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Ost und West · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 325 - 326

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Lord Beaconsfield
Date
1911-04-01
Page
Seite 325 - 326 (sequence 7)
Language
German
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325 Lord Beaconsfield. 326 auch auf etwas wie ein Aufglühen des Heidentums zurück, das in einer „madro natura'"' genannten Loge sich stets in Italien geheim erhalten habe. Seit der Einführung des Christentums hätten stets Künstler, Gelehrte, Soldaten diesem Bunde zugehört. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung der römischen Republik und die Vertreibung des semitischen Prinzips aus dem arischen Rom. Selbst einer der berühmtesten Päpste, Leo X., sei ein Anhänger dieser Gesellschaft gewesen, und er soll sich mit dem Gedanken getragen haben, dem Konklave den Vorschlag zu machen, die Kirchen wieder dem alten heidnischen Glauben zu weihen. Diese Loge hoffte, jene Personifikationen der üppigen Gewalten der allmächtigen Naturmutter, die der arische Genius der Menschen zur Verehrung aufgestellt hat, wieder einzusetzen. An Stelle fleischloser Heiligen und bescheidener Madonnen sollten die geraubten Altäre dem Gotte mit dem silbernen Bogen und der Tochter des schäumenden Meeres zurückerstattet werden. Disraeli erkennt überall in der Welt dieses dem Semitismus entgegengesetzte Prinzip der Natur: er fühlt wrohl den verführerischen Reiz dieser Kraft, aus der Kunst und Lebcnsüberschwang strömen; aber zugleich erkennt er als der erfahrenere Semit, dass •diese Kräfte, welche die Süssigkcit des Lebens ausmachen, zugleich seinen Untergang bereiten und zu keinerlei dauernder Gestaltung führen. Wer die Natur in Dionysos verherrlicht, betet zugleich den Tod an, denn Werden und Vergehen sind eins. Ueber den Abgründen heidnisch-dionysischer Lust und Vernichtung hat der semitische Geist das unveränderliche, ewige Sein Jehovas errichtet. Sein Thron ist der Ort ausserhalb der fleischlichen Welt, den Archimcdcs scherzend verlangte, um von ihm aus die Erde zu bewegen. Der jüdische Intellekt hat diesen Punkt in der Spiritualität gefunden. Darin liegt seine Macht und seine unerbittliche Starrheit. III. Der jüdische Konflikt. „Wir haben die Pharaonen, Xcbukadnczar und Iskander gesehen, di3 Römer und den Sultan der Franzosen: sie eroberten alles und was sind sie jetzt? Sie sind Sand." (B. Disracli, „Taucred".) Alle Juden, deren Blut entweder mit germanischem gemischt ist, oder deren Geist frühzeitig starke Eindrücke aus der germanischen Kultur empfangen hat, durchkämpfen im Innern denselben Konfikt: sie fühlen eine Liebe zum Arischen, die darum um so inbrünstiger ist, weil sie das halb Fremde sucht. Gewissermassen um Gegenliebe werbend, betonen sie gleichzeitig besonders selbstbewusst den Wert des Jüdischen, den sie der umworbenen Braut entgegenhalten. Diese Menschen können darum weder orthodox, noch gleichgültig, noch Verächter sein, weder ihrer eigenen Abstammung gegenüber, die so häufig der in reiner Ghettoluft erwachsene Jude überschätzt, verspottet oder leichten Herzens vergessen machen will, noch dem Ariertum gegenüber, in dem der unverfälschte Jude oft das ihm ganz Unzugängliche hasst oder die ihm gedankenlos erscheinende Hingebungsfähigkeit an die Erlebnisse als Gojimdummheit belächelt. Der Konflikt der mit der arischen gekreuzten jüdischen Seele erhebt den, der ihn in sich trägt, über orthodoxe Enge, über fanatischen Mass, über materialistische Verhärtung. Das Pathos seines Daseins gleicht, ins Erhabene gesteigert, dem einer ewigen Liebe, die bald verzweifelt, bald glücklich ist, aber niemals lau sein kann. In solchen Menschen leben Möglichkeiten zu den höchsten Vollendungen, aber noch mehr Keime zur Selbstzerstörung. Immer stehen sie über ihrer Umgebung, aber dennoch formt sich ihnen nicht immer das Werk, folgt ihnen, nur selten die Tat. Benjamin Disraeli war einer der seltenen dieser komplizierten Art, denen der grosse Wurf gelang. Dabei braucht man weniger an die paar Tropfen englischen Blutes zu denken, die in der Tat in ihm flössen, als an die frühe, starke Nahrung seines semitischen Geistes an arischer Kultur. Die Ueberlegcnheit, die der jüdische Geist so oft über den arischen spürt, stammt aus der uralten Rasseerfahrung. „Eure Bischöfe hier," sagt Siclonia zu Tancrcd, als er ihm nach einem religionsphilosophischen Gespräch Empfehlungsbriefe nach Jerusalem mitgibt, „wissen nichts von diesen Dingen. Wie sollten sie auch? Vor wenigen Jahrhunderten waren sie noch tätowierte Wilde." Die Juden bleiben, nachdem sie alle ihre Verfolger überlebt haben, das verbindende Glied der heutigen Menschheit mit dem frühen Altertum. Die blutigen Kämpfe des Mittelalters und der Renaissance sind in ihren altklugen Augen nur unnütze Aufregungen über Fragen gewesen, die Jchova längst für alle Zeiten entschieden hat. Sie waren leidende, kopfschüttelnde Zuschauer. Trotz diesem Alter ist die Rasse — wahrscheinlich infolge der jahrtausendelangen Hemmungen — auch heute noch nicht erschöpft, sondern vielleicht die frischeste in Europa. Der Jude versteht und assimiliert darum alles, weil für sein Rassegedächtnis alles schon dagewesen ist: Aristokratie und Demokratie, pathetischer Ernst und spielerischer Witz. Darum erscheinen ihm manche arische Gewohnheiten als kindisch. ,,Ich hasste die körperliche Anstrengung," erzählt Disraeli in dem Roman „Contarini Fleming" anlässlich der Schilderung seiner Schuljahre und der Knabenspiele, zu denen er sich aber wider seine Natur zwang, bis er es darin sogar zur Auszeichnung brachte. Noch im frühen Manncsaltcr, als er nach politischer Popularität suchte, erstrebte er die Vollkommenheit in sportlichen Uebungcn, die im Grunde das einzige ist, was der echte Engländer wirklich von Herzen schätzt. Man weiss, wie sehr in England der Ruf eines guten Kricketspielers eine Laufbahn fördert. Die Beliebtheit Eduards VII. erreichte vielleicht ihren Höhepunkt an jenem regnerischen Junitag im Jahre 1909, als sein Hengst Minoru das Derby gewann, und der König mit glücklichem Gesicht vor einer frenetisch jubelnden Menge das Tier selbst ein Stück nach dem Stall zu führte. Als Knabe ist Disraeli, wie die meisten Juden, zunächst schüchtern gewesen, aber sein Ehrgeiz trieb ihn, diese Eigenschaft zu überwinden und unter den

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