Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Die portugiesische Synagoge in Amsterdam
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 239 - 240 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Altirch: Die portugiesische Synagoge in Amsterdam. 240 Dahin ist all ihre stille Andacht gerichtet, geneigten Hauptes und ehrfurchtsvoll richten sie ihren Bittgruss dahin: Jigdal Elohim! . . . Noch einmal voreinigen sich alle Stimmen. Wie ein Marschlied hallt nun von schweren Männerstimmen der Schlussgesang, und Sopranstimmen jubeln: Jigdal Elohim Chai wejischtabach . . . Gott ist gross, und er sei gepriesen! Mit einemmal sind die Gänge des Gotteshauses mit Menschen gelullt; die Sitze der Gavetas klappen herunter, Schlüssel klirren, und die Synagoge ist voll von dorn Lärm, den eine grosse Volksmenge, die hinausdrängt, in einem geschlossenen Räume verursacht. Nur der Schamnies regt sich nicht vom Platz und schaut umher, würdig die grüssend, die an ihm vorbei nach dem Ausgang sehreiten.1) l) Es wurde bei dieser Arbeit eine Studie in holländischer Sprache von Jan Feith. benutzt. Spanische Gesetzesrolle vor 1590. Nedar bakodesch, nora tehilot, ose Tele ... Wie bist du, grosser Gott, herrlich in deiner Heiligkeit, gross in deinem Ruhme, wunderbar in deinen Taten! Und nochmals singen alle, nachdem der Ghazan schweigt: Und die Kinder Israels und ihre Nachkommen sollen den Sabbat heiligen und ihn ehren. Zwischen Gott und den Kindern Israel ist er als ein ewiges Zeichen eingesetzt, denn in sechs Tagen hat Gott Himmel und Erde erschaffen, am siebenten aber, nach der Vollendung, bat er geruht . . . Dann ist es plötzlich still: die grossen Pfeiler, die das Dach tragen, stehen nicht ruhiger da als nun die gelben Kerzenriammen, die vorher unaufhörlich beim lieten, bei clenAntworlgesängen an den Ghazan hin- und Ii erzitterten. J etzt ist es in dem grossen Gotteshaus völlig ruhig, und nur noch die Lippen bewegen sich, man glaubt ein ganz leises Seufzen zu hören, das sich dorthin richtet, wo sich die hohen, dunklen Hulztüren befinden, hinter denen die Thora ruht. Portugiesische Heiratsakte (Ketubah) aus dem Jahre 5408 (1648). Farbige Zeichnung von S. Tatlia.