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Ost und West · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 351 - 352

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Etwas über jüdische Sprichwörter
Date
1911-04-01
Page
Seite 351 - 352 (sequence 2)
Language
German
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351 Thekla Skorra: Etwas über jüdische Sprichwörter. 352 Was ihr mir draussen auch Böses antun mögt, daheim, die Meinen werden's schon wieder gut machen an mir. Und wenn ihr mir Hände und Fasse bindet, ich habe keine Sorge, sie werden mich schon lösen. ,,U n g c b e t'n e K r a n wen, s e t z t m c h int o r'n A n \v e n." Entspricht völlig dem bekannten deutschen Sprichwort: „Ungebet'ne Gäste gehören unter'n Tisch." Uebrigens für die Gastfreundschaft beider Völker wenig rühmlich: doch hat erfreulicherweise das Volk hier wie dort selten danach gehandelt. Bei uns Juden zumal konnte wohl jeder Bedürftige, Verfolgte, der sich an den Tisch eines Glaubensgenossen flüchtete, sicher sein, dass er dort gespeist und getränkt und geschützt wurde. Das Wort will auch wohl mehr den einzelnen vor Aufdringlichkeit warnen. , ,1) a s schönst o K. i n d i m C h e cl e r (S o h ii I e) i s in c i n." Wenn du eine Mutter fragst, welches unter den Kinde ru dort ist deins?" sie hat keine andere Beschreibung für ihr Kind, als „das schönste, das allerschönste'*. sie ff ,.A s in a n d o r g 13 h b t, n e in in; a s m o d o r n o in nU, sc Ii r o i!" Ohne weiteres verständlich. ,,Y o n e S c Ii n o r r o r (A r in o r) sollst c n i c Ii borgen n n <• m i o s s e Mod (M Ii d - € Ji o n) d a r f s b e n i c h k ii s s c n." Der Reiche, von dem du borgst, wird gar kein Aufhebens machen, denn es ist ihm etwas Alltägliches: ebenso wie das hübsche Mädchen gewohnt ist, dass man sie küsst. Der Schnorrer aber wird damit grosstun, und das hlissliche Mädchen mit dem seltenen Triumph prahlen. .,1) o g a n z e C Ii a s n e (H o c Ii z e i t) k o i bös' \V o it.!""■' Wie lange wird dies Ehepaar sich vertragen? Die ganze Hochzeit über sicher. Ob nachher?! Darüber schweigt der Chronist. Gilt auch von einem, der mit etwas Sclbstverständlichem prahlt. ,,B o sinnt s i <•■ Ii d e r C Ii o c Ii e in (Iv 1 n g e), b « s i n n t s i c Ii d e r N a r r." Der andere war gutmütig und unerfahren genug, dir einen recht vorteilhaften Vorschlag zumachen: du aber willst recht überklug sein und besinnst dich noch, darauf einzugehn: nun, inzwischen wird dem guten Marren seine Güte auch leid sein. ,,>s o in in d o v n i s c Ii t v o r , s c h I o g-1 d e r nis cht fehl." Wer einen Plan hegt, muss auch darauf gefasst sein, dass er fehlschlagen kann. # „\Y c n n G o t t w i 1 l, g o Ji t o S t e c k o 1 c ho (Stöcke Ii e n) i o s." Eins der rührendsten Momente in der Geschichte jüdischen Vcrfolgtwerclens: dies unwandelbare Vertrauen auf die Allmacht Gottes. Und wenn unsere Feinde mit Kugeln auf uns schiessen. und wir haben nichts zur Verteidigung, als ein Stöckchen: nun, unser Gott wird ein Wunder tun und das Stöckchen zur Schusswaffe werden lassen. „K o m m s t d n s c h o n w i e d c r Lul u f (P a I in zwei g) sehn c kein?" Es ist doch nicht das ganze Jahr Laubhüttenfest. Was hast du heute für eine Ausrede? Wenn einer unter religiösem Vorwand allerlei andere, weniger lautere Absichten verfolgt. „E i n K c 1 c f (II n n d) b c i s s t 'n a n d e r n n i c h." Entspricht dem deutschen „Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus'". * # ,.A c Ii i 1 o (E s s e n) i s e wie Ii t'g e T e f i 1 e (Pf lie h t)." Uebertreibe auch das Geistige nicht: dass du isst und trinkst und deinen Körper gesund erhältst, ist auch zum Leben nötig. Hört man nicht ordentlich die geplagte Ehefrau eines allzu eifrigen TahnucVuden, der den ganzen Tag überm Lernen sass, diese Weisheit predigen? , \V i c d o Kall e (H r a u t)?s P o n i in (G e - sieht) Ii a t." Je nachdem werd" ich mich auch mit der Mitgift zufrieden geben. Ist, was du mir anbietest, an sich schon verlockend, hast du nicht nötig, auch noch viel Unkosten darauf zu legen. ,,\\" n n n d c W a b Ii o n i in w a n cl o r n , r e g - n c t's."' Das ganze Jahr, beim schönsten Sonnenschein sitzen die Rabbonim daheim über den Büchern: sind sie aber mal genötigt, auf die Wanderschaft zu gehen, wird voraussichtlich schlechtes Wetter werden. Das Wetter richtet sich eben nicht nach dir, du musst dich schon nach dem Wetter richten. „E g o w a n d e r t e v N a v v i s b o s s e v . w i e o. Ii e i in i s c h e r G Ii o c Ii i in (Iv l n g e v)." Auch der von Natur klügste Mensch wird einseitig und engherzig in seinem Urteil, wenn er nie über sein Heimatsörtchen hinauskommt. Umherwandern in der Welt macht selbst dem Einfältigen Kopf und Herz hell, dass er Menschen und Dinge richtig schätzen lernt. „Tut in i? r glitt rein, n cm in t in e r g n t t r a u s." J*]in Spruch, den wohl auch die Hausfrauen erfunden haben. Wer an den Zutaten spart, wird niemals ein schmackhaftes Essen bereiten. Die Männer sollten sich das in der Sozialpolitik zunutze machen. „P ii v i in i s k c i n J o n t e f, G e cl n c h e s (F i o I) c r) i s k c i K v ä n k (Iv r a n k h o i t)/' Soll bedeuten: Spiel* dich nicht auf, übertreibe nicht! Purim ist noch keiner von den hohen Festtagen, die das Gesetz unbedingt geheiligt hat. Und wenn du ein wenig fieberst, brauchst du noch nicht gleich zum Arzt schicken. „M a t s c Ii e k , h I e i h' h e i in \V a g e n , dass d e D o i c h s c 1 's P f o v d n i s c h t b c i s s t." In ähnlichem Sinne, wie das vorige. Tu dich nicht so wichtig mit deinen Geschäften! Hast wohl weiter nichts zu tun, als auf Dinge acht zu geben, die gar keine Gefahr bringen können?

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