Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Im Lande Spinozas
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 431 - 432 (sequence 2)
- Language
- German
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431 Ernst Altkirch: Im Lande Spinozas. 432 Das Spinozadenkmal im Haag mit den „Häusern vom Heiligen Geist letzten Hauswirt Spinozas Hendrik van der Spyk zugeschrieben wird, den Vergleich nicht aus. Ich führe es den Lesern nochmals vor, da ich es nach einer neuen Photographie zeigen kann, die für mich im vorigen Jahr angefertigt worden ist. Das Porträt wird im Miniaturenkabinett des Königlichen Hausarchivs (nicht im Sommerpalast) im Haag aufbewahrt und ist vorzüglich erhalten, besonders durch seine schönen Farben wirkt es ungemein lebendig. Eine sehr eigenartige Bronzestatuette Spinozas kam mir im Haag zu Gesicht. W. Meijer, der Sekretär der Vereinigung „Het Spinozahuis",machte mich auf sie aufmeiksam mit Andeutungen, die mich ein höchst abstossendes Werk erwarten liessen. Nach jedermanns G-eschmack wird diese Statuette freilich nicht sein. Man glaubt zunächst, einen indischen Asketen zu sehen. Eingehendere Betrachtung aber dürfte zu der Ueberzeugung führen, dass wir hier ein durchaus persönliches und mit feinstem künstlerischen Verständnis durchgebildetes Werkchen vor uns haben. Es rührt her von dem jüdischen Bildhauer J.Mendes da Costa, der in Amsterdam lebt. Ueber ihn werde ich an anderer Stelle mehr berichten. Auf dem Sockel der Statuette befindet sich vorn die Inschrift ,.Beatitudo". Dem realistischen Werkchen, das den Philosophen in seiner Häuslichkeit zeigen soll, sind Abkömmlinge der Familie Spinozas, die den Namen Spinoza Catella führen, und die Bildnisse des Rijnsburger Spinozahauses zugrunde gelegt worden. Eine verkleinerte Nachbildung des Spinozadenkmals im Haag hat die Bildhauerin R. van Dantzig auf Veranlassung der Rijnsburger Spinozahaus-Vereinigang angefertigt, von der Abgüsse in Bronze hergestellt wurden. Ich gebe dem Spinoza von J. Mendes da Costa, der ein Künstler von Bedeutung ist, den Vorzug. Leider werden in Holland für derartige Bronzen unerschwingliche Preise gefordert. — Das Denkmal auf der Paviljoensgracht erfreut sich jetzt der Aufmerksamkeit der Behörden. Ich bemerkte nicht mehr wie früher auf des Denkers Schosse und innerhalb des Gitters die faustgrossen Ziegelsteine. Die inzwischen erfolgte Verlängerung der Paviljoensgracht ist Spinozastraat getauft worden. Nicht wenig erstaunt aber war ich, in ihrer Nähe ein „Credit-Magazijn Spinoza" anzutreffen. Bis vor nicht langer Zeit hat es dort sogar eine obskure Kneipe gegeben, in der Dirnen und sonstiges schlechtes Gesindel verkehrten, die sich den Namen des Philosophen beigelegt hatte. Der Haag soll in den nächsten Jahren grossen baulichen Veränderungen unterworfen werden, deshalb schien es mir angebracht, das Arbeitszimmer und Schlafgemach Spinozas in dem Haus auf Waterlooplein, die frühere Houtgracht, in Amsterdam.