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Ost und West · 1911-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1911) · p. Seite 725 - 726

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1911)
Article
Die Krisis in der englischen Judenheit
Date
1911-08-01
Page
Seite 725 - 726 (sequence 4)
Language
German
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725 Dr. S. M. Melamcd-London: Die Krisis in der englischen Judenhcit. 726 V| w JOZEF ISRAELS. Die Stütze der Mutter. OELGEMAELDE. in Anwesenheit Dr. Adlers aus. Wenn es nach den Gemeindeiuhrern ginge, würde der Rektor an Ort und Stelle seines Postens enthoben worden sein, aber die Zeiten haben sich zum Bessern geändert und die Führer fühlen, dass sio heute nicht mehr das Heft in den Händen haben wie vor zwanzig Jahren, als sie nocli in der Mehrheit waren. Diese inneren Gemeindekämpfe hätten keine allgemeine politische Bedeutung, wenn nicht ein Teil der ,,englischen Führer" öffentlich und in der Presse eine direkte feindliche Stellung gegen die „Fremden", d. h. die russischen Juden, eingenommen hätten. Die Rebellion der russischen Juden hat sie natürlicherweise verbittert, denn ohne die russischen Juden ist ihre Führerschaft und ganze soziale Stellung, die sie ihrer Führerschaft verdanken, schimärisch, und um den Eindruck dieser Rebeilion abzuschwächen, griffen sie zu einem sehr zweifelhaften Mittel: die russischen Juden öffentlich der Ordnungs- und Gesetzeslosigkeit anzuklagen. Die fremden- und judenfeindliche Presse nahm von diesen Anklagen Kenntnis und beutete sie zu einer Agitation für eine Verschärfung der Einwanderungsgesetze aus. Das hat selbstverständlich die russischen Juden noch mehr gegen ihre englischen Führer verbittert, und da nun das Chief- Rabbinat gegen die grosse Mehrheit der hier lebenden osteuropäischen Juden, die speziell in der Provinz einflussreich sind, nicht existieren kann, so dürfte die Bestellung eines neuen Chief-Rabbis nicht leicht sein. Die osteuropäischen Juden sind nicht ausdrücklich gegen einen Chief-Rabbi überhaupt, nur verlangen sie, dass der neue Chief-Rabbi kein Papst sei, und dass er wirklich ein Oberrabbincr, dem Rabbinen unterordnet sind, sein soll. Insbesondere verbitten sie sich die ,,Ueberwachung ihrer Kirche" von Seiten des Chief- Rabbis. Jeder Rabbiner soll gleicherweise berechtigt sein zu entscheiden, was rituell recht und unrecht ist, denn das jüdische Gesetz gibt jedem Rabbiner dieses Entscheidungsrecht. Vor kurzem hat aber die Zentralisation des rituellen Entscheidungsrechts durch das Chief - Rabbinat zu einem Gemeindeskandal geführt. Ein im East End von London lebender russischer Rabbiner hatte sich dazu verstanden, die Aufsicht über eine jüdische Metzgerei zu übernehmen. Bald darauf veröffentlichten die Blätter auf Befehl des „Schechitaamtes", dem der Chief-Rabbi vorsteht, ein Verbot, bei diesem Metzger Fleisch zu kaufen, weil er nicht der Aufsicht des Chief-Rabbi unterstellt sei. Die Metzgerei erlitt natürlich dadurch grossen Schaden und der Metzger klagte auf Schadenersatz. Dr. Adler selbst erschien vor Gericht, Israel Zangväll wurde ebenfalls vernommen und das Gericht konnte sich nicht dazu entschliessen, dem Chief-Rabbi Recht zu geben und es

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