Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Einiges über das Verhältnis jüdischer Väter zu ihren Söhnen
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 837 - 838 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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837 Dr. Max Steif: Einiges über das Verhältnis jüdischer Väter zu ihren Söhnen. 838 bank ligen un ein mal esen, ein mal nit . . . drum sieh: lern un schreib, ge nit spazieren . . In einem anderen Schreiben macht ein Vater seinem bereits verheirateten Sohn Vorwürfe darüber, dass er sich zuviel mit Geschäften befasse und das „Lernen44 vernachlässige: „ . . . seit ich aber das gewist haben, un wen mir dein schwer (Schwiegervater) seit al sein (Vermögen) gegeben haoen, weit dich nit hin geben haben. Dein schwer hat mir anders zugesagt zu der (Hochzeit) er wil mit dir lernen, das du in kaum (zwei Jahren) ein Morenu nit auf der weg gen solst . .. . derhalben mein (1. Sohn) schreib ich dir da ua mein ganzen wilen un meinung, das du mir nit anders solst ton un solst herkomen lernen . . ." Die Art, wie hier ein von der Aussenwelt gewiss keiner höheren Regung für fähig gehaltener, gewöhnlicher „Handelsjude" seinen Sohn wegen Vernachlässigung des Studiums zur Rechenschafc zieht, erinnert einigermassen an den Tadel, den einst R. Abahu seinem Sohne Chanina zukommen liess, der anstatt sich in Tiberias dem Gesetzessttidiutn zu widmen, sich mit der Bestattung von Leichen beschäftigt e: „Gibt es denn keine Gräber in Cäsarea, dass ich dich deshalb habe nach Tiberias senden müssen? Das Studium muss der Tat vorangehen.44 Die patria potestas, die nach ursprünglichem römischen Rechte selbst erwachsene Söhne als Sache und Eigentum des Vaters betrachten liess, äusserte sich eben hier in anderer Weise, und es mag wohl nur als vereinzelter Fall anzusehen sein und zugleich seltsam anmuten, wenn wir von dem weiblichen Faktotum im Hause Rabbis, des Redaktors uoserer Mischna, die auch sonst über einen nicht geringen Grad, von Wissen zu verfügen schien, hören, wie sie einst einem Vater, der seinen erwachsenen Sohn schlug, es zugerufen: Dieser Mann verdient in den Bann getan zu werden, weil er sich gegen die biblische Vorschrift vergangen: vor den Blinden sollst du keinen Anstoss legen. (Moed katan 17). Als etwas selbstverständliches darf es angenommen werden, dass besorgte Väter auch die nebensächlichsten, kleinsten Einzelheiten in dem Werdegang ihrer Söhne zum Gegenstand ihres ausgesuchten Interesses werden Hessen, wenngleich uns, wie dies in der Natur der Sache liegt, nur wenige diesbezügliche schriftliche Nachweise zur Verfügung stehen. Hier wäre etwa ein Schreiben Juda ihn Tibbons (im 12. Jahrhundert) an seinen Sohn Samuel zu erwähnen, aus dessen vorwurfsvollem Inhalt die Besorgtheit des Vaters wegen des Mangels an Ordnungsliebe wie des sonstigen Sich gehen-lassens des Sohnes herauszuhören ist: Er habe ihm soviel schöne Bücherschränke hingestellt, kostbare Werke angeschafft, alle Bücher seien so schön geschrieben, so herrlich gebunden, in so sauberer Ordnang gehalten. Er habe ihn ermahnt, er solle eine schöne, zierliche Handschrift schreiben, wie er es von ihm wahrgenommen, ihn zur Erlernung des Arabischen und alier Wissenschaft ermuntert und ihm darin den Weg geebnet; in allen Büchern seien Anmerkungen von ihm verzeichnet, die ihm das Verständnis erleichterten . . . Seine Bücher möge er doch ja gut erhalten, die ungebundenen hebräischen jeden Monat herausnehmen und abstauben, die arabischen alle zwei Monate und die gebundenen alle drei Monate . . Andere Väter achteten wieder auf die Ausbildung eines schönen Stils bei ihren Söhnen. In einem Hochzeitsgedicht, betitelt Kaarath Kessef, das Josef Ezobi aus Perpignan (um 1235) an seinen Sohn richtete, warnt er diesen nicht bloss vor allzuvieler Beschäftigung mit Philosophie, die dem Weinstock Sodoms gleiche und nur Unheil in den Gemütern stifte, sondern fordert ihn . J LEO BAKST. ST. PETERSBURG. Jüngling („Scheherazade";.