Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Leo Bakst
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 813 - 814 (sequence 2)
- Language
- German
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Paul Barchan: Leo Bakst. 814 LEO BAKST. Odaliske („Scheherazade"). ST. PETERSBURG. .DivihtlXE I^FFJUfcufVfc, historische, heidnische Russland, Viktor Wasnetzow das alte, abenteuerlich-ritterliche Russland, Apollonarij Wasnetzow das alte vorpetrische Moskau. Surikow auch Rjabuschkin das voTpetrische Bojarentum, Bilibin das alte märchenhafte Russland, Mkolaj Gay die Leiden Christi, Wrubel märchenhafte Zeiten, Dämoner, Schwanenprinzessinnen der russischen Sage. Borissow- Mussatow das rührende, empfindsame Spät-Biedermeiertum der Turgeniewschen Zeit. Somow und Benois das Rokoko. In der Hingabe an seine Epoche lag bei jedem dieser Künstler ein Fanatismus, eine Verliebtheit. Diese Verliebtheit ist auch ein Merkmal von Bakst, der das alte Griechenland mit seinem modernen Geist erfüllte. Dies brachte ihn auch zum Empire, das Petersburgbeherrscht. Diese Motive kehrten wieder in seinen köstlichen,kleinen Bildern, in grossen, pompösen Gemälden, in seinen kalligraphisch exquisiten, ornamentalen Zeichnuugen und in Innenausstattungen, die ihm (zusammen mit einigen hervorragenden russischen Künstlern) eine zeitlangbeschäftigten. Doch seine wirkliche Sehnsucht, sein wirklicher Wille kam LEO BAKST. Divinite inferieurc („Narcisse")« erst zum Ausbruch in einer Spezialität. In das Gebiet einer Spezialität ist schon so mancher Künstler durch einen vielleicht zufälligen Erfolg hineingetrieben worden. Und darin liegt auch zumeist eine gewisse Tragik, indem der Künstler seinem mannigfachen Streben nach Entfaltung, Wandlung und Entwicklung, nach Ausdrucksmöglichkeiten entrissen wird und sein, wie in einer Laune glücklich erobertes Gebiet ihm zur Last wird, ohne das er die Kraft findet, sein Königreich zu fliehen. Aber nicht so liegt die Sache bei Bakst. Dieser ist zu grossem Ruhm gelangt durch seine Kostüm- und Dekorationsentwürfe für das russische Ballett. Schon vor etwa 10 Jahren übertrug ihm die Direktion des kaiserlichen Marientheater zu Petersburg die Ausstattung des Balletts „Die Puppenfee". 12 entzückende kleine Blätter geben die Figurinen als Postkarten des russischen „Roten Kreuzes" wieder, einer Veranstaltung, die sich unter der ausgezeichneten Leitung von Nikolaj Tschernjagin seit Jahren um die moderne russische Kunst grosse Verdienste erworben, indem sie bei den hervorragendsten russischen ST. PETERSBURG.