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Ost und West · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 757 - 758

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Article
Die Israeliten von Fez
Date
1912-08-01
Page
Seite 757 - 758 (sequence 2)
Language
German
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757 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten von Fez. 753 empfindet, an einem Werk der Nächstenliebe Anteil zu haben, für das die Alliance mit Hilfe der Israeliten der ganzen-Welt sich unermüdlich einsetzt. Am 1. Juni haben wir die Knabenschule mit allem Material, über das wir in beiden Schulen verfügten, wieder eröffnen können. Ich lasse neues Mobiliar anfertigen, um das zerstörte zu ersetzen. Die Mädchenschule wird in einigen Tagen eröffnet werden können. 60 neue Schüler sind aufgenommen worden, so dass die Zahl unserer Kinder sich auf über 300 beläuft. Ihren Weisungen folgend, haben wir der Ernährung unserer Kinder alle denkbare Sorgfalt zugewendet. Wir haben uns bemüht, unseren schwergeprüften Kleinen reichliche Mahlzeiten vorzusetzen und eine möglichst grosse Zahl an den Tisch der Schule zuzulassen. E 1 m a 1 e h. F e z , 19. Juni 1912. Seit einigen Tagen haben die Angriffe aufgehört. Die letzte Expedition des General Gourand hat die Umgebung der Stadt befreit. Es sind jedoch andere Rebellengruppen in der Nähe von Fez wahrgenommen worden. Der General ist aufgebrochen, um sie zu zerstreuen. Ich glaube, dass wir, da die Ernte nahe ist, einige Zeit Ruhe haben werden. Aber ich fürchte auch, dass nach dieser Zeit neue Unruhen eintreten werden. Ich bin gestern von dem neuen Residenten General Lyautey im Beisein des französischen Konsuls Herrn Mercier empfangen worden. Er hat mich sehr freundlich empfangen, und er schien mir den lebhaften Wunsch zu haben, für die jüdische Bevölkerung Ersatz aller Schäden zu erlangen, den sie nach Recht und Billigkeit zu beanspruchen hat. Ich sprach ihm hauptsächlich von den Schadensersatzforderungen, die die Israeliten von Fez der Regierung unterbreiten würden, und auf deren Bewilligung sie hofften. Auch den Israeliten von Casablanca sind nach den Unruhen von 1907 Entschädigungen bewilligt worden. Der General sagte, dass er diese Frage mit um so grösseren Wohlwollen prüfen würde, als sie ihm bereits vor seiner Abreise von Paris von einer Delegation des Central- Comites der Alliance unterbreitet worden sei. Eine Kommission wird zur Prüfung der verschiedenen Entschädigungsansprüche eingesetzt werden. Die Akten würden sofort dem Ministerium des Aeussern in Paris übermittelt werden. Der General war auch von Ihrem Bauprojekt unterrichtet, das Mellah zu erweitern und billige Arbeiterwohnungen zu schaffen. Dem Sultan ist diese Angelegenheit unterbreitet worden, und der Herr Resident wird darauf bestehen, dass sie so schnell als möglich zu unserer Zufriedenheit entschieden wird. Fez, 23. Juni 1912. Entschädigungen. Von Ihrem Brief an den Minister der Auswärtigen Angelegenheiten habe ich Kenntnis genommen. Ihre Massnahme entsprach den Schritten, die ich in Fez bei dem General Lyautey unternommen habe. Hierbei Abschrift des Briefes, den der Kosnul von Frankreich an die Israelitische Gemeinde gerichtet hat: Fez, 24. Juni 1912. Der Geschäftsträger des französischen Konsulats in Fez. An die Herren Mitglieder der Israelitischen Gemeinde in Fez. Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, dass der Herr Generalresident den Wunsch hat, die Gesamtziffer der Verluste kennen zu lernen, die das Mellah seit der Ereignisse vom April erlitten hat. Er hat mich beauftragt, allev Schadensersatzansprüche festzustellen, die die unbeschützten Israeliten des Mellah zu erheben haben. Um die Arbeit der Beamten, die die Berechtigung dieser Forderungen zu prüfen haben, zu vereinfachen, sind sie in französischer Sprache aufzustellen, mit einer detaillierten Liste und Berechnung der wirklich erlittenen Verluste an die Adresse des Herrn Elmaleh, an den sich das Konsulat gewöhnlich wegen der hebräischen Uebersetzungen wendet, binnen 8 Tagen einzuschicken. Die Frist für die Ablieferung würde also am Montag den 1. Juli ablaufen. Genehmigen Sie, meine Herren, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung. L. Mercier. Vergrösserung des Mellah. Hierbei der Brief des General-Residenten an die Hilfskommission. Die Angelegenheit ist auf gutem Wege und wird — dessen bin ich sicher — bald zu glücklichem Ende geführt sein. Die „Kesla des Djebala" und „Chamellerie du Sultan" benannten Terrains habe ich in meinem Ihnen eingesandten Plan, als diejenigen bezeichnet, die dem Mellah angefügt werden sollen. Wir werden damit eine Bebauungsfläche von mehr als drei Hektar haben. Fez, 20. Juli 1912. Der Divisionsgeneral Lyautey, franz. Generalresident in Marokko. An Herrn Mercier, Geschäftsträger des französischen Konsulats. In Erwiderung Ihres Briefes vom 12. Juni in Angelegenheit der Vergrösserung des Mellah, beehre ich mich Ihnen mitzuteilen, dass unserem Delegierten beim Maghzen, Herrn Martin, Auftrag erteilt worden ist, beim Sultan die Üeberlassung der „Kesla des Djebola" und der „Chamellerie du Maghzen" an die Israelitische Gemeinde zu erbitten. Ich bitte Sie, dieses zur Kenntnis der Hilfskommission zu bringen. Lyautey. Fez, 24. Juni 1912. Das Hilfswerk, das wir hier mit Erfolg fortsetzen, hat vier verschiedene Zwecke: 1. Gewährung von Unterstützungen an Arbeitslose, Greise, Witwen und Waisen. 2 Geschenke und Darlehen an Handwerker zur Anschaffung vollständigen Handwerkszeugs, damit diese sich wieder an ihre Arbeit begeben und unserer täglichen Beihilfe entraten können, ferner Darlehen von 500—1000 Francs an die Händler und kleinen Kaufleute. 3. Bemühungen, um vom Sultan die Üeberlassung eines Terrains an die Israelitische Gemeinde zu erlangen. 4. Beim Residenten wegen Bewilligung von Entschädigungen an die Opfer der Plünderung eingeleitete Schritte. Beihilfen. Anfänglich haben wir Lebensmittel, Betten und Kleider verteilt. Später haben wir statt dessen bares Geld, pro Person und pro Tag 25 Centimes, gegeben. Aus der Abschrift meines Kassenbuches ersahen Sie die Summen, die wir bis heute sowohl für Lebensmittel als auch für Barunterstützungen und andere verschiedene Zwecke verwendet haben.

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