r t e n ausserhalb des sogenannten „Ansiedlungsrayons" M a s s e n a u s w e i - su n gen von Juden, die dort seit langem wohnten, ohne eines der Wohnprivilegien zu besitzen, wie von solchen, die das Wohnrecht haben. Unter den Betroffenen oft Greise, die in den betreffenden Orten geboren sind. Schonungslosestes Vorfahren. * * * Aus Wologda jene jüdischen Handwerker, die ihren Beruf nicht auf Grund dreijähriger Lehrzeit,

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