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Ost und West · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 1111 - 1112

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
Zur Geschichte der Juden in den Balkanländern
Date
1912-12-01
Page
Seite 1111 - 1112 (sequence 3)
Language
German
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1111 Rabbiner Dr. M. L». Bamberger: Zur Geschichte der Juden in den Balkanländern. 1112 Jüdischer Kultus^ gegenständ: Deuter für das Vorlesen aus der Bibel, nach dem nahen Portugal, um d-ort für kurze Zeit eine neue Heimat zu finden. Als aber auch dort arn 24. Dezember 1496 ein Ausweisungsbefehl erschien, wandte sich der Strom der Auswanderung nach der Apennin- und der weitaus grössere Teil nach der Balkanhalbinsel. Es ist begreiflich, dass dieses grosse jüdische Zentrum in den Balkanländern auch bedeutsame Erscheinungen am Himmel der jüdischen Geschichte und Literatur hervortreten liess. Frühzeitig waren liier schon hervorragende Karäer ansässig und man darf wohl behaupten, dass hier die Lehre der Karaiten zum grossen Teile sich entwickelt hat. — Ebenso hat hier das rabbanitische Judentum bedeutende Erfolge aufzuweisen; man darf ohne Bedenken von einer Blüteperiode der jüdischen Wissenschaft in der Türkei sprechen. Hervorragende Lehrer verbreiteten durch Schrift und Wort Thora und Talmud, Halacha und Agadah, ebenso wie sie für Verbreitung anderer Wissenschaften, Philosophie, Mathematik, Medizin, Sorge trugen. Hier wurde auch die Dichtkunst gepflegt, hier ist z. B. auch das bekannte Lied für den Sabbat D^iy iT entstanden und hier hat R. Salomon Alkabez seinen Leolo daudi gedichtet und gesungen. Hier hat auch die Kabbala viele Meister und Jünger gefunden. Hier ist auch der Pseudomessias Sabbat ai Zewi aufgetreten und zum Islam übergetreten. Von hier aus dürften auch die ersten Anregungen ausgegangen sein, welche den Chazarenkönig Bulan veranlassten, fast mit seinem ganzen Volke zum Judentum überzutreten. Hier entstanden jüdische Druckereien, die kostbare Werke erscheinen liessen, die heute zum Teil so wertvoll sind, wie Handscbriften. Hier hat Rabbi Josef ben Ephraim Karo den Schulchan Aruch verfasst, und hier ist auch eine der ersten Auflagen desselben erschienen (Saloniki 5856). Wir können uns auch nicht wundern, dass hier so ausserordentlich viele Blätter der jüdischen Geschichte geschrieben wurden, war doch hier der Sammelpunkt von Juden aus der ganzen Welt, und nicht die schlechtesten Elemente waren es, die sich hier zusammen fanden. Intelligenz, Fleiss, Tatkraft, Energie, Unternehmungslust gaben sich hier ein Stelldichein. Man hat auf dem Balkan in der Tat Juden festgestellt, die aus aller Herren Länder stammen, die ihre Anhänglichkeit an ihre Heimatsgebräuche bewahrt hatten und darum um so leichter zu erkennen waren. So unterscheiden wir hier bei der jüdischen Bevölkerung in den Balkanländern: 1. Rominoten; 2. Franzosen; 3. Ungarn; 4. Italiener; 5. Deutsche; 6. Wallachen — Moldauer; 7. Slawen: S. Navarrer — Provencalen; 9. Orientalen; 13. Spanier, a) Castilianer, b) Aragonier, c) Catalonier, d) Andalusier und Granader; 11. Portugiesen. lieber den Ursprung der Genannten, über den Ort ihrer Niederlassung und das ihnen Eigentümliche wollen wir uns nun ausführlich aussprechen. 1. Rominoten. Rabbi David Qimchi (in seinem Kommentare zu den Richtern 20.15) teilt einen Midrasch mit, wonach zur Zeit des Krieges zwischen dem Stamme Benjamin und den übrigen Stämmen 1000 Männer aus dem Stamme Benjamin ihre Heimat verlassen hätten und in das Land Romania gegangen seien4). Unter Romania ist aber nichts anderes als Byzanz zu verstehen, wie auch Salomon ibn Verga berichtet5), dass die Griechen „Romiim" genannt werden. Demnach haben wir in den als Rominoten bezeichneten Balkanjuden jene Juden zu erkennen, welche bereits zur Byzantinerherrschaft im Lande waren, beziehungsweise von jenen Juden abstammen. Wenn auch die von Qimchi mitgeteilte Ansiedelung der Benjamitcn nicht weiter belegt werden kann, so darf dennoch die frühe Anwesenheit der Rominoten als feststehend gelten; wenigstens für das erste christliche Jahrhundert hat Harkavy6) historisches Material nachgewiesen. Für eine sehr frühe Anwesenheit von Juden im Balkan spricht der Brauch der Rominoten in Konstantinopel, auch am Schusehan Purini die Megillo — griechisch — zu lesen, al Hanissim zu beten und Thoravorlcsungen zu halten. Die Rominoten bedienten sich im Hause und unter einander der griechischen Sprache, die allerdings im Laufe der spanischen Einwanderung durch das Spanische verdrängt wurde. Heute sprechen nur noch die Rominoten in Albanien, z. B. in Castoria, und die Karäer in Konstantinopel griechisch. Trotzdem sind auch bei der Sprache der nichtgriechisch sprechenden Rominoten viele Elemente erhalten geblieben, die auf den griechischen Ursprung hindeuten, insbesondere bei den Eigennamen. Die Rominoten unterschieden sich in bezug auf die Minhagim in sehr wesentlichen Dingen von den andern Juden, namentlich von den Spaniolen. Ihr 4) Auch Gedalja ibn Jach ja im Schal seheleth (ed. Warschau 1881) S. 6 berichtet davon «1 »h i'OVfcö C*« s^Kl .mm "nS wSm ^w» djj usnbb 5) Schewet Jehuda 7. 6) Die Juden und die slawische Sprache Wilna 1897 S. 47 f.

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