Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Exposé betr. Stellungnahme des Central-Comités der Alliance Israélite Universelle zu einer neuen deutschen Sonder-Organisation
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 949 - 950 (sequence 2)
- Language
- German
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Expose betr.- Stellungnahme des .Cenfral-Coimtes der Alliance Tsraelite Universelle etc. 950 nun das Central-Comite, im Januar 1912, in die Notwendigkeit versetzt der D. C. G. das Recht der Vertretung für die Alliance in Deutschland zu entziehen und auf jedes Verhältnis zu ihr als Sonder-Organisation zu verzichten. Von beinahe sämtlichen deutschem Mitgliedern des Central- Comites wurde der dahingehende Beschluss gutgeheissen. Nur einige wenige Mitglieder, und zwar diejenigen, die den Kampf gegen das Central- Comite ins Werk gesetzt hatten, lehnten es ab, sich7'dem betreffenden Beschluss zu fügen und setzten die Agitation fort. Die D. C. G., die in Wirklichkeit nur noch dem Namen nach bestand, ersetzten. sie dann durch ein sogenanntes „Landes-Comite", dessen Zusammensetzung und Zweck, wie aus den von ihnen aufgestellten Satzungen ersichtlich, einen wahren Hohn auf das Central-Comite bedeuteten und in einen Versuch .hinausliefen, den Zwiespalt innerhalb der Alliance hervorzurufen, Durch die Beteuerung irregeleitet, dass die neue Organisation die Interessen der Alliance aufrecht erhalten würde, erklärten verschiedene Lokal-Comites ihren Anschluss an das „Landes- Comite". Aber die bedeutenderen und einflussreicheren Lokal-Comites, welche Veranlassung nahmen, den. eigentlichen Zweck der geplanten Gründung nachzuprüfen, lehnten den Anschluss ab, und ihnen war es zu verdanken, dass jene separatistische Organisation keinen weiteren Boden gewinnen konnte. Seit Jahren war es sowohl unseren deutschen Mitgliedern als unseren Mitgliedern in anderen Ländern aufgefallen, dass seit Bestehen der D. C. G. von den in Deutschland aufgebrachten Geldern absolut nichts an die Kasse der Alliance abgeführt worden war. Ungefähr zwei Drittel der Eingänge wurden durch Verwaltungs- und Propagandaspesen und durch „Ost und Wrest'c aufgezehrt. Der Rest wurde zu Subventionierungen von Vereinen und diversen Einrichtungen verbraucht, und zwar fast ausnahmslos von solchen, deren 'Subventionierung Sache der jüdischen Gemeinden, nicht Sache der Alliance ist. Nicht viel anders als in früheren Jahrgängen verhielt es sich im Etatjahr 1911, deren Abrechnung man uns erst im Juli dieses Jahres zugeschickt hat und woraus sich ergibt, dass die Einnahmen 65 955,41 M. ,, Ausgaben. . 56 132,32 ,, betragen haben. Selbst wenn man den jährlichen Durchschnittsbetrag der Eingänge in Deutschland auf M. 75 000 berechnen will (welcher Betrag im Jahre 1911 längst nicht erreicht ist und bei weitem nicht im laufenden Jahre erreicht werden wird), so muss berücksichtigt werden, dass ein bedeutender Teil der Einnahmen für die-Kosten von „Ost und West" zu verwenden ist. Sollten nun aber noch fernere 20% der Einnahmen — so verlangt es vorab die neue Organisation mit ihren Statuten — für deren Verwaltungskosten verausgabt werden, so bleiben nur 48% übrig, wovon noch zu verausgaben sind die Kosten des deutschen Jahresberichtes (dessen Herstellung und Versand etwa 6—8% der Einnahmen erfordern), so dass — da nach den bisherigen Erfahrungen noch Bewilligungen an verschiedene Institutionen in Deutschland (so z. B. an die Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge, an den Verein für Arbeitsnachweis, an den jüdischen Volksverein, an die Grenz-Comites für Aus- und Rückwanderer und dgl. m.) gefordert werden, schliesslich während des ganzen Geschäftsjahres von den deutschen Mitgliedsbeiträgen gerade so viel wie nichts dem allgemeinen Werk der Alliance zugeführt werden könnte. Eine Organisation, die derartige finanzielle Resultate zeitigen soll, ist von vornherein verurteilt und es würde sicher kein einziges deutsches Mitglied eine solche Misswirtschaft billigen. Bewährte Freunde der Alliance in Deutschland, die mit Recht den Standpunkt vertreten, dass derartige Missstände zu lange gedauert und der Sache den grössten moralischen wie auch materiellen Schaden zugefügt haben, kamen auf den wohlgemeinten Gedanken, dass es doch zweckmässig erscheine, mindestens den Versuch zu machen hier Wandel zu schaffen. In ihrer Liebe zur Alliance trugen sie sich mit dem Vorhaben, den Frieden wiederherzustellen. Zur Erreichung dieses Zweckes sollte nach ihrer Ansicht, bevor das Centrai-Comite zu Rate gezogen werde, eine Verständigung zwischen den deutschen Comites herbeigeführt werden. Alsdann würde das Ergebnis der gemeinsamen Beratungen dieser Comites resp. ihrer Vertreter, dem Central-Comite zur Kenntnis gebracht werden. Zu unserem grössten Bedauern müssen wir aber wahrnehmen, dass die Konzessionen, die sie den Gegnern des Central-Cornites machen mussten, derartige sind, dass die ausgearbeitete Organisation weder den Erfordernissen der jetzigen