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Ost und West · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 465 - 466

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Die zehnte ordentliche Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
Date
1911-05-01
Page
Seite 465 - 466 (sequence 7)
Language
German
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465 Mitteilungen der Allianee Israclite Universelle: Die zehnte ordentliche Tagung der IX C. CK etc. 466 Es wurde von Paris die Form beklagt, in der Herr Geheimrat Landau geschrieben hat. Dieser Brief ist aber garnicht für Paris bestimmt gewesen, sondern an uns gerichtet, und wir wissen nicht, auf welchem Wege dieser Brief nach Paris gelangt ist. Ich möchte hier nicht näher auf die Frage eingehen, ob gerade die Pariser Herren das Recht haben sich über den Ton zu beklagen. Ich möchte aber etwas anderes hier erörtern. Die Herren in Paris haben diesen Brief auf Umwegen erhalten, gleich darauf eine Sitzung auf den 15. April einberufen, in der die deutschen Vorschläge, also die vitalsten Interessen der D. C. G., beraten wurden, und wir sind nicht einmal eingeladen worden. Eine Sitzung, in der entschieden werden sollte, welche deutsche Kandidaten auf die Wahlliste zu setzen seien! Nicht einmal um Entschuldigung bitten sie uns, {•ondern setzen uns ganz naiv von der stattgehabten Sitzung in Kenntnis und muten uns zu, ihre Beschlüsse gutzuheissen und unseren Vorsitzenden zu desavouieren. Gegen ein solches Verfahren müssen wir doch energisch Protest erheben und uns alle wie ein Mann auf die Seite unseres Vorsitzenden stellen. Gewiss haben wir alle den innigen Wunsch, in gemeinsamer Wirksamkeit für die Allianee zu arbeiten, und nichts als die Liebe zur Allianee und zu ihrem Werk leitet uis. Aber gerade aus dieser Erwägung heraus müssen wir unsere Stellung wahren und es im höchsten Mass anerkennenswert erachteD, wenn unser jetziger Vorsitzender, der vielbeschäftigte Arzt, sich der Allianee mit solcher Li-:be und mit so warmem Eifer widmet. Wir sind ihm zu Dank verpflichtet, dass er sich mit Einsicht und Energie für unsere Interessen einsetzt, die keine partikularistiseh deutsche, sondern j üdische Interessen sind. Mit Rücksicht darauf, dass wir nach genauer Prüfuug des Tatbestandes mit unserem Herrn Vorsitzenden in allen Punkten übereinstimmen, dass wir mit den gegen unseren Herrn Vorsitzenden von Paris aus erhobenen Beschwerden nicht einverstanden sein können, bitte ich Sie, dieser unserer Ansicht in folgender Resolution gebührenden Ausdruck zu geben: Die zu Berlin am 25. April zu einer ordentlichen Tagung vereinigte Deutsche Conferenz- Gemeinschaft billigt nach Kenntnisnahme des gesamten, in der Wahlangelegenheit zwischen Paris und Berlin gepflogenen Briefwechsels das Vorgehen ihres Präsidenten und spricht ihm ihr volles Vertrauen aus. Die Resolution wurde von allen Mitgliedern ausgenommen eines einzigen, das nur teilweise seine Zustimmung gab, angenommen. Es wird in eine Beratung über die Liste der neuen Kandidaten eingetreten. Nach längerer Diskussion, an der sich die Herren Rabbiner Dr. Porges- Leipzig, Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin, Eabbiner Dr. Werner-München, Dr. Yfahuda-Berlin, Feinstein-Königsberg. Gumpertz-Hainbui g, Stadtrat Gimkiewicz-Rosenbaum, Dr. Friedeinann, Brünn, Dr. Apfel, sämmtlich in Berlin beteiligen, werden Vorschläge angenommen und die Namen der Kandidaten, die evtl. auf die definitive Liste gesetzt werden sollen, festgestellt. Ausserdem wird einhellig der Wunsch ausgesprochen, das Central-Comite möchte, da die Deutsche Conferenz-Gemeinschafc aus den inzwischen in Paris bekannt gewordenen Gründen Herrn Salomon Reinach als Kandidaten für die Wahl zum Central-Comite zu nominieren ablehnt, einen anderen in Paris domizilierenden Kandidaten uns benennen. Mit der Uebermittlung dieses Wunsches nach Paris wird der Vorsitzende beauftragt. Einstimmig angenommen wird feiner ein von Herrn Dr. Apfel eingebrachter Antrag dem Präsidium die weitere Wahlarbeit und die Feststellung der definitiven Liste zu überlassen. Herr Feinstein aus Königsberg, der in Vertretung des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein der Tagung beiwohnte, gab die dankenswerte Anregung, die mit allgemeiner Zustimmung angenommen wurde, dass es den Vorsitzenden der Lokal-Comites zur Pflicht zu machen sei, vorher sich für unsere Liste zu interessieren und schriftlich und persönlich dafür einzutreten. Herr Rosenbaum, Berlin und Herr Oschinsky, Breslau stellen sich, ebenso wie Herr Feinstein selbst, für die angedeutete Wahlarbeit zur Verfügung. Herr Dr. Brann spricht sich in dem folgenden Antrag dafür aus, seinerzeit zu der in Paris stattzufindenden Wahlpiüfung eine Vertretung der Alliancemitglieder in Deutschland nach Paris zu delegieren, um in den Fällen mitzuwirken, bei denen die Gültigkeit der Wahl ev. in Zweifei gezogen würde. Der Antrag wird angenommen. Herr Louis Rosenbaum, Berlin, sieht sich veranlasst, mit Rücksicht darauf, dass das Central-Comite in seiner Sitzung vom 15. April trotz des einstimmigen Beschlusses des Berliner Lokal-Comites und der D.CG. beschlossen hat, die Kandidatur des Herrn Salomon Reinach aufrechtzuerhalten, folgenden Antrag der D. C. G. zur Annahme zu unterbreiten: Die D. C. G. richtet an die auswärtigen Mitglieder des Central-Comifes der Allianee und auch an die französischen Kollegen im Central-Comite, denen die heilige Sache der jüdischen Religion und ihrer Erhaltung sowie die Förderung aller im Judentum begründete humanitären Bestrebungen der Allianee am Herzen liegen, einen Appell, dahingehend, dass auch sie ihrerseits inbezug auf die Kandidatur des stellvertretenden Vorsitzenden der Allianee, Herrn S. Reinach, den von der D. C. G. unternommenen Schritt unterstützen.

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