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Ost und West · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 337 - 338

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Vater und Sohn
Date
1911-04-01
Page
Seite 337 - 338 (sequence 4)
Language
German
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Schalem Asch: Vater und Selm. 338 M. MONNICKEXÜAM. Die Auktion. AMSTERDAM f. heftiger Stich durchzuckt seine Brust. Aber er schlägt sich das aus dem Sinn, verzieht den Mund und ruft: „Ach, was!'* und fängt wieder zu lernen an. und bald hat er die Schmerzen vergessen. Doch gleich darauf muss er den Kopf senken, er spuckt aus und bemerkt ein Tröpfchen Blut im Speichel . . . Sein Herz krampft sich zusammen, ein grosser Schmerz beschleicht ihn. Aber er zieht die Lippen zusammen und lernt weiter, und im Lernen vergisst er alles. Nach einer Weile langt eine innere Stimme an ihm zuzurufen: ,,Jakob David, warum schweigst du? Sieh, du verwirkst dein Leben. Bedenke . . . bedenke.'4 Er aber fährt fort zu lernen. Und alle Stadtleute werden nicht mint1, ihn in allen Tonarten zu loben und zu preisen. Linen solchen Baehur hatten wir noch nicht in unserer Stadt. Nicht umsonst ist sein Gesicht so bleich, nicht umsonst ist er so schwach und abgemagert. Die Thora zehrt die Körperkraft auf." Alle Reichen der Stadt, die Töchter haben, begehren ihn zum Schwiegersohn. Alle Mädchen werden rot, wenn sie ihn von der Ferne erblicken, und ihre Herzen schlagen heftig; und im Geheimen schauen sie ihm nach, wenn er vorbeigellt. Sogar der Rabbiner hat Reb Jcchiel Meir zu verstehen gegeben, dass er seinen Sohn zum Eidam haben möchte. Er wäre bereit, das Ehepaar für immer in seinem Hause zu behalten und mit allem Nötigen zu versorgen, und „nach himdeinundzwanzig Jahren'*, wenn Gott ihn zu sich nehmen würde, soll Jakob David selbstverständlich sein Nachfolger sein. Aber Heb Jeehicl Meir zögert. Der Rabbiner ist nicht sein Gesinnungsgenosse. . . Er gehört zu den Anhängern eines ganz anderen Zäddik. . . . * * Daheim in der kalten, finstern Stube sitzen indes di>> Eltern und sprechen von ihrem Sohn bei n Schein einer kleinen, qualmenden Lampe. Reb Jecbiel Meir sitzt beim Tisch und liest in einem Buch. Sein rotes Taschentuch liegt auf seinen Knien, mit der einen Hand stützt er seinen Kopf und mit der anderen glättet er sich den Bart. .AVeisst du, Sarah Intel, Gedalia, der Schadchan war heut bei mir, er hat mir einen Brief vom Mechuthan aus Lenezye gezeigt. Der will sich verpflichten, zweihundert Rubel Mitgift und vier Jahre Haushalt zu geben. M'ie ich höre, ist auch die Hauptsache1) sehr wertvoll." Die Frau sitzt am Rande ihre:; Bettes und ein J) Gemeint is»t dio Braut.

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