Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 8 (August 1912)
- Article
- Die Israeliten von Fez
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 755 - 756 (sequence 1)
- Language
- German
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755 756 S^^MITTEILU N GEN'"7^ nw rn o^-iy ißureau des CentralComites: Paris A5,RuelaBruyere des Central-ComUes der M AI lianceisrd^lUe Universelle b«-ity Deutsches Bureau: Charlortenburg, Grolman -SlrM- DIE ISRAELITEN VON FEZ. Von Herrn Elmaleh, Direktor der Allianceschule in Fez, sind dem Central-Comite in Paris noch folgende weitere Berichte zugegangen: F e z , 19. Mai 1912. Unsere Kommission lässt sich die Ausführung des von Ihnen vorgezeichneten Aktionsplans angelegen sein. Wir beschäftigen uns in erster Linie mit den Arbeitern, die wir entweder mit Handwerkszeug oder Rohmaterial versehen. Die Lage verschlimmert sich leider dadurch, dass der Kriegszustand, in dem wir leben, und die allgemeine Unruhe jede Tätigkeit lahmlegen, so dass die Arbeiter, selbst wenn sie mit Werkzeug versehen sind, oft ohne Arbeit bleiben. Diese Krise wird besonders von den Juwelieren und Goldarbeitern empfunden, die einen wichtigen Bestandteil der Bevölkerung des Mellah bilden, und die nur in Zeiten des Friedens und des allgemeinen Gedeihens ihren Unterhalt gewinnen können. Dagegen sind es gerade die Bauarbeiter, denen die Prüfungen, die wir durchgemacht haben, Arbeit verschaffen. Besonders die Maurer, Zimmerleute, Tischler haben viele und eilige Arbeit, denn beinahe alle Türen, Fenster, Zimmerböden in den Häusern des Mellah sind verbrannt oder zerschlagen. So vermindern wir in bemerkenswerter Weise die Anzahl der täglichen Unterstützungen, die nur für die Witwen, Greise, Kranken und Arbeitslosen bestimmt sind. Diese sind leider noch in ziemlich beträchtlicher Zahl vorhanden. Wir sind auch bemüht, aus dem gegenwärtigen Unheil dauernden Vorteil für die jüdische Bevölkerung zu ziehen: es ist unumgänglich notwendig, dem Uebel abzuhelfen, das in dem engen Zusammenwohnen der Israeliten in einem begrenzten Gebiet besteht, wo die Uebervölkerung leicht zu Krankheiten und heftig auftretenden Epidemien führt. Ich erinnere Sie daran, dass vor ungefähr 11 Jahren eine Sumpffieberepidemie im Zeitraum von 3 Monaten mehr als 3000 Israeliten hinraffte. Es ist darum angebracht, dass das Hilfswerk auch auf die Vergrösserung des Mellah bedacht ist und vom Maghzen ein an das Mellah angrenzendes grosses Terrain zu erlangen sucht, wo wir für die arme Bevölkerung gesunde und billige Wohnungen bauen können. Fez, 28. Mai 1912. Sie sind über die neuen Unruhen unterrichtet, über die ich Ihnen vorher geschrieben hatte, und die sich während der letzten Tage hier bemerkbar gemacht haben. Seit den Kämpfen vom 25. und 26. Mai, dem Einfall der Berber und Askaris in die Stadt, der Proklamation des heiligen Krieges und der Belagerung von Fez ist die Verbindung von einem Stadtviertel zum andern wenn nicht unmöglich geworden, so doch nur unter äusserster Gefahr aufrechtzuerhalten. Die wenigen Europäer, die die französische Gesandtschaft und das Generalstabsgebäude bereits verlassen haben, haben sich wieder dorthin geflüchtet, wo sie noch nicht fortgelassen werden. Was uns betrifft, war unsere Pflicht, bei der geängstigten jüdischen Bevölkerung im Mellah zu verbleiben. Ich habe angeordnet, dass an der Einfassungsmauer unseres Viertels, wo der Weg nach dem Feld Dar Debibag vorüberführt, ein starkes Tor angebracht werde. Das Mellah scheint gefährdet. Man hat den den Zugang bewachenden Posten heute verdoppelt. Ein Detachement von 60 Tirailleuren ist gegenwärtig für unsere Sicherheit besorgt. Unglücklicherweise wären diese Streitkräfte völlig unzureichend, wenn die Angreifer, wie das 3 Tage zuvor im arabischen Viertel geschehen ist, sich einfallen Hessen, ein Loch in die Mauern zu reissen und in das jüdische Viertel einzufallen. Unsere Glaubensgenossen haben nicht eine Waffe, um sich gegen einen Angriff zu verteidigen. Dieser Kriegszustand kann die materielle Lage unserer Glaubensgenossen natürlich nur verschlechtern. Alle Läden sind geschlossen. Aller kaufmännischer Verkehr stockt. Die Arbeiter können nicht arbeiten. Die wenigen israelitischen Kaufleute, die angefangen hatten, ihre Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen, sind von neuem zum Feiern gezwungen. Niemand wagt das Mellah zu verlassen. Das Elend wird grösser. Vorgestern hatten wir im ganzen Viertel kein Mehl mehr, und es war uns unmöglich, von aussen etwas zu beschaffen. Ich habe von unseren Reservevorräten 5000 Kilo Reis entnommen, die ich verteilt habe. Wir sind also gezwungen, einstweilen wieder täglich Lebensmittel zu verteilen. Die Bank von Algier hat uns durch Vermittlung des Herrn General Lyautey ein grossherziges Geschenk im Betrage von 10 000 Franks zugehen lassen. F e z , 8. Juni 1912. Wir haben von den marokkanischen und den Konsularbehörden die Zusicherung erhalten, dass alle gegen Israeliten wegen früherer Schulden eingeleiteten Verfahren ruhen sollen, bis die betreffenden ihre gewohnten Geschäfte wieder aufgenommen haben. Si Mohamed Tazi, Minister der öffentlichen Arbeiten, Präsident unserer Hilfskommission, hat Ihnen geschrieben, um Ihnen von dieser wichtigen Konzession Mitteilung zu machen und Ihnen den Dank auszusprechen für das Vertrauen, das Sie unserer Kommission entgegenbringen, die hohe Genugtuung