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Ost und West · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 269 - 270

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Die Alliance-Expedition nach dem Yemen
Date
1911-03-01
Page
Seite 269 - 270 (sequence 5)
Language
German
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269 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Alliance-Expeclition nach dem Yemen. 270 während die Araber sich schlagen, vergraben sie sich in ihre Stadtteile. Da sie in den Handwerken erfahren sind, suchen sie sich nützlich zu machen, damit man sie nur duldet, ihnen ihr elendes Leben lässt, ihnen gestattet, zu Gott zu beten. Wie oft entladet das Gewitter sich über ihre Häupter, Tausende werden in den Staub gestreckt — die Ueberlebenden fangen wieder mit unermüdlicher Energie zu hoffen an. Um das Jahr 1200 erstreckt der lmam Achmet El Metuakel seine Eroberungen bis Saada; dort lebten noch viele Juden, die gute Beziehungen zu den Arabern unterhielten. El Metuakel wollte die Juden dafür bestrafen, dass die Mohammedaner bei ihnen Wein tranken, und Hess die Synagogen des Ortes zerstören. Zu Ende des 13. Jahrhunderts gab es in den Oasen des Nordwestens noch einige unabhängige jüdische Stämme, die das halbnomadische Leben der Araber führten. Der Lmam El Mansur unternahm eine Expedition gegen sie mit dem Erfolg, dass einige einwilligten, den Dschisi zu bezahlen, das ist ein den Nichtmohammedanern auferlegter Tribut. Die Juden von Nejran gingen nicht darauf ein; sie wurden besiegt und ihre Stadt zerstört. Dank der Hilfe einiger Araberstämme bauten sie ihre Synagogen wieder auf; da kehrte der Lmam mit seinem Kriegsheer zurück und mordete ohne Erbarmen Juden und Mohammedaner. Zu Beginn der Neuzeit Hessen sich zwei fremde Mächte im Yemen nieder, vermehrten die Ruinen und vergrößerten die Anarchie; es waren die aus Indien kommenden Portugiesen, die sich der Stadt Moka bemächtigten, und die Mameluken aus Aegypten, die die Städte Camaran und Hodeidah besetzten. Beide waren von verschiedenen Richtungen ins Land eingedrungen, waren aufeinander gestossen und hatten im südlichen Yemen verschiedene Treffen mit den Armeen des lmam. Die Stadt Ude'in, damals der Schlüssel des Landes, fällt abwechselnd in die Hand der Portugiesen und der Mameluken. Bei einer grossen Feuersbrunst wird das Judenviertel vollständig vernichtet und unsere unglücklichen Glaubensbrüder wandern nach Indien aus, wahrscheinlich in Begleitung der Portugiesen. Mit den Heeren der Eroberer waren indessen auch zwei Gruppen von Juden ins Land gezogen, die einen aus Aegypten, die anderen über Indien aus Europa, und die Tradition behauptet, dass die Juden aus der Gegend von Tais portugiesischen Ursprungs sind. . , •: j t: Während dieser Zeit war Sanaa die Beute von "Usurpatoren geworden; wenn sie die Früchte ihrer Eroberung auch nicht lange gemessen konnten, so hatte ihre Herrschaft doch lange genug gedauert, um unsereGlaubensbrüdcr schreck- 1 ich zu bedrängen. Ueberall brechen furchtbare Epidemien aus, Pest und Cholera verwüsten das Land, wüten besonders in den jüdischen Gemeinden. Jetzt erscheinen auch die Türken im Yemen, Sultan Seiini hat sich Aegyptens bemächtigt, der Hedschas fügt sich seiner Oberherrschaft und der Yemen wird von geschickten Feldherren erobert, die ihre siegreichen Heere bis nach Sanaa führen. Trotz der fortwährenden Niederlagen verlieren die lmam nicht den Mut und organisieren überall den Widerstand; jahrelang kämpfen sie mit wilder Energie, um die Eroberer vollständig aus dem Lande zu jagen. Die Türken sind gut gegen die Juden gewesen, die Araber'dagegen haben in ihrem blinden Fanatismus den Juden keine Erniedrigung erspart, so dass der ohnehin schon so unglückliche Jude mit jeder Generation um eine oder mehrere Staffeln der sozialen Stellung herabstieg. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts revolutionierte Sabata'f Zwi die Türkei; sein Ruf verbreitete sich bis zum \ einen und brachte hier grosse Aufregung hervor. Wie nnmer, waren die Frauen in ihrer Begeisterung am eifrigsten; sie waren der Ankunft des Messias sicher, verliesseil ihre Arbeit, säuberten und salbten sich, legten ihre Festgewänder an und warteten auf ihn. Alle waren bereit in das gelobte Land zu ziehen und verkauften ihre Häuser und anderen Besitz zu den niedrigsten Preisen. Selbst auf die Mohammedaner machte die Bewegung einen gewissen Eindruck. Der um Rat befragte lmam" gab eine /Zweideutige Antwort, die Araber auf dem Lande interpretieren diese Antwort nach Gutdünken, werfen sich auf die Juden, rauben ihnen allen Besitz, ermorden die Männer und führen Frauen und Kinder gefangen fort. Einige Führer machen den Versuch, die Unglücklichen zu beschützen, selbst der lmam entschliesst sich zum Einschreiten und macht der Schlächterei ein Ende, aber er hat den Juden, die immer noch zu hoffen wagen, eine gute Lektion erteilt. Er gibt den Befehl, das religiöse Oberhaupt von Sanaa, More Salman El Djemal zu verhaften, lässt ihn mit königlichen Gewändern schmücken — „Das ist euer Messias," sagt er, und lässt ihn dann unter furchtbaren Martern töten. Von nun an wurden die Juden den verschiedensten demütigenden und vexatorischen Massregeln unterworfen, das Leben wurde von Tag zu Tag schlimmer für sie, und doch warteten ihrer ,wenn möglich, noch schrecklichere Leiden. Im Jahr 1G70 besteigt der lmam El Mahdi den Thron seiner Vater, und in seinem Religionseifer erklärt er das Land Yemen mit demselben Recht wie den Hedschas für heiligen Boden. Alle Ungläubigen müssen von einem Tage zum andern das Land verlassen, und unsere armen Brüder nehmen wieder den Wanderstab zur Hand und gehen nach Mansa am Ufer des Roten Meeres in die Verbannung. In welcher Verzweiflung müssen diese Unglücklichen ihre Tempel, ihre Häuser, ihre Friedhöfe verlassen haben, in denen seit zwei Jahrtausenden ihre Vorfahren schlummern! In ihrer Hast haben sie nicht die Zeit etwas mitzunehmen. Sie überlassen alles ihren Feinden, ihre Bücher vergraben sie in den Kellern und in den Mauer verstecken ihrer Häuser. Sie werden sie nie wieder bekommen, aber so werden sie Avenigstens nicht profaniert werden. Das war eine traurige Auswanderung; die an die frische Luft der Berge gewohnten Menschen konnten das heisse Klima des Tehama nicht vertragen und kamen zu Tausenden um. Der grosse yemenitische Dichter Schabazi beweint in rührenden Versen das Unglück seiner Brüder. Einige unabhängige Araberhäuptlinge vom Stamm Nem El Djoff de Redcia behielten ihre Juden im Lande, andere bedauerten, dem lmam gehorcht zu haben, ja der von Amrani verlangte sogar, dass man ihm seine Juden wiedergäbe. Eine furchtbare Epidemie kam dann über das Land; grosse Regengüsse und Schneefälle zerstörten die Feldfrüchte. — Das war die Strafe Gottes, sagte man, für die an den Juden begangene Ungerechtigkeit. Uebrigens hatten alle unter der Auswanderung der Juden zu leiden, niemand verstand die Anfertigung von Kleidern und Schuhzeug und von Ackergeräten. Der lmam liess sich überzeugen und widerrief das Ausweisungsdekret. Die Juden konnten nach dem Yemen zurückkehren, aber sie durften nicht mehr inmitten der Mohammedaner wohnen, man räumte ihnen ausserhalb der Städte Plätze an, avo sie ihre Quartiere aufbauten. Im arabischen Stadtteil Avurden alle Synagogen in Moscheen umgewandelt, und die Dichter besangen El Mahdi, den Wohltäter des Islam. Noch heute sieht man in Sanaa in dem arabischen Viertel von Naaren den „Masgid El Djile" (den Tempel des Exils), das Hamam El Djile (das Bad des Exils) und die Strasse El Tabari (Tiberias). Von den Zelmtausenden, die nach Mansa ausgewandert waren, kamen nur ein paar hundert Juden zurück, aber sie hatten das Glück, einen frommen und energischen Geistlichen zu besitzen, der seine Brüder auf den Weg des Fortschritts leitete. Er hiess More Jahye Halevy und stammte aus Seherafe; er erhielt den Titel ,,Scheh''', das anerkannte Oberhaupt. Er baute die erste Synagoge in dem neuen Viertel, die noch heute den Namen Kniss El Scheh führt. Als Iii Mahdi älter wurde, standen mehrere BeAverber um sein Iniamat auf: er Avurde entthront und El Metuakel bestieg den Thron. Unter seiner Regierung hatte das Land unter mancherlei Plagen zu leiden: Pest und Hungersnot richteten grosse Verwüstungen an, eine Sturmflut zerstörte Moka, und mehr als alles machte eine Sonnenfinsternis das Volk halb wahnsinnig. Um die Massen zu beruhigen, begann El Metuakel, die Juden zu verfolgen, und siebenhundert von ihnen mussten den Glauben Mahomets annehmen, um dem Gemetzel zu entgehen. Noch heute findet man viele Dörfer A-on mohammedanischen Handwerkern bewohnt, die von koirvertierten Juden abstammen. Einige Zeit danach wurde Sanaa von dem lmam von Redda erobert; er A\ar gut gegen die Juden, Dank dem ,.Usta", von dem folgendes zu erzählen ist. Seine Familie

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