Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Einiges über das Verhältnis jüdischer Väter zu ihren Söhnen
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 1023 - 1024 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1023 Dr. Max Steif: Einiges über das Verhältnis jüdischer Väter zu ihren Söhnen. 1C24 Täter besitzen, kann uns mitunter auch in der jüdischen Geschichte begegnen. Ist ji nach einem Ausspruche unserer Alten der Erfolg der Erziehung nicht vom Verdienste der Eltern abhängig und kein Acker vor Disteln sicher. Und dann läs-t sich auch die seltsame Beobachtung machen, wie Männer, die im Dienste einer Gesamtheit stehen, in dieser Sorge um Andere so ganz aufgehen, dass sie an sich und die Ihrigen vergessen. Dieser Umstand im Verein mit ailzugrosser Schwäche und Nachgiebigkeit haben ed verschuldet, dass grosse Hoffnungen bitter eiit.äuscht, viel verheizen de Blüten nicht immer zu vollster Entfaltung gelangten. Wie wäre es denn anders -zu erklären, dass beispielsweise auch der Sohn eines Mannes, wie es Abraham ibn Esra (geboren 1092) war, gleichfalls dem Judentum verloren ging, und dass ein Leon da Modena, von dem oben bereits die Rede gewesen, auch nicht sonderlich viel Glück mit seinen Söhnen hatte, namentlich einer, Isak, ihm schwere Sorgen bereitet haben muss, wie aus einem gelegentlichen Schreiben des Vaters an den ältesten Sohn, Mordechai, hervorgeht: „Er denkt stets nur daran, Unfug zu treiben, und alle Laster hält er bereits für erlaubt. Ich aber bin müde und mürbe geworden unter der mir aufgeladenen Last . . ." — Nicht minder schwere Sorgen bereitete einem anderen Vater, dem durch sein noch heute nicht ganz aufgeklärtes Verhalten zur sabbatianischen Richtung in schiefes Licht geratenen Rabbiner Jonathan Eibeschütz, ein Sohn, der schon seines ganzen abenteuerlichen Lebensganges wegen erwähnenswert erscheint. Dieser, anfangs mit der ihres Messiasschwindels berüchtigten Partei der Frankisten in Verbindung stehend, erlog sich durch das Versprechen, sich taufen zu lassen, den Titel eines Barons, unter welchem er später in Dresden flott lebte und Schulden auf Schulden häufte. Jedoch alle diese Schlechtigkeiten bewogen den Vater nicht, mit seinem Sohne zu brechen, im Gegenteile war seine Sorge nur darauf gerichtet, seine Schulden zu begleichen, und da dies nicht anders möglich war, liess er in aller Eile sein erstes rabbinisches Werk in Druck legen. Ja, er hielt noch immer zu ihm, als die fortgesetzten leichtsinnigen Streiche seines Sohnes sein ohnedies erschüttertes Ansehen noch mehr herabbrachten, bis er jeden Halt in seiner Gemeinde Altona verlor. Die Reihe jener Söhne, die in ihren Gedankenrichtungen und Handlungen so ganz und gar unähnlich ihren Vätern werden, nimmt je weiter umso mehr zu, nicht zuletzt deshalb, weil auch noch jetzt auf den jüd. Vater das Wort zutraf, das die Bibel uns von David berichtet: „und es kränkte ihn (se. den Adonia) nicht sein Vater Zeit seines Lebens." Darum ist wohl unschwer ein Hauch jener;,echt russischen Wahrheit" zu verspüren in den auch sonst vielfache Entstellungen und Verdrehungen enthaltenden „Memoiren eines Juden" von G. J. Bogrow, woselbst zufolge einer Legende von einem fanatisch frommen chassidischen Vater berichtet wird, dass er seinen Sohn, weil dieser gewisse Aeussei - lichkeiten abgestreift, als des Todes würdigen Apostaten unter dem Vorwande einer Spazierfahrt von zwei eigens hierzu gedungenen Juden im Dnjepr ertränken^!) liess. — Es konnte nicht ausbleiben, dass Ideen, wie sie im 18. Jahrhundert von Frankreich ausgehend, allmählig auch das übrige Europa zu durchdringen begannen, und die sich hauptsächlich in der Bekämpfung der bestehenden Ordnung auf der einen, wie in einem vergeblichen Suchen nach neuen Idealen auf der anderen Seite äusserten, auch auf das Verhältnis zwischen Väter und Söhne abfärbten. Zunächst war es hier der MARGOT LIPMANX. Am Krögel. (Nach einer Radierung.)