Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Gedanken aus dem Werke: "Die Lehre von den Geistigen und vom Volke"
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 805 - 806 (sequence 2)
- Language
- German
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Constantin Brunner: Gedanken aus dem Werke: „Die Lehre von den Geistigen und vom Volke44. 806 Wahrheit gewesen, der in allem übereinstimmend •dachte mit dem Sein und Geschehen. — Wahrheit und Aberglaube. — Zweierlei Dinge -sind ganz unüberwindlich unter den Menschen: die Wahrheit und der Aberglaube — ein jedes von «beiden unter denjenigen Menschen, denen, nach der Urentscheidung der Natur, das eine oder das andere zukommt. — Der Mann von geistigem Wesen. — Der Mann von geistigem Wesen wandelt durch die Zeit und ihre Gedanken, als wäre Zeit und Volk nicht vorhanden; er ist in seinem geistigen Wesen, welches nichts andres ist als die 'Besinnung auf das absolute Wirklichem und das mit ihm Sicheinigwissen, -er ist, als Geistiger, ausserhalb der Zeit, der er nur mit der Relativität seines Lebens angehört, nicht mit seinem wahrhaften letzten Denzen, und mit allen seinen Lebensgedanken ist er ausserhalb des Aberglaubens. Er lässt sich nicht beirren, er weiss unmittelbar aus erster Hand, aus Einheitsgefiihl mit der Natur der Wirklichkeit; er allein findet sich •der Wahrheit gegenübergestellt als ein Erkennender, weil sein Denken wahrhaft bis ans Ende reicht; darum heisst es von Moses, er habe G-ott geschaut von Angesicht zu Angesicht. — Aus dem eigentlichen Werke. Denken und Begriffe. Alles Denken ist anschaulich, denn es ist Denken eines Gedachten, alles Gedachte ist Anschauliches; man darf nur nicht das Gedachte mit dem Denken verwechseln. Das Denken, als die Form des Gedachten, ist freilich unanschaulich. Aber die Begriffe sind anschaulich. Das Denkern ist die Form für die anschaulichen Begriffe. Das Denken ist in den abstrakten Begriffen nichts an sich selbst, es denkt sich nicht selber, so wie «nicht das Feuer sich selber brennt, — es ist darum auch unser Denken nicht mit unsrem Denken zu er- '• •-. . -y :• . V .',' m 3 v '(L ■ i ^P*' * * "V Constantin Brunner« (Nach einem Gemälde von Julie Wolfthorn.) kennen. Es gibt keine Erkenntnis und keine Kritik des Denkens im eigentlichen Sinne, keine Untersuchung des Denkinstrumentes, wie Kant sie geliefert zu haben glaubte. Er unterscheidet nicht in seiner Kritik das Denkinstrument, das Denken von den gedachten Begriffen, — das ist sehr unkritisch. Das Denkinstrument? Was rede ich so Gr und verkehrtes nach? Da ist kein Denkinstrument, es liegt mit dem Denken denn doch ein wenig tiefer. Es ist keine Kritik des Denkens möglich, aber eine Kritik der Begriffe ist möglich: weil die Begriffe Gedachtes, weil sie Gegenstand des Denkens sind. Wären die Begriffe das Denken selber, so wäre Kritik der Begriffe unmöglich. Das Denken ist nicht sich selber denkend, sondern Anderes denkend, Dinge denkend nichts als dieses. Relatives Denken und geistigesDenken. — Denn wir sind, was wir denken, und wir sind mit unserm relativen Denken des praktischen Verstandes, was wir mit ihm denken und mit ihm nicht anders denken können: wir sind dinglicheBewegung, nichts als dies. Und darum , weil unser ganzes Leben Bewegung ist, darum kommen wir unser Leben lang nicht zum Denken dessen, was wir wahrhaft sind, wir kommen nicht zum wahren Sein und zur Ruhe. Mit dem praktischen Verstände kommen wir nicht dazu. Wie denn wohl vermöchten wir's zu tragen, wenn nichts wäre als der praktische Verstand? Wer könnte das tragen, der da wüsste, was es um diese relative Wahrheit von unserm Denken der Dinge als bewegter Dinge ist, yon den Dingen, die niemals Eines sind, sondern immerwährend Anderes werden! von den Dingen, die niemals ein Etwas sind, die also nicht sind! das absolute Ding an sich: — das heisst, das Etwas und das Nichts identifiziert. Wer vermöchte das Nichts als die absolute Wahrheit zu ertragen? — Aber das relative Denken kann nicht absolut sein, und wir können nicht vom relativen