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Ost und West · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. Seite 811 - 812

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Leo Bakst
Date
1912-09-01
Page
Seite 811 - 812 (sequence 1)
Language
German
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811 812: LEO BAKST Von Paul Bapehan. Als ich einmal, vor zwölf Jahren, mitten in einem herbstlichen Frühling, durch die mürrisch - grauen, freudlos müssigen Strassen Petersburgs schlenderte, blieb ich plötzlich, wie durch einen warmen Hauch gebannt, stehen. Mein Aage hatte ein Plakat in sich autgenommen, und dies machte mich für eine Weile glücklich. Eine Einladung zu einer Puppenausstellung: eine etwa Zweijährige, eine kleine, rührende Kind-Mutter beugt sich und zieht eine gebrochen daliegende Puppe zu sich herauf. Darunter stand ein ganz fremder Namen: L. Bakst. Ich war damals zu jung und zu unerfahren, als dass ich jetzt den bleibenden Wert dieser Zeichnung erwägen könnte. Aber bis auf den heutigen Tag lebt in meiner Erinnerung ein Bild von einer aussergewöhnlicheri Wärme in der Empfindung und grosser Vornehmheit und Ern>t der Zeichnung, so fern von aller Süsslichkeit und konventioneller Schmeichelei, wozu dieses „geliebte" Sujet so leicht und so gern verleitet. Inzwischen ist Leo Bakst eine europäische Berühmtheit geworden, die Modernen in Paris, London, Brüssel, Rom laden ihn zu Kollektivausstellungen . ein, der Louvre hat 16 seiner entzückenden Aquarellzeichnungen für das „Musee des arts decoratifs" erworben, in London erscheint eine monumentale Monographie mit kostbaren Reproduktionen« seiner Werke, er hat goldene Medaillen davongetragen, er wird mit Aufträgen für Theaterkostüme und Ausstattungen, auch mit Porträt auftragen überhäuft, Paul Cassirer veranstaltet eine Kollektivausstellung seiner Sachen: nur die Berliner Sezession kann sich noch immer nicht entschliessen, trotz wiederholter ■Intervention meinerseits, Bakst und andere berufene russische Künstler einzuladen. In Russland gehört Bakst zusammen mit seinen Freunden Konstantin Somow, Alexander Benois (in dessen Adern auch ein guter Teil jüdischen Blutes fliesst) und dem unlängst verstorbenen Moskauer Serow (dessen Mutter Jüdin war)?u den Begründern der russischen Moderne, der „Sezession", die sich von dem Bund der akademistischen „Wanderern" („Peredwi>bniki") abgesondert und in der Zeitschrift und den Ausstellangen des „Mir iskusstwa* sich zur Geltung gebracht. Es war eine Zeit, da die russischen Künstler in die Vergangenheit flüchteten und jeder von ihnen eine vergangene Epoche für sich annektierte und sich als Beherrscher der auferweckten Spanne Zeit proklamierte. Leo Bakst. Nikolaj Roerich wählte das vor-

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