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Ost und West · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 447 - 448

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Jüdische Kunst in Palästina
Date
1911-05-01
Page
Seite 447 - 448 (sequence 2)
Language
German
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447 Adolf Fiiedemann: Jüdische Kunst in Palästina. 448 im Lande bekannt und das Kunstgewerbe muss nach den biblischen Berichten auch vor der Zeit hellenischer Beeinflussung einen hohen Stand erreicht haben. Begabungen dieser Art Können wohl unter ungünstigen Lebensverhältnissen in einem Volk jahrhundertelang latent bleiben, keine Anregung zur Betätigung finden, aber verloren gehen können sie nicht. Ein Volk, das starke Anlagen lange Zeit hindurch entwickelt und betätigt hat, vererbt sie stets und ungemindert seinen Nachkommen. Erst kürzlich hat Zollschan diese Tatsachen in seinem vorzüglichen Werke ,,Das Rassenproblem" an der Hand eines reichen wissenschaftlichen Materials nachgewiesen. Es war deshalb kein Zufall, class die Juden, besonders im Westen Europas, alsbald nach dem Falle der Ghettomauern Maler, Bildhauer und Baumeister von massgebender Bedeutung hervorbrachten. Namen wie Israels, Liebermann, Antokolski, Messel genügen zum Beweise. Sie haben nicht nur Werke von Dauer geschaffen, sondern auch Schulen begründet, die in den Vorgenannten geistige Pfadfinder verehren, und die ihrer Zeit den Charakter aufdrücken. Aehnlich schnell entwickeln unter günstigen Einflüssen die östlichen Juden ihr bisher latentes Können. Die vor wenigen Jahren begründete Kunstschule des „Bezalel" in Jerusalem liefert bereits heute Arbeiten von hervorragendem künstlerischem Gehalt, die den Vergleich mit den kunstgewerblichen Arbeiten anderer Länder nicht zu scheuen brauchen. Es kann also auch dem Mensehenmaterial unserer Dörfer der Kunstsinn nicht fehlen, er muss nur geweckt werden. Das aber ist von grösster Wichtigkeit, denn es handelt sich nicht etwa dämm, einen zwecklosen Luxus in das Leben von Bauern zu tragen, sondern ihr Heimatsgel'ühl, ihr Zusammengehörigkeitsbewusstsein zu stärken, und vor allem auch darum ihre Lebensführung zweckmässig zu gestalten. Vor allem kommt die Baukunst in Frage. Das europäische Wohnhaus mit seinem spitzen roten Ziegeldach ist nicht nur unschön in der Umgebung arabischer Bauten mit weissen, gewölbten Kuppeln, es wirkt nicht nur stillos unter Palmen und Zedern, sondern es ist auch unhygienisch, zweckwidrig, teuer. Die Architektur eines Landes ist ja nichts Zufälliges, absichtlich Erfundenes, sondern sie wird bedingt durch das Klima, die vorhandenen Baumaterialien, durch Eigenart und Neigung der Bewohner, die Schönheitsformen der Natur ringsumher. Die ägyptischen Pyramiden sind undenkbar im Alpenlande, die Berner Häuschen in der Wüste. Die mächtigen haubenartigen Dächer de:* Schwarzwaldhäuser wehren dein Schneetreiben und den Stürmen der Gebirge, die flachen Dächer italienischer Städte zeigen das Luftbedürfnis des warmen Südens, hu Blumcnlande der Japaner mit seinen häufigen Erdbeben entstehen zierliche Holzhäuschen mit Formen, die vermutlich dem eigenartigen Wachstum der Nadelhölzer ihre Linienführung mit verdanken. So ist auch der Kuppelbau der Araber und das blendende Weiss ihrer Wohnstätten mit den kleinen, oft an Schiessscharten, mahnenden Fenstern die natürliche Folge des Mangels an Holz für Dachbalken, des Bestrebens, die Häuser kühl, und den Lichtüberfluss fernzuhalten. Will man also zweckmässig bauen und zugleich das Heimatsgefühl stärken, so muss man sich diese Erfahrungen zunutze machen. Man darf aber natürlich nicht einfach kopieren, systemlos die vorhandenen Muster nachahmen, sondern muss sie de n. imbewusst vorhandenen Schönheitsbedürfnis der Bewohner anpassen. Das arabische Wohnhaus von heute stammt ja aus einer Verfallsperiode, in der sich die ganze islamitische Welt seit Jahrhunderten befindet. In Cordova hat man vor 700 Jahren die Strassen durch Laternen hell beleuchtet, gepflastert, die Gebäude für Menschen mit Kulturansprüchen geschmackvoll ausgestattet. Heute sind selbst im englisch-ägyptischen Kairo ganze Stadtteile ohne Licht und Strassenpflaster und die Bevölkerung wohnt dort in halbverfallenen, eilig aufgemauerten Bauten kläglichster Art. Unter türkischer Herrschaft sind überhaupt grössere Bauten fast nirgends entstanden, und das künstlerische Element hat keine nennenswerte' Bolle gespielt. Das liegt begründet im Wesen eines Volkes, das sich fast stets im ..heiligen Krieg'' gegen die Ungläubigen wähnte, und das die eroberten Länder wegen seiner relativ geringen Menschenzahl nur dann) zu behaupten vermochte, wenn es1 in militärischer! Schulung die höchste Aufgabe der Nation sah.. So haben die Türken wohl zu siegen und zu zerstören, aber nicht Kulturwertc zu schaffen gelernt. Man wird sich also das Praktische vom Vorhandenen aneignen, im übrigen nach einem, eigenen Stil suchen müssen. In den angrenzenden, Europäern gehörenden Ländern halten wir ziemlich vergeblich Umschau. Aegypten, Tripolis, sind ohne eine nennenswerte Zahl europäische]- Kolonisten. Die afrikanischen Tropengebiete haben andere Lebensbedingungen, eine holzreiche Vegetation. Das Natürlichste wäre deshalb, auf einen nationalen Stil zurückzugeben, wenn wir einen solchen rekonstruieren könnten. AI.)er das ist sehr schwer. Die bisherigen Ausgrabungen in Jericho, Gezer, Megiddo und so weiter haben Beste von mächtigen Stadtmauern und Burgen, Tempeln und Wohnhäusern zutage gefördert, alter uns nirgends viel mehr, als die Grundrisse kennen gelehrt; vom Aeusscren der Bauwerke wissen wir so;;ut wie nichts. Deshalb sind Jüdisches Institut für Technische Erziehung in Haifa« Entwurf: J^gir-nmirsbauiiioi^ter ' A le x Ba nr \va l <1.

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