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Ost und West · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 419 - 420

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Einiges über Auffassung von Würden und Ehren im Judentum
Date
1911-05-01
Page
Seite 419 - 420 (sequence 5)
Language
German
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419 Dr. Max Steif: Einiges über Auffassung von Würden und Ehren im Judentum. 420 ST. BENDER. Die Thora. Werk Machazith-haschekel genannt), der in Boskowitz als ein bescheidener Kleinhändler lebte, und als er die Berufung nach einer grossen ungarischen Gemeinde als Rabbiner erhielt, sie mit der Begründung ablehnte, er könnte sich vielleicht entschliessen, die Stelle eines Schulklopfers, aber nicht eines Raws in dieser Gemeinde anzunehmen.1) Eine der üblen Folgeerscheinungen des sog. Aufklärungszeitalters, in dem man oft wähl- und kritikx) Als Beweis, wie strenge es selbst mit blossen Titeln bei wirklichen Gelehrten genommen wurde, kann die Bemerkung eines Alexander Süssleiu hakohen (1349 Verfasser des Werkes „Agudda") gelten, dass es keinen eigentlichen Talmid Chacham im Sinne des Talmuds mehr gebe, der auf die einem solchen gebührenden Rechte und Befugnisse Anspruch erheben dürfte. los gegen allen Brauch und Herkommen zu Felde zog, war es, dass in gewissen Kreisen auch eine Minderwertung des Rabbinerstandes gezeitigt worden, dem die Mut der traditionellen Uebcrlieferung anvertraut ward. Nicht zum wenigsten trug hierzu aber auch der Gegensatz der Meinungen im eigenen Lager der Rabbiner bei, wenn da z. B. ein Anhänger der damaligen freisinnigen Richtung, Saul Berlin, Rabbiner zu Frankfurt a. 0. in einer scharfen Satire gegen manche Ueberfrommenlosschlug, oder ein David Karo oder ein Löh Mises die gegnerischen Rabbiner wie „duminköpfige Schüler behandelten, die die Rute verdienten". — Da war es denn nicht zu verwundern, dass solche gegenseitige Herabwürdigung auch bei den dem Stand Fernstehenden Nachahmung fand, dass jenes berüchtigte Gutachten eines Berliner Vorstehers, Rüben Gumperz, an die Regierung 1825 erstattet werden konnte, in dem vom Rabbiner im wegwerfenden Ton als ,, Kauscher-Wächter" gesprochen wird, während um eben die Zeit ein vorurteilslos denkender Andersgläubiger, M. Bail, pich äusserte, „er könne nie einem Rabbiner mit weissem Bart geschmückt begegnen, ohne an die ehrwürdigen Patriarchen zu denken." Die höhere Wertung der Aristokratie des Geistes fand in früheren Zeiten auch darin ihren Ausdruck, dass man einen gewissen Stolz darin MUENCHEN. setzte, von einer Gelehrtenfamilie herzustammen, der mit dem Stolz jener Familien wetteiferte, die wie die lbn > Daud und Abrahanel, sich vom Davidischen Königshaus herleiteten. Indessen spielte dieser sog. J i c h u s , wie schon zur talmudischon Zeit, mehr bei der Wahl einer Lebensgefährtin eine Rolle, wenn auch nicht ein jeder hierbei mit solch rigoroser Strenge wie jener babylonische Gesetzeslehrer R. Juda (um 220 n.) vorgegangen sein mag, der nicht bloss seinen eigenen Sohn lange von der Verheiratung zurückgehalten, weil er nicht gewiss war, ob die Familie, aus der er ihm eine Gattin zuführen könnte, über alle Anfechtung erhaben war, sondern darin auch soweit ging, mehrere für angesehen gehaltene Familien in diesem Punkt für nicht ganz einwandfrei zu erklären, wodurch er sich erbittertster Feindschaft, eine Zeitlang sogar direkter Lebensgefahr, aussetzte. —

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