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Ost und West · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 327 - 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Lord Beaconsfield
Date
1911-04-01
Page
Seite 327 - 328 (sequence 8)
Language
German
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327 Lord Beaconsfiekl. lärmenden, prahlenden, sjDortlieljenden Knaben jenes Gemisch von Frechheit und Selbstbewusstsein zu entwickeln, durch das der moderne Jude seine angeborene Scheuheit zu verbergen pflegt, und wofür sein Jargon das Wort „chutzpe" besitzt. Obwohl die Juden stark zum Genuss veranlagt sind, wird man sie selten der Süssigkeit des Daseins gedankenlos unterliegen sehen. Ungeratene, verschuldete Söhne sind selten unter ihnen. Die angeborene herbe Weltweisheit der Geprüften erlaubt ihnen, schnell aus der Sinnlichkeit ins Geistige zurückzufliehen, wo erfahrungsgemäss nachhaltigere Genüsse bereit sind. So sehen wir Disraeli die Reize Italiens in der strengeren Schönheit des maurischen Spaniens vergessen. Keiner hat den Zauber der verfeinerten Geselligkeit verständnisvoller erfasst und dargestellt als er, die Anmut des inhaltlosen Geplauders und die Leichtherzigkeit in sanften Nervenreizen lebender Frauen, und dennoch, obwohl er vorübergehend ein Dandy war, ist er niemals ein Nichtstuer gewesen; obwohl er das Klubloben seines Landes zeitweise eifrig teilte, hat ihn niemand betrunken gesehen. Der Wein regte ihn an; besonders für Burgunder hatte er die bekannte Vorliebe der geistig regen, phantasiebegab ton Naturen; aber „ich kann unter keiner anderen Inspiration schreiben, als unter meiner eigenen," bekennt Gontarini Fleming. Schulden inachte er bewusst; einmal zum Zweck einer grossen Finanzoperation, dann, um ins Parlament kommen zu können. Sein semitischer erprobter Geist stand dem Leben gegenüber wie ein alter Zecher, der gerade, weil er den Wert der Weine kennt, längst weiss, dass Uebermass für den Geschmack stumpf macht. Nur der Unerfahrene sucht im Wein den Rausch, den Erfahrenen lockt die Linn io. Das Alter der jüdischen Seele erlaubt dem Juden leichter als dem Germanen, Tatsachen und Theorie, Leben und Traum zu sondern. Der sich jünglinghafter hingebende Arier wird durch bestrickende Theorien leicht am Loben irre. In ihm liegt ein Streben nach Einheit zwischen Geist und Natur. Ueberwuchert bei ihm der Geist, dann wird er eine problematische Natur, die sich in ihrer Ehrlichkeit und Zerfahrenheit nicht mehr zurechtfindet. Idealismus und Donquichotterie liegen auf einer Linie. Der Jude vermag eher seinen geistigen Weg so neben seinem alltäglichen Weg zu bahnen, dass beide sich nicht kreuzen. Seine teils abstrakte Religion hindert ihn nicht, der beste Geschäftsmann zu sein. Er hat die Fasttage und die Ritualisiorung der Mahlzeiten zu Hauptangelegenheiten gemacht und dennoch eine der schmackhaftesten Küchen erfunden. Schon Jesus Sirach preist naiv in einem Atem die Gottesfurcht und den Besitz eines Landgütchens. Die arischen Völker, die sich an ihre? Ideale restlos hingeben, bedürfen zu ihrem Gedeihen einfacherer, nicht zu schwer zu verwirklichender Ideale, andernfalls tritt durch ihren kindlich-tragischen Ernst jener Bruch in der Seele ein, der den himmelstürmenden Deutschen so lange zu weltlicher Bedeutungslosigkeit verurteilt hat. Der Jude versteht Alltag und Sabbat schärfer auseinanderzuhalten. In Disraeli prägen sich die beiden Seiten dos Judentums besonders antithetisch und darum harmonisch aus: die idealistische Schwärmerei und der praktische Kalkül. Durch diesen war aus jener der Keim zu intolerantem Fanatismus genommen, . jene verhinderte den zeitweise kalten Rechner, jemals den Glanz seiner Einbildungskraft und den Schwung seiner Seele zu verlieren. Durch alle seine Romane zieht sich bald ernst, bald satirisch das Thema von dem Gegensatz zwischen Schwärmer und Weltmann, das an seinem Ort ausführlich zu behandeln sein wird. Den Gegnern sind solche Naturen oft unverständlich, ja, sie scheinen ihnen mit Unrecht feindlich und gefährlich. Der israelitische Magier oder das asiatische Mysterium wurde Disraeli von seinen Verkleineren! genannt. Aber ihnen verdanken wir, dass er, um sie zu widerlegen, in die Tiefen der jüdischen Seele geleuchtet und manches über sie in noch nieht vorgekommener Klarheit formuliert hat. HOLLAENDISCHE KUENSTLER. II. Martin Monnickendam. Von Ernst Altkirch. Unter den jüngeren Künstlern Hollands ist Martin Monnickendam wohl der bedeutendste. Kein beschaulicher Maler der alten Schule, sondern voll Temperament und Energie reiht er sich den niederländischen Vertretern des modernen Impressionismus an, von denen hauptsächlich G. IL Brcitner, W. B. Tholen und W. Witsen zu nennen sind. Monnickendam ist 1874 in Amsterdam geboren. Auf deutschen Ausstellungen, besonders auf der Großen Berliner Kunstausstellung, ist er häufig Antreten, und stets ziehen seine Bilder den Beschauer durch ihre glänzende Schildcrkunst und ihre prachtvolle Farbigkeit an. Monnickendam ist nicht nur ein ungewöhnlicher Zeichner, sondern auch ein Maler, der das Leben in keckster Unmittelbarkeit festhält und es in seinen kräftigen Farben und feinen Lichtwirkungen zu gc- Xachdruck viTlmfo». stalten weiss. Den ersten Unterricht empfing er in der Zcichenschule von Felix Meritis; die Ausbildung seines eigentlichen Talents aber verdankt er dem alten J. A. Rust, einem in Holland geschätzten Künstler. Dieser hat in ihm die Liebe für das Detail geweckt und dabei doch seiner ganzen Arbeitsweise einen Zug ins Grosse gewiesen. Mit zwanzig Jahren bezog der junge Künstler die Rcichsakademie in Amsterdam, auf der er drei Jahre blieb. Dort sind ihm die Augen für die alten Meister geöffnet worden, die ihm tiefe und nachhaltige Eindrücke vermittelten. Durch häufige Besuche des Amsterdamer Reichsmuseums wurden ihm die Maler des 17. Jahrhunderts noch mehr zu treuen Freunden. Das gewaltige Museum ist fast ausschliesslich der niederländischen Kunst und Kultur gewidmet. Unter den zahlreichen Meisterwerken befinden sich Rembrandts Nachtwache und die Staal-

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