Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Die portugiesische Synagoge in Amsterdam
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 237 - 238 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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237 Ernst Altkirch: Die portugiesische Synagoge in Amsterdam. 238 Das Innere der portugiesischen Synagoge, Leises Flüstern erhebt sich von allen Seiten. Die Lippen öffnen sich zu einem eintönigen Gemurmel, um rasch einige hebräische Worte auszustossen, die fast zu einem Laut verschwimmen. Die ewige Stimme des rauschenden Meeres glaubt man zu vernehmen. Und nur vereinzelt hört man ein etwas lauteres Gebet, das wie eine Bitte an Gott, die sich nicht mehr im Herzen zurückhalten lässt, wie ein Ruf um Erbarmen ist. Und dies eintönige Summen unterbricht nur der Vorsänger mit dem Liedc: Lecha dodi liekrat kalla Pene Schabat nekabela Schamör wezachör bedibur echad Hieschmi'anu El hamejuchad Adonai echad uschmo echad Leschem ultiefereth wehethilla. Auf, mein Freund, und der Braut entgegengegangen! Lasst uns freundlich den Sabbat empfangen! Preis und Ehre der Prinzessin Sabbat. In Festkleidern und freudig gestimmt singen sie ihr Lied von der Hochzeit Israels mit der Prinzessin, die schöner noch als die Königin von Saba ist. Sie bedeutet die Ruhe, lohpreist ihr zu Ehren, freut euch auf den Ruhetag! Auf, mein Freund, der Braut entgegengegangen! Hierauf stimmt der Ghazan das Lied von den Qualen und der Befreiung des Volkes Israel an: Er ist es, der uns aus der Gewalt der Könige befreite; er, unser König, erlöste uns vom Joche der Unterdrücker. Der Allmächtige strafte unsere Beleidiger, wie er unseren Feinden mit gleicher Münze zurückzahlte, er, der uns beschirmte, dass wir nicht strauchelten. Gott ist es, der uns den Sieg über unsere Feinde gab, der für uns Wunder und Zeichen tat, und der Pharao der Rache überlieferte, der sich herrlich offenbarte im Lande der Kinder von Cham.; der die Erstgeborenen der Aegypter töten Hess und mitten durch die Feinde sein auserwähltes Volk leitete, der es durch das Rote Meer trockenen Fusses führte, und der die Feinde von den Wellen verschlingen Hess . . . Und seine Stimme schwillt immer mehr an: Als nun die Kinder des Herrn seine Macht sahen, lobten und priesen sie ihn, ehrfürchtig und der Freude voll anerkannten sie seine Herrschaft. Moses und die Kinder Israels stimmten ihm zu Ehren einen Lobgesang an und riefen im Chor : ... Gleichzeitig fallen alle Anwesenden mit voller, kräftiger Stimme ein, schwer und tief rauscht ihr Gesang dahin: