Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Einiges über Auffassung von Würden und Ehren im Judentum
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 421 - 422 (sequence 6)
- Language
- German
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42 L Dr. Max Steif: Einiges über Auffassung von Würden und Ehren im Judentum. 422 Das Hervorkehren seiner besseren, vornehmeren Abstammung, ohne auf eigene Verdienste und Vorzüge hinweisen zu können, erfuhr mitunter rocht derbe Abfertigung. Selbst von einem Maimonidcs ist uns ein spitzes Epigramm erhalten, durch das er den Ahnenstolz eines seiner Gegner, des Arztes Juda AI lach ar, in witziger Anspielung auf den biblischen Chamor, den Fürsten von Sichern, persifliert mit den Worten: ^Venn die Geburt, von edlem Ahn Den Kindern Fürstenrang gewährt, Nenn ich mein Maultier Fürst fortan, Weil einst Chamor als, Fürst geehrt. Auch der eiwähnte Salomo Alami kann nicht umhin, auf diesen Eitelkeitszug seiner Zeit rügend hinzuweisen: „Rühme dich nicht deines Jichus; denn es ist ein lügenhafter Schimmer, sich zu brüsten mit denen, die bereits im Grab ruhen, und dabei seine eigene Vervollkommnung zu vernachlässigen." Neben der Aristokratie des Blutes suchte sich, wie anderwärts, die Aristokratie des Gel d e s auf jede nur mögliche Weise zur Geltung zu bringen. Indessen niuss bei einiger Unvoreingi fiiommenheit cingeräu mt werden, dass nirgends, wie innerhalb der Judenheit, sich der Reiche der Pflichten, die ihm der Reichtum auferlegte, auch bewusst geblieben. Es darf keinesfalls als die Sucht prahlerischen Grosstuns hingestellt worden, wenn hier mit dem Reichtum eine Freigebigkeit Hand in Hand ging, die von jüdischen Dichtern und Gelehrten nicht genug gepriesen werden konnte, wenn die jüdischen Reichen sich zu allen Zeiten als Mäzene und edelsinnige Gönner horvorgetan. —Andererseits zeigten sich manche nicht unähnlich jenen Reichen Babylonicns, von denen der Talmud sagt, dass ihnen das Gehinnoin bevorstehe (Beza 32b), und gaben durch ihr anmassendes Betragen und eitle Ueberhebung den jüdischen Dichtern und Denkern verschiedener Zeiten Grund zu brandmarkenden Zurechtweisungen. Der gottbegnadete Dichter JbnGabirol (gel>. um 1021), dem manches Erdenleid widerfahren, stimmt in seiner moral-philosophischen Schrift „Zur Veredlung der seelischen Neigungen", bittere Klage über gewisse reiche Persönlichkeiten von Saragossa an. ST. BENDER. „über jene Hochmütigen, die sich über ihre Genossen erheben und ihnen den Rücken kehren". Ein anderer mittelalterlicher Satyriker, Juda ibn Sabbatai, Arzt in Barcelona (um die Mitte des 12. Jahrhunderts) weist in seiner Schrift: ,,Kampf der Weisheit mit dem Reichtum" die Ueberhebung des letzteren in seine Schranken zurück und ein Schemtob (im 14. Jahrhundert) spricht es indigniert aus: Sollten andere grösser sein Meines Volks, als ich es bin, Weil vom König sie allein Zogen Gut und viel Gewinn? Und bei dem allgemeinen grossen Unglück der Vertreibung aus Spanien wurde auch die Selbstsucht und Habgier der jüdischen Reichen der Mitschuld geziehen: ,,An diesem Gebrechen haben die jüdischen Simchas^Thora. MUENCHEN.