Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Die jüdische Abteilung in der internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 535 - 536 (sequence 3)
- Language
- German
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535 Dr. Bamberger, Schünlanke: Die jüdische Abteiluug in der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden. 53G sechs Bildern, welche in ergreifender Weise die Vorgänge von dem sich nahenden Tode bis zur Rückkehr vom Friedhof darstellen. Im Anschluss daran weisen wir auf das recht gelungene Modell einer Taharoh (Leichenwaschung) hin. Von unschätzbarem Werte — und deshalb auch mit ganz besonderer Sorgfalt behandelt — sind jene beiden Religions Vorschriften, die extra und intra muros so viel Angriffe erfahren haben, Schechitho und Miloh. Das jüdische Schlachtwesen (Schechitoh), die Untersuchung des Tieres (Bedikoh) und das Befreien des Fleisches vom Blute (Melichoh) wird in Bildern und Modellen, in seiner unendlichen Bedeutung ad oculos demonstriert. Originell geradezu wirkt der Schochet, der eben die Lunge untersucht, die Frau, die eben Fleisch salzt, der Metzgerbursche, der mit dem Goldbergschen Niederlegeapparat zeigt, dass die von den Schächtgegnern behauptete Tierquälerei beim Niederlegen des Schlachttieres in das G-ebiet der Fabel zu verweisen ist, in gleicher Weise wie das Blutmärchen, wird doch durch aie Melicha das Verbot des Blutgenusses jedem, der sehen will, deutlich gezeigt. JULIUS OBST. BERLIN", Der Mäher. (Zum Artikel „Julius Obst" Säte 529/530). Nicht unerwähnt lassen wollen wir jene beiden aus München stammenden Herzen, die von einem rituell geschächtetea und einem nicht rituell getöteten Hammel— beide gleich gross und schwer — herrühren. Das Herz, das dem rituell geschlachteten Tiere entstammt, ist weit kleiner als das von dem andern, wodurch bewiesen wird, dass durch die rituelle Schlachtung das Blut reichlicher ausströmt, was vom hygienischen Standpunkte — die bessere Konservierung des Fleisches — von ausserordentlicher Wichtigkeit ist. Die Bedeutung unserer rituell vorgeschriebenen Beschneidung wird heute von den meisten Aerzten und Hygienikern wohl zugegeben. Dennoch fehlt es auch an Gregnern nicht und deshalb ist es sehr verdienstvoll gewesen, die verschiedenen für die Ausübung des heiligen Aktes erforderlichen Instrumente zur Ausstellung zu bringen, selbst das Mezizohröhren ist vorbanden. Wir beobachteten u. a. auch Mohelbücher, die aus sehr alter Zeit stammen, deutlich geschrieben mit schönen Einbänden. „In der Beschränkung zeigt sich der Meister." Auch wir wollen den Versuch machen, uns Beschränkung aufzuerlegen und nur noch auf einen bedeutsamen Gegenstand dieser Abteilung hinweisen. Es sind dies die Modelle der alten Ritualbäder (Mikwoaus) von Worms, Speier, Offenbach und Friedberg. Recht komplizierte Anlagen, die dadurch begreiflich werden, dass es notwendig war, die Tauchbäder tief in den Boden hinein zu bauen, damit dadurch, dem Wässerspiegel näher, das Wasser auf natürliche Weise ohne Menschenzutun einströmen kann. Wir verliessen die Ausstellung mit der festen Ueberzeugung, dass durch die jüdische Gruppe unbedingt etwas geschaffen wurde, das der Ehre unserer heiligen Thoia und der Ehre unseres Volkes vieltausendfältigen Nutzen bringt. Auch dann, wenn die Ausstellung vorüber sein wird, wird eine bleibende Erinnerung gesichert durch das von Dr. Grunwald veranlasste und von ihm redigierte Werk „Hygiene der Juden", das soeben erscheint. Das grossangelegte Werk (40 Bogen stark) ist eine Zusammenfassung alles dessen, was auf die Hygiene bei den Juden Bezug hat, es sei historisch oder praktisch von Bedeutung. Das Werk, das im Verlage von Singer in Dresden erscheint, enthält folgende Beiträge: Dr. Grunwald: Zur Einführung (Einfluss der Hygiene der Juden auf die spätere und neueste Zeit). Dr. Baneth-Berlin: Das jüdische Ritualgesetz im Lichte der Hygiene. Dr. P. Münz-Nürnberg: Die Hygiene der jüdischen Speisegesetze. Dr. Freimann-Frankfurt: Bibliographie der jüdischen Hygiene, ergänzt von Zeitlin-Leipzig und Seeligmann-Amsterdam. Dr. Nordheimer-Schwetz: Urteile über die Hygiene der Juden. Dr. Bamberger-Wandsberg: Die Beschneidung. Dr. Felix Theilhaber-München: Statistik und Hygiene der Juden. Dr. Haase-Wien: Die jüdische Wohlfahrtspflege als Beitrag zur Geschichte der Sozialhygiene. Dr. Weissenberg-Elisabetgrad: Hygiene in Sitte und Brau?h der Juden. Dr. Grunwald: Hygiene der Bibel.