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Ost und West · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. Seite 849 - 850

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Die Juden Italiens
Date
1912-09-01
Page
Seite 849 - 850 (sequence 3)
Language
German
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849 Prof. Dr. Ermano Loevinson, Rom: Die Juden Italiens. 850 Herrschaft waren die wenigen verhältnismässig gut behandelt worden, so dass der Uebergang zur vollkommenen Freiheit im Jahre 1859 kein sehr schroffer war. Kleine Provinzgemeinden haben sich wegen der Verfolgungen in spanischer Zeit nicht erhalten, so dass die einzig in Betracht kommende jüdische Gemeinde diejenige Mailands ist, welches häufig, und nicht mit Unrecht, als Hauptstadt Italiens auf wirtschaftlichem Gebiet bezeichnet wird. Man berechnet sie auf 4000 Seelen. Auch in Venetien, das ebenfalls seit 1814 unter österreichicher Herrschaft stand, war aus den angeführten Gründen der Uebergang zur Freiheit im Jahre 1866 kein plötzlicher. Im Gegensatz zur Lombardei bestehen dagegen noch aus der Zeit der Bepublik Venedig her, ausser in der Provinzialhauptstadt Venedig mit 2900 Seelen, kleine und grössere Judenzentren. Zu ersteren gehören: Brescia, Cönegliano, Rovigo, San Daniele del Friuli, Treviso, Udine, Vicenza, Vittorio; doch wirkliche Gemeinden mit dauerndem Gottesdienst bestehen nur in Verona (750) und Padua (870), letzteres seit altersher ein Mittelpunkt jüdischer Wissenschaft. Besonders reich an kleinen, aber für das Fortbestehen des italienischen Judentums wichtigen Gemeinden, ehemaligen Freistätten, war seinerzeit das Herzogtum Mantua, welches vor etwa zwei Jahrhunderten an Oesterreich kam und seit 1866 zum Königreich gehört. Abgesehen von Mantua selbst (1000) sind diese kleinen Gemeinden, z. B. Pomponesco, entweder schon ausgestorben, oder dem Aussterben nahe, wie Bozzolo, Novellara, Revere, Sabbioneta, Sermide, Viadana. Die beiden wichtigsten Seeplätze an der ligurischen Küste, Genua und Spezia, bieten einen charakteristischen Beweis für den Mangel an Lebenskraft des heutigen Judentums in Italien, wenigstens auf religiösem Gebiete: Obwohl in Genua die Zahl der Juden durch fortwährenden Zuzug im Steigen begriffen ist, — man schätzt sie auf 1000 bis 2000, — und sich auch reiche unter ihnen befinden, so beschränkt sich das Gemeindeleben doch fast ausschliesslich auf die Unterhaltung der Synagoge, deren Unzulänglichkeit allgemein anerkannt wird, ohne dass man aber Abhilfe zu schaffen vermag! In Spezia, dem grössten Kriegshafen Italiens mit vielen Erwerbsgelegenheiten, sind natürlich auch Juden, wohl an hundert, vorhanden, aber sie treten zu keiner Gemeinde zusammen. In den ehemaligen Herzogtümern Piacenza, Parma, Guastalla und Modena begegnen wir nunmehr bekannten Erscheinungen: Die kleinen Gemeinden, welche ehemals Freistätten für den jüdischen Kultus bildeten, wie Cortemaggiore, Fiorenzuola d'Arda, Soragna, Borgo San Donnino, Busseto, Guastalla, Scandiano, Correggio, Reggio, Carpi sind im Absterben begriffen oder schon eingegangen, in der einst blühenden Gemeinde Modena bekannte sich bei der letzten Volkszählung von den 800 Juden kaum noch die Hälfte zum Glauben ihrer Väter, während es die Israeliten Parmas, einer industriell autblühenden Stadt, in welcher ihre Zahl auf etwa 300 berechnet wird, meist aus den angrenzenden Provinzen stammend, zu einem wirklichen Gemeindeleben nur init Mühe zu bringen vermögen. In dem südlich angrenzenden ehemaligen Grossherzogtum Toskana, dessen Angliederung an das Königreich Italien mit der sich anschliessenden Emanzipation ebenso wie die der; genannten Herzogtümer im Jahre 1859 erfolgte, wird das Judentum hauptsächlich durch einige geistig hochstehende Elemente lebensfähig erhalten. So ist denn an den Untergang der alten Gemeinden Livorno (4200), Pisa (520), Florenz (3000) und Siena (200) nicht zu denken, ja in Massa-Carrara und Viareggio am Tyrrhenischen Meer sind sogar Keime zu neuen Zentren vorhanden, ebenso Ghetto in Siena.

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