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Ost und West · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 1087 - 1088

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
Der "Propheten" zweiter Teil
Date
1912-12-01
Page
Seite 1087 - 1088 (sequence 4)
Language
German
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1087 Binjamin Segel: Der „Propheten" zweiter Teil. 1088 galt, uneingeschränkt auch auf die „gojischen" übertragen. Das dicke Judenbuch Sombarts flösst mir ausserdem noch einen besonderen Respekt ein, durch die stupende — so sagt man doch wohl? — Gelehrsamkeit, von der es voll gespickt ist. Am stärksten imponiert mir seine jüdische Gelehrsamkeit. Es ist zum Staunen. Zitate aus Bibel, Apokryphen, beiden Talmuden, allen halachischen und aggadischen Midraschim fliegen nur so hin und her. Mit Maimuni, Ascheri und Caro ist der Verfasser auf du und du. Er weiss nicht nur alles, was in unserm gesamten Schrifttum geschrieben steht, sondern auch, was darin nicht steht (und das am besten). Er liest zwischen den Zeilen, er durchbohrt die Schriftgelehrten mit seinem Blick, und die geheimsten Falten ihrer Seelen liegen vor ihm ausgebreitet. Ich bin geblendet und berauscht . . . Aber, ach! Da kommt dieser böse Mensch, der Dr. Max Eschelbacher und vernichtet mir die ganze Illusion. Dieser junge Gelehrte, der noch kein einziges dickes Buch *) geschrieben, hat es gewagt, mit ruhiger Hand, ganz gelassen und gründlich die ganze talmudisch-rabbinische Gelehrsamkeit Sombarts zu zer* pflücken, dass nichts mehr zu tun übrig bleibt. Es zeigt sich, dass alle Zitate halbiert, aus dem Zusammenhang gerissen, verdreht, unrichtig wiedergegeben, falsch gedeutet, verstümmelt sind, das Gegenteil besagen von dem, was sie bezeugen sollen. Es war aus mit der ganzen Herrlichkeit. Dieser Dr. Eschelbacher hat mir arg weh getan, er hat mir eine Illusion grausam zerstört. Indessen wäre es ungerecht, Sombart für diese Irrungen verantwortlich zu machen. Er ist nur das Opfer der Täuschungen seiner Meister, die zugleich seine Handlanger gewesen sind. Aber es kam noch schlimmer. Holländisch z. B verstehe ich kein Wort, von der holländischen Wirtschaftsgeschichte habe ich keine blasse Ahnung. In dieser Beziehung muss ich mich blindlings auf den Forscher verlassen, der die Originaldokumente und Urkunden studiert hat, Nun stand van Ravenstein auf, eine Autorität auf dem Gebiete der holländischen Wirtschaftsgeschichte, der auch eine Geschichte von Amsterdam geschrieben, und zerstörte unbarmherzig den ganzen Bau Sombart'scher Judentheorien betreffs dieses Landes. Im 18. Jahrhundert waren die Niederlande das reichste Land und die Schatzkammer Europas. Oesterreich, Russland, England, die deutschen Fürsten borgten sich Geld bei den holländischen Bankiers. Waren diese etwa Juden? Keineswegs. Das bedeutendste Bankhaus in Holland und wohl in ganz Europa war das der Thomas und Andrian Hope, es borgte Schweden, Polen, Spanien und anderen Staaten, aber das waren keine Juden, sondern Schotten. Auch alle anderen bedeutenden Bankiers Hollands, sowie die ganze höhere Plutokratie war nicht jüdischer Herkunft. Dasselbe *) Aber mehrere vorzügliche kürzere Abhandlungen. gilt, nach van Ravensteijn, vom Kolonialhandel mit Zucker, Kaffee, Kakao, Baumwolle, der gar nicht in jüdischen Händen ruhte. Ebenso waren die Firmen, die damals Finanzoperationen in Hypotheken unternahmen und das Inhaberpapier schufen oder ausbildeten, durchwegs nicht jüdischer Herkunft „Wir wissen", versichert Sombart, „dass derjenige Generalgouverneur der holländisch-ostindischen Kompagnie, der, wenn man ihn auch nicht als Gründer der holländischen Macht auf Java bezeichnen kann, doch sicher am meisten zur Befestigung derselben beigetragen hat, Kohn (Goen) hiess." Nun, van Ravensteijn sagt uns, dass er Jan Pietiers Coen (spr. Kun) geheissen hat, und einer alten puritanischen Familie entstammte. Die Kohns werden auf das Hochgefühl, einen Generalgouverneur in der Familie zu haben, verzichten müssen, und auch auf den Ruhm seiner „Heldentaten", von denen Sombart ganz leise in einer versteckten Ecke etwas murmelt, und die vermutlich Kolonialheldentaten von der bekannten Art waren. (Vielleicht trösten sie sich mit Sabbathai, Kohen, oder sie weisen hin auf Ferdinand Cohn, einen der grössten Botaniker unserer Zeit, auf Hermann Cohen, auf Leopold Cohn, einen der besten Gräzisten der Gegenwart, oder auf den grossen Mathematiker Gustav Kohn. Bs gibt auch noch ein paar andere Köhne, von denen jeder einzelne mehr wert ist, als ein Dutzend Generalgouverneure). Hinter diesem chimärischen Kohn sieht Sombart gleich Legionen von Kohanim, Lewiim und Isreelim auftauchen. „Und (wir) können uns leicht überzeugen, dass er nicht der einzige jüdische Gouverneur der holländisch-indischen Besitzungen war, wenn wir etwa die Porträts dieser Beamten einer Musterung unterziehen." Die Porträts hat er in einem alten französischen Schmöker aus dem Jahre 1763 gefunden, sie einer Musterung unterzogen und ihnen das Judentum von den Nasen abgelesen. Yan Ravensteijn versichert auf Grund der Quellen, dass es unter den höheren Beamten der mächtigen ostindischen Kompagnie keinen einzigen Juden gegeben hat. Diese Leistung Sombarts als Physiognomiker muss besonders betont werden, da er versichert, dass schon ein mittelmässiger Beobachter mit ziemlicher Sicherheit aus dem Aeusseren die jüdische Abstammung erkennt. Sombart wittert überall Juden, nur nicht im — Neuen Testament. Denn er versichert uns, (natürlich auf Grund genauester Sachkenntnis): „Ebenso oft wie im Alten Testament der Reichtum gepriesen wird, wird er im Neuen Testament verflucht, wird die Armut verherrlicht." Nun bleibt nach Sombart der Jude Jude, auch wenn er sich zehnmal getauft hat, bis ins zehnte Geschlecht hinein, so lange die historische Erinnerung reicht, denn die Eigenschaften, die ihn zum Juden stempeln, sind ja im Blute vorgebildet und unwandelbar. Nur jene Juden, die das Neue Testament gemacht haben, waren keine Juden. Damals muss offenbar der Vigor des beim Taufakt mitwirkenden Heiligen Geistes noch sehr kräftig gewesen sein, so dass er Juden mit einem

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