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Ost und West · 1911-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1911) · p. Seite 757 - 758

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1911)
Article
Isak Noah Mannheimer
Date
1911-08-01
Page
Seite 757 - 758 (sequence 4)
Language
German
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757 Dr. M. Rosemnann, Wien: Isak Noali Mannheimer. 7öS Prediger Samuel Oppenheimer. Geb. 1631 — gest. 1703. zehntausende aufwies. Sein aneiferndes Wort fand einen mächtigen Resonanzboden in der damals schaffensfrohen jüdischen Gesellschaft. Verein auf Verein schoss in die Höhe, 1839 entstand der Waisenverein, 1840 der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten, 1843 die israelitische Kinderbe wahranstalt; 1S46 der Verein für Krankenpflege und Versorgunghandelsangehöriger Israeliten, 1847 der Kreuzerverein, 1852 fand die Uebersiedlung cL-r Taubstummenanstalt von Nikolsburg nach Wien und ihre Ausgestaltung statt. Ueberall war Mannheimer mittätig. Er war aber auch gewissermassen der Seelsorger für das ganze österreichische Judentum, an den sich Gemeinden und Einzelne wandten um Fürsprache bei der Regierung, bei hohen Persönlichkeiten, bei den Behörden, oder um Belehrung und Entscheidung. Von allen Seiten in Oesterreich und über Oesterreich hinaus wurde er angerufen. Auf einer einzelnen Seite seines Tagebuches finden wir folgende Korrespondenzen verzeichnet: (1S57) 10. 9. An Rabbiner Dr. P latschek. Abraham in Boskowitz weyen Beschneidung; 24. 0. An Dr. D a v i d P i 11 i t z , prakt. Arzt in Vesprim (Ungarn) wegen Rabbinerwahl daselbst; 2. 10. An Rabbiner Dr. Geiger, Breslau, in Angelegenheit des Herrn G. T. 20. 10. An Rabbiner Fassel in Prossnitz wegen Gutachten über Beschneidung. 20. 10. An M. V c i t h , Berlin, wegen Machsor. 20. 10. AnH e i n r i c hR e i s z in Wittenz bei Tyrnau. Und wie Mannheimer die Kelle in einer Hand hielt, um das innere Gebäude des Judentums aufzuführen, so schwang er in der anderen mutig das geistige Schwert, um eine Schmach oder einen Angriff abzuwehren; er bekämpfte ebenso unerschrocken 1842 den Professor Rosas, der die Zulassung der Juden zum medizinischen Prediger Samson Wertheimer. Gest. 1723. Studiuni beschränken wollte, wie er nach jahrelangen Mühen im Verein mit 24 der angesehensten Rabbiner Oesterreichs die Abschaffung des mittelalterlichen Eides more iudaico bewirkte. — So gewann denn das Judentum unter seiner still fürsorglichen Leitung an Selbstbewusstsein und Selbstachtung, und gleich wie in des Winters Starre eine geheime Kraft im Innern der Bäume alle Säfte aufspeichert, um sie beim ersten Nahen des Frühlings in das äusserste Geäst zu treiben, also hatte Mannheimer während der Zeit der Unterdrückung alle edlen Kräfte innerhalb der Gemeinde gesammelt, und als der Völkerfrühling 1848 heranbrach, als am 13. März in den Strassen Wiens die Stunde der Freiheit schlug, da fand ein grosser Augenblick ein nicht minder grosses jüdisches Geschlecht vor! Der erste, der am 13. März den Mut hatte, der Freiheit das Wort zu geben, war ein Jude: Adolf F i s c h h o f. Das erste zensurfreie Blatt — damals eine der kühnsten Taten — stammte von einem Juden, dem vielgefeierten Dichter L u d w i g August F r a n k 1 — und unter den ersten Opfern der Freiheit waren nicht weniger als zwei Juden: der Techniker Karl Heinrich Spitzer aus Bisenz und der Webergeselle Bernhard Hersclim a n n — als ob die am meisten unterdrückten jüdischen Stände: die Intelligenz und das Gewerbe, das Fallen ihrer Fesseln mit Blut erkaufen mussten. — Ueberaus kritisch war damals die Zeit für das Judentum. Es galt die Sympathien dem Judentum zu gewinnen und zu erhalten. Da erwies sich Mannheimer als taktvoller Politiker ersten Ranges. In der Kapelle des allgemeinen Krankenhauses in der Aiserstrasse in Wien IX. wurden am 17. März die 15 Särge der ersten Gefallenen aufgebahrt, darunter auch die der zwei jüdischen Opfer. Der katholische Geistliche Professor Piistcr sollte die Leichen einsegnen. Nun geschah etwas Ungewöhnliches. In vollem Ornat, begleitet

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