Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Im Lande Spinozas
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 433 - 434 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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433 Ernst Altkirch: Im Lande Spinozas. 434 dor Stillen Verkade, die später auch von seinem Biographen Colerus benutzt wurden, photographieren zu lassen. Das Haus ist bisher, im Gegensatz zu den übrigen Spinozastätten, nicht umgebaut worden. Auch das schöne Innere der Protestantischen Kirche anf dem Spay, in der Spinoza begraben wurde, kann ich im Bilde zeigen. Die Begräbnisstelle ist mit einem Kreuz bezeichnet. — Das stille Rijnsburg traf ich inmitten blühender Blumenzwiebelfelder an. Ein vielfarbiger Teppich herrlicher Tulpen war selbst um Spinozas Wohnstätte gebreitet. Die Eijnsburger Tulpenzüchter erfreuen sich eines guten Rufes. Auch dieses Mal habe ich wieder eine wandervolle Stunde in der Studierstube des Hauses verbracht; aber geht man nicht mit den Bücherschätzen, die dieser Raum birgt, zu leichtsinnig um? Ich war völlig mir selbst überlassen. Büchermarder könnten sich hier in aller Ruhe die Taschen voll stecken. Dass noch kein Diebstahl vorgekommen ist, muss als ein wahres Wunder gelten. Auch sollte man den Kindern den Zutritt zur Werkstätte nicht erlauben, und unangenehm muss es den Besucher anmuten, wenn er über die Schleifbaak ganz ungeniert Weiberzeug zum Trocknen aufgehängt sieht. Auf den Bücherbrettern des Bodenraumes lagen verfaulte Apfelsinen und anderer Unrat. Es ist gewiss gut und schön, dass das Spinozahaus nur von einfachen Gärtnerleuten, denen einige Stuben abgetreten sind, instand gehalten wird. Aber die sprichwörtlich gewordene holländische Sauberkeit möchte man hier am allerwenigsten vermissen. Ich hatte in Erfahrung gebracht, dass ein alter Rijnsburger eine Tabaksdose mit einem Bildniss Spinozas besitze. Als ich zu ihm kam, hörte ich aber, dass sie vor gar nicht langer Zeit an einen Amerikaner verkauft worden sei. So musstc ich denn mit langem Gesicht und mit einer Handvoll roter Tulpen aus dem nach Amsterdam fahren. Auch in dieser Stadt gibt es eine Spinozastraat, nur weiss ich nicht geoau, ob sie sich im Judenviertel befindet. Vom Waterlooplein, an dem das Spinozahaus liegt, wurde mir eine alte Photographie zur Verfügung gestellt. Zur Zeit des Denkers hiess der Platz die lange Houtgracht. Auf dem Bild ist die Gracht noch vorhanden, die jetzt zugeworfen ist. Um dem Leser auch eine Vorstellung davon zu geben, wie im 17. Jahrhundert ein Haus im Amsterdamer Judenviertel aussah, habe ich eins der ältesten, das noch gut erhalten ist, aufnehmen lassen. In seinen einfachen, ruhigen Verhältnissen spürt Spinozahaus - Gärtlein Das Spinozahaus im Haag auf der Paviljoensgracht. man die vornehme Schlichtheit der alten Zeit. Das Haus Rembrandts auf der Joden-Breestraat, das 1908 von einer Vereinigung von Kunstfreunden angekauft wurde, ist im vorigen Jahr umgebaut worden. Man hat versucht, es in den fiüheren Zustand zurückzuversetzen. Auch die innere Ausstattung soll dem Gedächtnis des gewaltigen Malers dienen. Jeder Gebildete, der in ZukunftHolland besucht, wird es dankbar anei kennen, dass er dort, wo Spinoza und Rembrnndt gelebt und geschaffen haben, zu kurzer Rast einkehren und sich an würdig bereiteter Stätte den Manen dieser Grossen nahe fühlen kann. Stube mit kleinem Nebenraum, in denen sieh Spinozns Arbeitszimmer und Bettstelle befundei auf der Stillen Veerkade im Haag»