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Ost und West · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 461 - 462

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Die zehnte ordentliche Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
Date
1911-05-01
Page
Seite 461 - 462 (sequence 5)
Language
German
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46 L Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die zehnte ordentliche Tagungder D. CG. etc. 462 Wir haben es bisher aus weitestem Entgegenkommen unterlassen, ausser einer Persönlichkeit, der die Leitung einer jüdischen Vereinigung, wie die unsrige nicht anvertraut werden kann, andere Personen in Paris in unsere Kritik hineinzuziehen und hoffen noch immer, dass, wenn auch nicht jetzt vor den Wahlen, so doch später, eine Verständigung mit unseren französischen Kollegen möglich sein wird. Dabei möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass wir in dieser Beziehung gerade auf die Mitwirkung unseres hochverehrten Präsidenten Leven rechnen, zu dem wir nach wie vor das Vertrauen haben, dass er dem Geist und den Bestrebungen unserer Vereinigung, zu deren Begründern auch er gehörte, mit ganzem Herzen treu geblieben ist. Der zweite stellvertretende Arorsitzende Herr Rabbiner Dr. Werner-München richtet an die Versammlung folgende Ansprache: Es ist das dritte Mal, dass ich an dieser Stelle Worte der Sympathie und Verehrung für die Vorsitzenden unserer Deutschen Conferenz-Gemeinschaft aussprechen muss. Immer musste ich mich genötigt sehen, bei Misshelligkeiten zwischen Berlin und Paris, unsere Anerkennung den an der Spitze der D. C. G. stehenden Persönlichkeiten zum Ausdruck zu bringen. Auch heute ist es mir nicht nur Bedürfnis, sondern Pflicht, nachdem unser verehrter gegenwärtiger Vorsitzender Herr Geheimrat Landau wegen seiner Massnahmen in der Wahlfrage vom Central-Co mite in Paris scharf kritisiert worden ist, Sie alle, meine Herren, aufzufordern, dem Präsidenten das Zeichen unseres Vertrauens dahin zum Ausdruck zu bringen, dass wir mit seinem Arorgehen in allen Punkten einverstanden sind. Herr Geheimrat Landau hat mit Recht sich beschwert, dass das Central-Comite über den Kopf unseres Präsidiums hinweg sich an einzelne Mitglieder der D. C. Gr. gewandt hat. Gewiss hat das Central-Comite das Recht, mit allen seinen Mitgliedern zu korrespondieren; und auch wir lassen uns umgekehrt das Recht nicht nehmen, mit Paris uns in Verbindung zu setzen. Aber bei einer/ so wichtigen Angelegenheit, wie bei der Fiage der Wahl, in der das Präsidium gerade auf Anregung von Paris sich bemüht hat, die nötigen Erhebungen zu machen und die Wahlfiage nach allen Richtungen hin zu prüfen, wäre es am Platz gewesen, wenn das Central Co mite die mit dem Präsidium der D. C. G. begonnenen Verhandlungen fortgesetzt hätte. Das Central-Comite hat aber die Verhandlungen plötzlich abgebrochen und uns einzeln in einem Brief vom 16. April nahegelegt, uns in Gegensatz zu unserem Präsidenten zu setzeü, ja, ihn zu desavouieren. Ich weiss, dass Sie alle diesen Brief erhalten haben und wissen, dass wir darin aufgefordert worden, nach Paris zu schreiben : wir drücken unser Missfallen aus zu dem, was der Herr Vorsitzende getan hat. Bedenken Sie, meine Herren, was das heisst. AYrir werden von der obersten Stelle aufgefordert, unseren Vorsitzenden zu desavouieren. Ich habe wenigstens geglaubt, dass Herr Geheimrat Landau den Brief auch erhalten hat. Das ist nicht der Fall. Ich musste erst den Brief Herrn Geheimrat Landau einschicken und mir Auskunft erbitten, um nach Paris berichten zu können. In jenem Brief an uns macht das Central-Comite allerlei Ausstellungengegen das Vorgehen des Herrn Geheimrat Landau, Ausstellungen, die nur auf Missverständnissen beruhen, die eben durch die Umgehung des Präsidiums der D. C. G. möglich geworden sind. Vor allem wird unserem Präsidenten vorgeworfen, er habe behauptet, Paris habe nicht das Recht, mit jedem einzelnen D. C.G.¬ Mitglied zu korrespondieren. Das ist nicht richtig. Herr Geheimrat Landau hat nur gesagt, dass das Central-Comite, wie ich bereits hervorgehoben habe, in wichtigen Dingen mit dem Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft in Verbindung zu bleiben hat, im andern Fall es aber einer Desavouierung der D. C. G. gleichkommt. Wir haben uns auch überzeugt, dass der Widerspruch inbezug auf die Voten der Deutschen Confeienz-Gemeinschafts-Mitglieder zur Wahlfrage zum grössten Teil durch Paris verschuldet ist. Aktenmässig ist es klar gelegt, dass die Mitglieder der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft ihre Zustimmung nur zur Wahl eines Drittels und zum Termin des Wahltags an Paris abgegeben haben, aber keineswegs ihre Zustimmung auch dazu, dass von der Wahl neuer Kandidaten abgesehen werden sollte. Aber warum hat Paris nicht direkt Herrn Geheimrat Landau angefragt, wie dieser Widerspruch zu erklären sei? Herr Geheimrat Landau hat es für richtig gehalten, für die ausgefallenen Mandate der D. C. G. neue Kandidaten vorzuschlagen, in dankenswerter Wehe das hierzu nötige Material vorbereitet und ganz korrekt gehandelt, indem er seine Kollegen in der D.C. G. um ihre Zustimmung ersuchte, die auch mit grosser Majorität erfolgt ist. Nun nehmen die Herren in Paris uns übel, dass wir Deutsche es wagen, wir, die wir 13 000 Mitglieder haben, für die wenigen Mandate unsererseits Vorschläge zu machen und glauben, allein das ausschliessliche Recht dazu zu haben. Ich will hier nicht darüber sprechen, ob die von Paris oder von uns vorgeschlagenen Persönlichkeiten hesser sind. Es handelt sich hier gar nicht um PersoneD, sondern um das Prinzip. Wer hat das Recht, Kandidaten vorzuschlagen: Wir, die wir 13 000 Mitglieder in unserem Lande haben oder Paris, das kaum 2000 Mitglieder hat. Und es handelt sich nicht, meine Herren, um Vorschläge wegen sämtlicher Mitglieder des Central- Comites, sondern um unsere eigenen deutschen Mitglieder! Da darf sich die D. C. G. niemals das Recht nehmen lassen, deutsche Mitglieder zum Central- Comite vorzuschlagen, denn sie allein weiss, wer die geeignetsten Persönlichkeiten für dieses Amt sind.

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