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Ost und West · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. Seite 551 - 552

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
Briefwechsel zwischen dem Central-Comité und der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der "Alliance Israélite Universelle"
Date
1911-06-01
Page
Seite 551 - 552 (sequence 2)
Language
German
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551 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Briefwechsel zwischen dem C. C. und der D.C.Gr, etc. 552 „Lassen Sie mich Ihnen sagen, dass ich Thre Befürchtungen wohl verstehe, dass ich aber die feste Hoffnung habe, dieselben zu zerstreuen, indem ich Ihnen die Gründe darlege, die das Central-Comite bestimmen, die Kandidatur des Herrn Reinach aufrechtzuerhalten. Seit 26 Jahren gehört Herr Reinach dem Central-Comite an, dessen Vize- Präsident er ist. Er ist einer der Gründer der Jewish Colonization Association; in der Gründungsurkunde steht seine Unterschrift neben der des Barons Hirsch. Er ist jetzt zum zweiten Mal Präsident der Societe des Etudes juives in Paris. Wir haben in ihm einen Kollegen mit treuem jüdischem Herzen, der seit 26 Jahren jeder unserer Sitzuniren beigewohnt hat, der unserem Werk seine Zeit, seine hohe Intelligenz widmet und ihm täglich wertvolle Dienste leistet. Bei der Wahl der Central-Comite-Mitglieder haben wir uns nicht mit deren religionsphilosophischen Ansichten zu befassen. Das ist Privatsache eines jeden einzelnen Mitglieds und für seine Person allein, nicht aber für die übrigen Kollegen verbindlich. Herr Rein ach ist zu sehr von dem Geist unseres Werkes durchdrungen, um seine persönlichen Ansichten hineinzutragen. Im Einverständnis mit uns leitet er unser Werk in traditionell-religiösem Geist, den wir in allen unseren Institutionen aufrechterhalten. Meinen Sie, dass es gerecht wäre, uns von einem Kollegen von solchem Wert zu trennen, weil er in religiöser Hinsicht Ideen hat, die nicht die Unsrigen sind?!" Es scheint unnötig, diesen Zeilen noch etwas hinzuzufügen, denen das Centrai-Comite einhellig zugestimmt hat. Was die von der D. C. G. nominierten deutschen Kandidaten betrifft, so hat das Central-Comite nach Prüfung erkannt, dass diese Aufstellungen nicht denselben Anspruch auf Würdigung haben können, als die von dem Central-Comite vorgeschlagenen Namen, deren Träger der Alliance Israelite Universelle Dienste geleistet haben. An der Liste vom 15. April können keine Aenderungen vorgenommen werden, was selbstverständlich nicht hindert, dass jedes Mitglied der Alliance das Recht hat, nach seinem Gutdünken zu stimmen. Entgegen unserer, auf die Korrespondenz mit Herrn Blau gestützten Annahme, haben die drei Frankfurter Kollegen am 3. Mai abgelehnt sich aufstellen zu lassen. Da die Zeit zu kurz ist, um in die Liste drei neue Namen einzufügen, werden die drei Stellen dieser ausgeschiedenen Mitglieder frei bleiben, um in späterer Zeit besetzt zu werden. Die Zahl der von den Alliancemitgliedern zu wählenden Mitglieder ist definitiv auf 33 festgesetzt, wovon 1-1 in Paris, 19 ausserhalb Paris wohnen. Was die Delegation betrifft, die die D. C. G. zum Termin der Wablen nach Paris zu entsenden gedenkt, so wird die Centralleitung immer erfreut sein während der für das Skrutinium geöffneten Stunden von 9—12 des 4. Juni Mitglieder des Central-Comite und selbst auch einfache Mitglieder der Alliance zu begrüssen. Aber das Zählen der Stimmzettel, das lange Tage oder Wochen dauern wird, ist seit 50 Jahren von dem Bureau unter ausschliesslicher Aufsicht der Central-Comite- Mitglieder ohne Zulassung von andern besorgt worden. Das Central-Comite ist der Ansicht gewesen, dass kein Grund vorliege, in dieser Beziehung eine Neuerung einzuführen. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung unserer Hochachtung. Für das Central-Comite Der Sekretär I. Bigart. P. S. Der Text dieses Schreibens, dessen Uebersetzung wir an alle Mitglieder des Central-Comite in Deutschland geschickt haben, ist von dem Central- Comite in der Sitzung vom 3. Mai selbst festgestellt worden. Berlin, 15. Mai 1911. An das Comite-Central der Alliance Israelite Universelle in Paris. Sehr geehrte Herren! In Beantwortung Ihres geschätzten Schreibens vom 4. Mai d. J. müssen wir Ihnen leider unser Bedauern darüber ausdrücken, dass die Sitzung des C. C. vom 3. d. M. nicht dazu "beigetragen hat, die Wahlfrage in einem friedlichen, für die Interessen unserer Alliance förderlichen Sinne zu lösen. Wir stellen fest, dass das Comite Central den gerechten Forderungen der D. C. G. in keinem Punkt irgendwie Rechnung getragen hat. Aber damit nicht genug, hat das C. C. durch die Streichung von drei deutschen Kandidaten aus der ursprünglich auf 36 festgesetzten Liste uns von neuem den Beweis dafür geliefert, dass unsere Klagen über das Vorgehen der Centraileitung nur zu sehr berechtigt sind. Wir müssen energisch dagegen protestieren, dass die Centraileitung ohne Bedenken die Rechte der 13000 deutschen Mitglieder beeinträchtigt und die Zahl der deutschen Yertreter im C. C. um drei Stimmen gekürzt hat, bloss aus dem Grunde, weil die kurze Zeit bis zum Wahltermin eine Verständigung über drei neue Kandidaten nicht mehr gestatte. Nicht die D. C. G., sondern das Comite Central hat den Wahltermin auf den 4. Juni festgesetzt und hielt trotz unseres nachträglichen Einspruchs an ihm fest. Wir erachten es daher für unbillig, dass nun gerade die*er Grund gegen uns angeführt wird. Wir wollen jedoch nicht noch einmal um Aufschub des Wahltermins ersuchen, da wir nach unsern bisherigen Erfahrungen auf keinen Enolg rechnen könnten. Durch den Umstand, dass Sie, sehr geehrte Herren, es abgelehnt haben, unserm Wunsche entsprechend, für Herrn Reinach einen anderen in Paris domizilierenden Herrn vorzuschlagen, und noch dazu drei deutsche Kandidaten gestrichen haben, sehen wir uns genötigt, die von uns bis jetzt beobachtete Zurückhaltung inB^zug auf dieNominieruDg von Pariser Kandidaten aufzugeben. Wir werden daher auch andere in Paris wohnhafte Kandidaten vorschlagen, von denen wir annehmen, dass sie im Sinne dar Prinzipien und Ziele der Alliance bestrebt sein werden, die Interessen des Judentums und unserer Glaubensgenossen zu wahren und zu fördern. Was nun die beiden von Paris vorgeschlagenen deutschen Kandidaten oetrifft, so wiederholen wir noch einmal, dass wir ihre Nominierung nicht aus persönlichen sondern nur aus prinzipiellen Gründen abgelehnt haben. Wir gehen der Erwartung Ausdruck, dass beide Herren unsern Standpunkt billigen und unserer Kandidatenliste zustimmen werden. Zum Beschluss der D. C. G. bezüglich der Wahlprüfung möchten wir bemerken, dass es uns nicht auf

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