Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in den Balkanländern
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 1109 - 1110 (sequence 2)
- Language
- German
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Rabbiner Dr. M. L. Bambergen Zur Geschichte der Juden in den Balkanländern. 1110 Gewerbes und Handwerks beschäftigen, sind die Türken Krieger und Beamten, woraus also kein Neid und Streit entstehen kann/' In der Türkei, dem heutigen Bulgarien, Serbien, Griechenland und den Inseln wohnten schon in sehr früher Zeit Juden. Nach Adrianopel kamen schon zur Zeit des zweiten Tempels jüdische Kaufleute, um Rosenöl zu kaufen. Ein Teil von ihnen siedelte sich dort an. In Bulgarien wohnten noch früher bereits Juden, welche durch den Perserkönig Darius 513 v., als er wider die Szythen zog, dorthin gebracht wurden. Vor einigen Jahren wurde in Rumänien am Donauufer ein uralter Turm freigelegt, der in Volksmunde ,,Judaeus" benannt wird und von Kaiser Justinian erbaut wurde. Die Anwesenheit von Juden in jenen Gegenden in sehr früher Zeit ist auch durch das Neue Testament belegt. Die Briefe an die Korinther, Epheser, Tessalonicher (= Saloniki), Philipp er sind auch an die dort wohnenden Juden gerichtet. Rabbi Benjamin aus Toledo berichtet in seinem Reisetagebuch (aus dem 12. Jahrhundert) von Juden in Korfu, Arta, Patras, Lepanto Krissa — wo auf dem Berge Parnassus allein 200 Juden wohnen —, Korinth, Theben, — 2000 Juden, welche die besten Arbeiten aus Seide und Purpur im ganzen Griechischen Reiche verfertigen. Hier sind auch die grössten jüdischen Gelehrten im Griechischen Reiche mit Ausnahme derer von Konstantinopel. Auch Saloniki, welches Seleukus, einer der Nachfolger Alexanders des Grossen, erbaut hat, nennt er mit einer Bevölkerung von 500 Juden, die in Rabbi Samuel ihren eigenen Stadtvogt haben, der unter dem Könige steht. In Konstantinopel, erzählt er, sind in der Vorstadt Pera 2000 rabbanitische Juden und 500 karaitische. Neben den berühmten Lehrern befinden sich unter den Juden Seidenarbeiter, Kaufleute und Bankiers. Keinem Juden ist es erlaubt zu reiten, ausgenommen dem Rabbi Salomon, Leibarzt des Königs von Aegypten, durch den die Juden in ihrer Verbannung grossen Vorteil gewinnen. Auch in Rodosto, Galliopolis, Kilia, Mitilene, Ohio, Samos und Rhodos fand Benjamin teils grössere, teils kleinere Judengemeinden. Von den Juden auf der Insel Cypern erzählt er, dass sie Rabbaniten seien, aber auch ketzerische Juden, die cyprische oder epukiräische heissen, sind dort. Diese werden überall exkommuniziert, weil sie die Nacht vor dem Sabbat nicht feiern, wohl aber die vor dem Sonntage. R. Petachja3) aus Regensburg, der ebenfalls um diese Zeit am Balkan reiste, schreibt: „Es sind so viele jüdische Gemeinden in dem Griechischen Reiche, dass das Heilige Land sie nicht fassen könnte/' Wie wir bereits erwähnt, sind diese grossen Judenansiedelungen zum Teil aus sehr alter Zeit, und sind grösstenteils durch das Streben, den Handel auszubreiten, zu erklären. Einen bedeutenden Nachschub erhielt die jüdische Bevölkerung durch die im Jahre 1492 erfolgte Judenaustreibung aus Spanien. Tausend^ und Abertausende von Juden in Spanien waren durch das Ausweisungsdekret vom 31. März 1492 heimatlos geworden. Ein Teil der Auswanderer wandte sich 3) Sibub R. Petachja, Lewtiw 5567 S. 12: m.»vb ,rp7j? vn zu n:\v pjw c*ai rv,?np Am?n.t rv rnxn r.-A ,,Sederzwel" Handtuch für das Pessachfest (1757).