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Ost und West · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. Seite 523 - 524

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
Soziale Gerechtigkeit im alten Judentum
Date
1911-06-01
Page
Seite 523 - 524 (sequence 6)
Language
German
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523 Dr. Felix Perles, Königsberg i. Pr.: Soziale Gerechtigkeit im alten Judentum. 524 ALFRED WOLMARK. Der Rabbi. (Zum Artikel „Alfred Wolmark" auf Seite 537/53S.) geschützt. Dass die Kriege schon in früherer Zeit niclit so grausam geführt wurden, wie es bei den andern Völkern des Altertums üblich war, ersehen wir aus einer Episode im Kriege Aliabs gegen Ben Hadad, den König von Syrien. Die Diener des besiegten syrischen Königs raten dort ihrem Herrn, sich dem Sieger zu ergeben. Denn, so sagen sie, wir haben gehört, dass die Könige Israels milde Könige sind.1) Das Deuteronomium enthält auch ein K ö - nigsgnsetz, das insofern unter allen Verfassungen einzig dasteht, als es nur die Pflichten, aber niclit mit einem Worte die Rechte des Königs erwähnt. Der König muss Inländer sein, darf weder viel Pferde, noch viel Frauen, noch viel Gold und Silber besitzen, dagegen muss er nach seiner Thronbesteigung eine AI»schrift der Thora selbst anfertigen, immer bei sich trogen, und allezeit darin lesen, damit er lerne, Gott zu fürchten, und sich nicht über seine B r ü d e r erhöbe. Die Untertanen heissen hier seine Brüder, die also seinesgleichen sind und denen gegenüber er kfin besonderes Recht in Anspruch nehmen darf. ') 1. Könige 20 31. Die Bedeutung all dieser Gesetze für die damalige Zeit kann erst durch einen Vergleich mit den bei allen Nachbarvölkern herrschenden Zuständen vollkommen gewürdigt werden. Was bei andern Völkern der König beanspruchte, geht aus der gewiss nicht übertreibenden Schilderung hervor, die Samuel dem Volke, das einen König von ihm verlangte, entwarf.1) Gewiss, auch bei den Juden entsprach kaum ein König völlig dem Ideal, das in dem angeführten Gesetz aufgestellt ist, aber mit unerbittlicher Strenge weist der Prophet jederzeit auf das schwere Verbrechen des Königs hin, das in der Verletzung der Pflichten der sozialen Gerechtigkeit liegt. So wendet sich Jeremia an den sündigen König Jojakim:2) „Wehe dem, der sein Maus ohne Recht und seine Hallen ohne Gerechtigkeit baut; der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und ihm seinen Lohn nicht gibt; der da spricht: Ich will mir ein grosses Haus mit weiten Hallen bauen, der sich Fenster ausbricht, eine Zoderntäfelung anbringt und alles mit kostbarer Farbe anstreichen lässt. Bist du dadurch König, dass du die schönste Täfelung hast? Dein Vater ass und trank ja auch, aber er übte Recht und Gerechtigkeit, er führte die Sache des Armen und Dürftigen, darum war ihm wohl. Heisst nicht das mich erkennen? spricht der Ewige. Doch deine Augen und dein Sinn stehen auf nichts als auf deinen Gewinn, auf das Blut Unschuldiger, auf Bedrückung und Vergewaltigung." Wie wir eben gehört haben, wendet sich der Prophet an erster Stelle gegen die Ausbeutung der Arbeitskraft des Volkes durch den König. Der Arbeiter wird hier geradezu als „Rea", das heisst als Nächster LONDON. des Königs.^e.zeichnet, als sollte damit auch äusserlich ausgedrückt werden, dass der König als Mensch den Arbeiter als seinesgleichen zu betrachten habe. Die Arbeit war auch sonst nicht nur durch die schon angeführten Gesetze geschützt, sondern stand auch in der Wertschätzung des Volkes besonders hoch, was wir einerseits aus zahlreichen Sprichwörtern ersehen, andrerseits auch aus einigen Eigentümlichkeiten des Sprachgebrauchs entnehmen können, in denen der Volksgeist sich unbewusst ausgeprägt hat. So bedeutet dasselbe Wort roxba sowohl „Arbeit" als auch „Eigentum", indem nur das als Eigentum gilt, was man selbst erarbeitet hat. Achnlich sind die Zeitwörter rop und ntfy, die ursprünglich „schaffen", „machen" bedeuten, der Ausdruck für „erworben" und „besitzen" geworden. Es erinnert uns das an eine Bemerkung von Henry George3): „To make im Sinne von Verdienen ist vom nationalökonomischen Standpunkt aus buchstäblich gerechtfertigt. Verdienen ist machen." Wir haben uns heute noch nicht die Frage vorgelegt : Wann ist die Gesetzgebung des Deuteronomium!) 1. Samuel 8, llff. 2) Jeremias 22,13ff. 3) Fortschritt und Armut, S. 45 erschienenen deutschen Ueberaetzung. der bei Reclam

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