Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Das portugiesische israelitische Seminar "Ets Haim" in Amsterdam
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 147 - 148 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2584006-2584009-2602526--11450-2602593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
147 Ernst Altkirch: Das Portugiesische Israelitische Seminar „Ets Haim" in Amsterdam. 148 Unterrichtsstube des Seminars. Die Bibliothek D. Montezinos. bis zur Zeit des Abendgebets. Zu Hause haben die Kinder einen Lehrer, der sie in der Landessprache lesen und schreiben, auch Hebräisch schreiben lehrt/' Dieser Bericht muss in doppelter Hinsicht unser Interesse erwecken, denn wir erfahren sowohl Näheres über die damalige Art des Unterrichts, als auch, dass mit der Lehranstalt eine Bibliothek verbunden war. Die alte portugiesische Synagoge ist nicht mehr vorhanden. Im Jahre 1675 wurde die von Elias Bourmann erbaute neue Synagoge am Jonas-Daniel-Mcyor- Plein eingeweiht, und an diesem Platze befindet sich auch das heutige Seminar ,,Ets Haim". Seit seiner Gründung hat es mancherlei - Wandlungen erfahren, es werden an. ihm heute nur noch Geistliche und Rcligionslehrcr vorgebildet, und vor allem beschränkt sich der Unterricht nicht mehr wie früher auf die theologischen und talmudischen Wissenschaften, sondern es werden auch Holländisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Lateinisch, Griechisch, Geschichte, Geographie und Mathematik gelehrt. Nach diesem Unterrichtbesuchen die Schüler alsdann zu Der Begräbnisplatz von Ouderkerk bei Amsterdam. Kupferstich von Romryn de Hooglio. ihrer völligen Ausbildung eine Universität. Mit dem Studium des Talmuds darf wie früher nicht vor dem vollendeten dreizehnten Lebensjahr begonnen werden. Die Anzahl derjenigen, die zu Religionslehrern oder Geistlichen ausgebildet werden, hat sich gegen ehedem stark vermindert, da es heute in Holland nur noch etwa 5500 portugiesische Israeliten gibt. In Amsterdam allein existieren jedoch gegen 60 000 Juden der verschiedensten Nationalitäten. Fast alle Oberrabbiner und Rabbiner der Amsterdamer portugiesischen Gemeinde haben ihre Bildung im Seminar „Ets Haim" erhalten und waren an ihm als Lehrer tätig. Unter diesen haben Männer wie fzaak Aboah, Menassch ben Israel, Saul Levi Morteira, Jacob Sasportas, Solomon Salem, David Franco Mondes einen europäischen Ruf erlangt. Von allgemeinem Interesse ist die zu dem Seminar gehörige Bibliothek, deren Grundbestand aus dem 17. Jahrhundert herrührt. Es kann wohl als sicher angenommen werden, dass Spinoza diese Bücherei benutzt und eine Anzahl der Werke in Händen gehabt