Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Über die Notwendigkeit einer Genealogie jüdischer Familien
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 917 - 918 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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917 Felix Halle: Ueber die Notwendigkeit einer Genealogie• jüdischer Familien. 918 E. van Beever: Stilleben. ausländischer Jaden werden. Bekanntlich nahen anch die Vorfahren eines grossen Teiles der osteuropäischen Juden in Deutschland gewohnt, da aber die Auswanderung schon zehn oder mehr Generationen zurückliegt, dürften sich nur in vereinzelten Fällen wissenschaftlich haltbare Stammtafeln herstellen lassen. Nach dem Vorbild des Geschlechterbuches der in Deutschland lebenden Juden wären die Genealogien der jüdischen Familien der anderen Länder zusammenzustellen. Für jedes Land sind genaue Kenner als Mitarbeiter und Korrespondenten heranzuziehen. Sehr umfangreich dürfte der Teil werden, der die angesehenen jüdischen Familien Russlands bringen wird. Die letzten Abteilungen hätten die bedeutenden jüdischen Familien des Orients aufzunehmen. Die Nachrichten über die hervorragenden jüdischen Familien der Türkei — wo bekanntlich Jaden am politischen Leben der Gegenwart stärksten Anteil nehmen — vor allem über die Familien im heiligen Lande — deren Zahl sich durch die zionistische Bewegung in Zukunft noch vermehren wird — sowie über die jüdischen Niederlassungen im übrigen Asien dürften besonderes Interesse erregen. Die einzelnen Teile des Werkes müssen natürlich in der jeweiligen Landessprache erscheinen, um aber die innre Einheit des Gesamtwerkes zu wahren und um es der internationalen Wissenschaft leichter zugänglich zu machen, ist es notwendig, eine zweite Ausgabe in einer Sprache herauszugeben; und zwar wäre nicht wie beim Almanach de Gotha die französische, sondern die englische Sprache zu wählen. Die Schaffung einer guten Genealogie jüdischer Familien gewinnt dadurch eine besondere Bedeutung) als damit meines Wissens zum erstenmale die Geschlechterkunde als SpezialWissenschaft vollbewusst zur Betrachtung des Judenproblems herangezogen wird. Gerade zu den in jüngster Zeit in Deutschland wieder mit besonderer Heftigkeit aufgerollten Fragen, ob die Juden nützliche Mitglieder der Volksgemeinschaft seien y und welche Stellung Staat und Rechtsgenossen ihnen gegenüber einnehmen, kann die Genealogie wichtige Daten beibringen. Bei der eigenartigen Stellung der Genealogie zu den grossen wissenschaftlichen Disziplinen werden die verschiedensten Wissensgebiete durch genealogische Forschungen erweitert. Für den Ethrologen wird die Hebung der in den Archiven ruhenden Schätze von grossem Wert sein, wird man doch an Hand des genealogischen Materials zu den wichtigen Nationalitäts- und Vermischungsproblemen neue Stellungen einnehmen können. Ich muss es mir für eine andere Gelegenheit vorbehalten, näher auf diese Fragen einzugehen. Sodann möchte ich noch daraufhinweisen, wie die Genealogie die Statistik ergänzt. Wer sich mittels der Statistik über das Judenproblem unterrichten will, erfährt, welchen Anteil die Juden an den einzelnen Berufen nehmen; aus Steuerangaben lassen sich äussere materielle Erfolge ersehen. Die Statistik bleibt aber immer allgemein, unpersönlich. E. van ßeever: Am Krankenbett.