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Ost und West · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 353 - 354

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Etwas über jüdische Sprichwörter
Date
1911-04-01
Page
Seite 353 - 354 (sequence 3)
Language
German
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353 Thekla Skorra: Etwas über jüdische Sprichwörter. 354 „M atschek Ii a t noch k ein \V o g e n ii n C h n m in o hat noch k e i n Pferd, u n n e h m e n sc h o n P a s s a g i e r e." Mokiert sich über voreiliges Getue. Matschek scheint wohl einmal in der Provinz Posen ein recht populärer Fuhrmann gewesen zu sein, denn noch mehrere Sprichwörter beschäftigen sich dort mit ihm. „A11 e Tag s c h i c k e r (t r u n k er) im P n v i in n ü c Ii t o r n." Geht auf einen Menschen, der alles zur Unzeit tut. Wenn alle andern arbeiten, ist er betrunken. Und gerade an Purim, wo's die hergebrachte Sitte verlangt, übermütig und trunken zu sein, steht er still und nüchtern da. „M e w i 1 l's 11 ü Ii n c h ü s c Ii ä c h t e n u n c in n i c Ii w e h t u n." Entspricht ungefähr dem deutschen „Wasch" mir den Pelz, aber mach' mir ihn nicht nass". Vielleicht aber auch: die Tat möchtest du wohl, aber das Schmerzliche, das für dich und andere mit ihrer Ausführung verbunden, das willst du nicht auf dich nehmen. „U in c II ü h n c Ii e , u in o 11 ä h n c Ii o i s's B o s i u e d r e seh (T a 1 in n d s c h u 1 e) a I) g e - I) r a n n t." Kleine Ursachen, grosse Wirkungen. Um ein Hühnchen, um ein Hähnchen stritten sie bei irgendeiner Ritualfrage in der Talmudschule. Einer kam in seinem Eifer den brennenden Lichtern zu nahe; niemand achtete darauf., bis das ganze Haus in Flammen stand. ,,1 c Ii b in G o L t sc Ii n 1 d i g d e N e - s c h u in c (Seele), aber ich h a b' drof in ei W'oib.'*' Entstammt wohl einem jüdischen Sokrates; nicht gerade seiner überwältigenden Weisheit wegen, sondern — weil's vermutlich auf eine Xantippe gemünzt ist: Alles bin ich Gott schuldig, sogar meine Seele. Mein Debet ist gross bei ihm: aber dass ich mein Weib habe — das ist mein Kredit, darauf ist er mir noch schuldig! „V o n P e r n o s s e (P r o f i t) w o g n , t a n z' i c h c Ii o t s c Ii i k (s o g a r) m i t M a t s <• h e k - lebe n." Schon wieder der berühmte Matschek. Und wir erfahren nun auch von ilim, dass er wohl, wie viele Fuhrleute, ein recht plumper, tolpatschiger Geselle war, der zu allem andern eher, als zum Tanzen taugte. Doch Avas tut"s V Wenn der Nutzen es erheischt, verbrüdere ich mich sogar mit ihm einmal. Ethisch allerdings wenig vornehm gedacht. Vielleicht aber handeln auch Nichtjuden manchmal danach; der Unterschied ist nur — sie sagen's nicht. „Y o r g o i s e h k e s e Ii e (c h r i s 11 i c Ii c) II ä n d' n n v o r j ii d i s e Ii e Iv ö ]) p soll Got 1 s c h ii t z e n." Körperkraft — nein! Die ist uns leider verloren gegangen in vielhundertjähriger Ghettoenge. Da tut jeder Bauer es uns zuvor. Seine Hände fürchten wir. Aber lasst's nur auf den Kopf ankommen! Wo unser Verstand uns herausreissen kann — nehmt euch in acht! „YV e n n d c r G o i (C Ii r i s t) h a n t 'n H aus. U n d e v J ii d g i b t e T o c Ii t e r ans: M ü ss'n sc b e i d' ans 'in II a n p tbuc h r a u s." Was dem deutschen Bürger am meisten am Herzen liegt, ist das Aeussere seines Heims, die Behaglichkeit und Bequemlichkeit darin. Und fängt er gar an, sich sein eigenes Haus zu bauen, baut er oft sein ganzes Vermögen hinein. Dem jüdischen Familienvater stehn seine Kinder am höchsten. Um eine Tochter gut zu verheiraten, gibt auch er sich oft über seine Kräfte aus. Solche Kunden aber kann der Kaufmann nicht brauchen. Für beide ist Kredit bei ihm nicht mehr zu haben. „E C Ii a m in e r (I) u in m k o p f) k a n n n i c Ii 1* r o in in sei n.<; Das Gesetz richtig zu erfassen, dazu gehört Verstand. Ein Dummer wird immer daneben tappen und beim besten Willen die Gebote der Religion verkehrt ausführen. Der Kultus des Verstandes! Einer der fundamentalsten Gegensätze zum Christentum, das ganz auf den Kultus des Herzens aufgebaut ist. Nun noch zwei Sprichwörter, in denen die Ghochine gegen sieh selber losgeht: „S e i t d e in d i e C Ii o c Ii in e a u f g n k o in - in e n , sc Ii i e Ii 1 in a a 11 o s u I' d e N a r - v i s c b k e i t/' Seitdem die Mensehen klug geworden sind, schieben sio alles Unheil der Torheit in die Schuhe. Und das zweite: ..Was t u ich in i t d e G Ii o c Ii in e . w e n n d e N a r r i s c h k e i t gilt?" Was hilft mir all meine Klugheit, wenn Torheit Trumph ist und allgemein anerkannt wird? Ein paar wohl allgemein bekannte Redensarten noch der Vollständigkeit ballier: „A 11 o j ü d i s <• Ii e I\ i n d e r g e s a g 1!" „W e r m e r G u t t's g i n n t!" (Gutes gönnt.) * „13 i s 100 .1 a h r' z u g e s u n <!.'"' „E C h a p ]i (G r i f f) u n e L a u IV'' Ein Griff und weg ist er! „.Jeder Kuck e Million." Im Hause eines sehr reichen Mannes. Wohin der Blick fällt, überall Kostbarkeiten. Ein Wortspiel: „E C h i 1 i r (W e c Ii s e 1) i s e C Ii a 1 e 1' (M esse r)." Und zum Scbluss eine Scherzfrage: „B i n i v Ii d e n n e V o g e 1, dass i c h k a n n sein auf z w e i S t e 11 e n z u g 1 e i c Ii'?''

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