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Ost und West · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 335 - 336

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Vater und Sohn
Date
1911-04-01
Page
Seite 335 - 336 (sequence 3)
Language
German
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335 Schalom Asch: Vater und Sohn. 33(> mit den Fingern durch den Bart fährt. Sie hält den Kopf auf beide Hände gestützt und blickt voll Liebe und Zufriedenheit zu ihrem Mann auf. Ihr durchfurchtes und verbranntes Gesicht ist von einem herzlichen Lächeln erhellt, ein Gefühl der Glückseligkeit erfüllt sie; ihr Mann Reh Jechiel Meir fragt sie, ob sie schon gegessen habe. Einen solchen treuen und guten Mann gibt es nicht in der ganzen Welt. Er will nicht essen, bevor sie gegessen hat. „Ach, bitte, bitte," antwortet sie scheinbar erzürnt, aber in ihrer Stimme klingt ein warmer, liebevoller Ton; „sei nur meinetwegen unbesorgt. Bitte, iss doch, und läss es dir wohl schmecken."' „Nein, nein, ich habe genug. Hebe es für Jakob David auf. Er dürfte gleich aus dem Beth-Hammidrasch heimkommen." Sie räumt die Schüssel mit dem Gericht weg und setzt sie auf den Herd, um das Essen warm zu halten. * * * Heil den Eltern, die sich eines solchen Sohnes, wie Jakob David rühmen dürfen. Die ganze Stadt ist voll seines Lobes. Alle Mütter wünschen sich, ihre Söhne möchten so geraten wie er. Glücklich zu preisen ist Sarah Gitel, clor ein solcher Sohn zuteil geworden. Jakob David sitzt den ganzen Tag in Beth- Hammidrasch und studiert die Thora Gottes. Sein längliches Gesicht ist sehr blass, seine Wangen sind mager und eingefallen, die schwarzen Augen sitzen tief in den Höhlen. Der Tod hat seiner Physiognomie schon den Stempel aufgedrückt. Ein leichter Bartanflug umschattet sein Kinn und verleiht seinem Aussehen eine gewisse schwermütige Anmut. Er hat die Schwindsucht. Er sitzt über die Folianten gebeugt und lernt. Immerzu lernt er; vom frühen Morgen bis spät in den Abend hinein, und den Mittag hindurch, während die Sonne durch die Fenster dringt und die fernsten Winkel vergoldet. Jakob David ist stets zwischen den Bachurim zu finden, die dicht gedrängt auf den Bänken des Beth-Hammidrasch sitzen und immerzu lernen, und mit ihren Stimmen den mächtigen Raum füllen. Er sitzt und lernt und vergisst, dass er heute noch keine Nahrung zu sich genommen und fühlt nicht, dass seine Kräfte dahinschwinden. Er lernt, vertieft sich in die Wissenschaft und sucht die verborgensten Gedanken zu ergründen. Mit Herz und Seele ist er der göttlichen Thora ergeben, sein ganzes Inneres ist durchstrahlt und durchwärmt vom Lichtglanz der Thora. Plötzlich unterbricht er sich. Ein M. MOXXICKEXDAM. Bitterstunde. AMSTERDAM.

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