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Ost und West · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. Seite 807 - 808

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Gedanken aus dem Werke: "Die Lehre von den Geistigen und vom Volke"
Date
1912-09-01
Page
Seite 807 - 808 (sequence 3)
Language
German
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807 Constantin Brunner: Gedanken aus dem Werke: „Die Lehre'von deiT Geistigen und vom-Volke". - _ 808 Denken eine absolute Sicherheit verlangen: wir müssen die absolute Selbstaufhebung aller seiner Thesen erwarten, verlangen, wir müssen danach suchen! Wer vom Begreifen dieser Welt der Dinge spricht, wer sie zu begreifen für möglich hält, der begreift von der Welt nichts; wer den praktischen Verstand in sich selbst oder auch nur einen einzigen Gedanken des praktischen Verstandes wahrhaft begreifen will, oder wenn auch nur Dieses Dunkel bleibt: warum kein einziger seiner Gedanken begreiflich sei und er mit keinem jemals auf festen Ankergrund gerät, — der hat nicht begriffen, was der praktische Verstand ist. Das relative Denken niuss sich zuletzt enthüllen als relativ und negativ, damit wir aus seiner Umfesseiung uns erheben können in unser wahres Sein und in die Freiheit ohne Endel Das wissen wir, und vergessen keinen Augenblick, wir Materialisten des praktischen Verstandes, dass wir Idealisten des Geistes sind. Im geistigen Denken finden wir unsere Wahrheit. — Die Wisssenschaft und die Abstraktionen, — Wir wollen nicht vergessen: unsre ganze Wissenschaft lebt zur Zeit Doch von sehr wenigen Hauptabstraktionen und den Schlüssen aus ihnen,— es sind aber der Abstraktionen sehr viele, die eine noch ungeahnte Fülle und Ueberfluss ausströmen werden; wir wollen nicht vergessen über allem Vor ansein in der Lebensfürsorge, wie sehr wir doch auch noch zurück sind. Bei weitem die meisten Menschen haben noch nicht das Allernotdürftigste von dem, was sie mit Eecht verlangen und müssen, unterhalb der Grenzen der Armut, elend und wenig mehr als um das nackte und fast freudenlose Leben sich quälen, was sich doch auch wohl hören lassen darf neben dem Geschrille von der „Höhe unserer Kultur", — alles vernünftige Verlangen deutet hin auf Abstraktionen, die noch nicht verwirklicht worden sind in der Praxis der allgemeinen Lebensfürsorge, bei welchem allen nicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist, sondern der Gedanke ist der Vater aller Erfüllung. Die Dinge und die Bewegung. Denn von Dingen ist und bleibt es ewig unbegreiflich, dass sie mit andern Dingen verknüpft sein und auf andre Dinge so oder so notwendig wirken könnten, da Dinge getrennt sind von Dingen und Vorgänge von Vorgängen, und nur im Nacheinander Objekte unseres Denkens sind, keineswegs in der Verknüpfung eines Durcheinander, und da Dinge überhaupt garnicht wirken; denn die Dinge sind blosse Täuschungen unsrer sinnenmässigen Grunderfahrung. Aber Bewegung ist das Wirkende, und nach der Auffassung von den Dingen als bewegten Dingen im Zusammenhange der Einen Bewegung bleibt keine Schwierigkeit zurück, da nun, über die Auffassung der G-runderfahrung hinweg, die uns mit ihrem Oberflächenblick nur getrennte Dinge und Vorgänge im Nacheinander zeigt, das innerlichst Verbundene und Eine von allen Dingen erkannt ist, die als bewegt in der Einen Bewegung überhaupt gar nichts andres als miteinander im Wirken Verknüpftes sind; was die ursachlich verbundenen Dinge ihrem Verursachen und Verursachtsein einander geben und von einander empfangen, ist Bewegung — Bewegung macht, dem Grundgesetze zufolge, das einheitliche Wesen aller der verschiedenen und ineinander unwandelbaren Erscheinungen der Welt aus, die deswegen verschieden erscheinen, weil die Bewegung eine verschieden geschwinde ist, und die deswegen sich ineinander umwandeln, weil die geschwinderen und langsameren Bewegungen ineinander übergehen. — Deüker und Wissenschaftler. — Philosophie heilst immer nur Philosophie des praktischen Verstandes, das heisst, hier kommen immer nur die abstrakten Gedankengebilde in Betracht, die in die Praxis dieses unsres dinglichen Lebens umgesetzt werden. Was die Denker noch ausserdem sagen, da? alles mögen die Männer der Wissenschaft für nutzlose Grübelei und Narrheit halten. Nur dieses werden sie zugeben müssen, dass die Denker auch über die Welt der Dinge das Richtige und Beste gesagt haben, was wissenschaftlich darüber gesagt werden kann. Wenn sich die Wissenschaftler nur zu ihrem Eigenen bekennen und es für das Richtige und Beste halten, so müssen sie dies von den Denkern zugeben und müssen anerkennen, dass, was diese gesagt haben, den Fonds aller möglichen wissenschaftlichen Wahrheiten in sich schliesst, in begrifflichen Formulierungen abgesetzt von ganz unzweifelhafter Auslegbarkeit und definitiver und erschöpfender Gültigkeit: so dass die gesammte Wissenschaft von heute wegfallen könnte, ohne das ihr Gedankengehalt verloren wäre, wenn er nur in der Ueberlieferung der Denker, die vor dem Beginne dieser Wissenschaft gelebt haben, erhalten bliebe» Es bliebe dieser gesammte Gedankengehalt ohne Nachteil der Ueberzeugung, ohne Verminderung der Evidenz, der Gründlichkeit, der Deutlichkeit, des Umfangs: denn dieser Gedankengehalt in den Abstraktionen der Denker, diese in der Abstraktion konstitiierte Wissenschaft ist es gewesen, wovon die empirischen Wissenschaften ihr Leben gewannen und wovon sie auch in aller Zukunft gewinnen. Denken und Lebensfürsorge. — Wir müssen unsere eigene dingliche Existenz und die andern Dinge, mit denen sie in Wechselbeziehung tritt, als ursachlich denken, d. h. nach der Natur dessen, was sie wirken und wie sie bewirkt werden, damit wir, soweit unsre Lebensfürsorge reicht und so lang als möglich, alles zur möglichst besten Erhaltung unsrer dinglichen Existenz tun können. Dies und dies allein ist die Aufgabe und das Wesen unseres Denkens, unseres ganzen Denkens. So wie kein Leben möglich ist ohne solches Denken, so ist auch notwendigerweise alles Denken eines Lebendigen solches Denken seiner Lebensfürsorge und bedeutet nichts über diese hinaus, d. h. es wird mit seinem Denken nichts gedacht als Solches, wodurch sein Leben wird. Sein Denken gehört zu seiner besonderen Existenz dazu, die nun, zufolge dieser Einsicht in das wahre Wesen des Denkens, mitsamt diesem Denken nicht anders erscheint wie andere dingliche

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