Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Jüdische Kunst in Palästina
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 445 - 446 (sequence 1)
- Language
- German
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44Ö 446 s?r:::-: . ■-■ ,. •-■ . -• - >• .. — ■ :. r .,^..\^- ■■ .- . .. '.-^ ^^-ÄSlIS ' : ^^ÄS- Zweifamilienhaus. Entwurf des Baumeisters Eliasberg in Berlin. JUEDISCHE KUNST IN PALAESTINA. Von Adolf Fri edeinaim. Nachdruck verboten. Die Ansied lungen der württembergisehen Templer in Palästina rufen im Beschauer sogleich die Empfindung wach, auf deutschen Boden versetzt zu sein, etwa in eines der freundlichen süddeutschen Dörfer. Deutsch ist die Bauart der Häuser, deutsch die Anlage der duftenden Bhimcngärtchen, deutsch die Gesamtanlage der Ortschaft. Ein Stückchen Schwaben ist in den heissen, sonnigen Orient versetzt, und die Bauern fühlen sich in ihm auf Heimatboden, wie ihre Brüder im fernen ncbclreiehen Europa. Darum hängen sie auch gleich ihnen zäh an ihrem Besitz, an ihrem Stückchen Land, das sie lieben, mit dem sie persönlich zusammenwachsen. Niemand von ihnen sendet die Söhne ausser Landes, oder wandert gar selbst nach schlechten Ernten aus. Die jüdischen Hauern haben <>s wiederholt getan. Blühend sind auch die jüdischen Dörfer, und ihre Entwicklung ist eine durchaus befriedigende. Aber ihnen fehlt das Charakteristische. Lange, schnurgerade Strassen durchziehen die Kolonien, die Häuser sind nach irgendeinem höchst eintönigen Schema blockweise errichtet worden, die Yorgärtchcn trauern um Pflege und es herrscht Mangel an Haustieren. Kurz, die Bewohner sind fleissige Bodenarbeiter, sie sind erfolgreiche Wirtschafter, aber es fehlt oft noch das liebevolle Verständnis für die Arbeit, die nicht unmittelbare Erträgnisse bringt: sie sind seelisch noch nicht recht daheim in den Neigungen des Landmanns. Selbstverständlich kann in diesem geringeren Yerwachsenscin mit der Scholle kein Vorwurf für unsere Bauern liegen. Sie haben eben infolge der traurigen Lebensbedingungen im Osten Europas kein innerliches Verhältnis zur Natur ererbt, wie die Söhne glücklicherer Volker. In die Enge des Ghettos dringen nicht die Strahlen der Frühlingssonne, nicht Vogelgezwitscher und Blumenduft, keine bäuerliche Tradition stützt die Einwanderer in den völlig neuen Lebensverhältnissen eines fremden Berufes und Landes. Und der Schönheitssinn muss erst geweckt werden in einem Volk, das in Not und Jammer Jahrhunderte gelitten hat, dessen ganze Sorge der kümmerlichen Erhaltung eines ärmlichen Lebens galt. Mittelalterlich düstere Vertiefung in das Ausserweltlich-Transzendentale hat sie ja bislang ferngehalten von der Berührung mit dem warmen Leben der Kulturmenschheit, die sich schon hier in dieser Welt behaglich einrichtet und das Leben mit geistigen Genüssen schmückt. Wer nicht Zeit und Lebensfreude besitzt, kann sich auch nicht mit der Schönheit der Dinge um ihn her befassen. Die Mühseligen und Belaclenen müssen zunächst für die Sicherung ihrer Existenz sorgen. Die Juden haben in alter Zeit zweifellos Kunstsinn besessen. Das beweisen die Berichte über die Erbauung der Stiftshütte, des Tempels, der Paläste Salomos, über die Ausschmückung der Gebäude, der Stadtmauern. Der Guss des Erzes zu Bildsäulen war