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Ost und West · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 725 - 726

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Article
Julius Rosenbaum
Date
1912-08-01
Page
Seite 725 - 726 (sequence 2)
Language
German
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725 Karl Schwarz: Julius Rosenbaum. 726 JULIUS ROSENBAUM. Landschaft. Geboren im Jahre 1879 zu Neuenbürg in Westpreussen als jüngstes Kind einer zahlreichen Familie, wuchs der Knabe, der seinen Vater nie gekannt bat, da er kurz nach seiner Geburt starb, unter der Obhut der Mutter heran. Trotz seiner Neigung zur Kuns-t sollte er, um einen positiven Hinterhalt zu haben, einen praktischen Beruf ergreifen, und wurde Konfektionszeichner. Dann siegte aber der stärkere Trieb und die Kunst wurde sein Lebensberuf. Der wahre Erfolg jedoch liess lange auf sich warten, die Ausstellungen wiesen seine Werke zurück, die Enttäuschung folgte dem jugendlich begeisterten Beginnen. Rosenbaum wandte sich nach Berlin, betätigte sich als Illustrator und Karikaturenzeichner, Gebiete, auf denen er mit mehr Glück an die Oeffentlichkeit trat, malte aber dabei eifrig weiter und sammelte im stillen das Material zu seinen schriftstellerischen Veröffentlichungen, durch die sich mit einem Schlage das Interesse ihm zuwandte und nun auch seine Gemälde die gebührende Beachtung fanden. Merkwürdig eigentlich, dass zuletzt erst Rosenbaum als Maler sich Geltung verschaffen konnte, denn gerade in seinen Gemälden gibt er sein Bestes. All das andere sind ihm nur Hilfswissenschaften, die Zeichnung als schnelle Abkürzung und Notierung momentaner Eindrücke, die Karikatur als Ausfluss seines feinen BeobachtUDgsvermögens, durchsetzt mit einem leisen Zug von Sarkasmus und bitterer Ironie. Aber in der Farbe findet er sich erst ganz, da dringt er tiefer in die Erscheinung ein und sucht die Mittel bis zur letzten Konsequenz auszunützen. Porträt .wie Landschaft, ruhiges wie belebtes Leben sind auf dasselbe hin gesehen, lediglich auf die Farben Wirkung beobachtet und als Farbenharmonien komponiert. Der Künstler betrachtet als unbeteiligter Beschauer das Leben und Treiben um sich. Wie im Stettiner Hafen ein buntes Gewirr sich abspielt, da Menschen und Tiere, Wagen und Boote hin und herhuschen und die Sonne in ihrem Flimmerschein alles in eine einheitliche Masse taucht, oder wie in der ruhigen Natur die Wiese leise atmet und die kleinen Häuschen am Hügel sich im Sonnenschein dehnen — das alles ist nur als Farbenbild, nicht als packende Schilderung einer interessanten Situation wiedergegeben. Und ebenso schlicht und einfach hockt der alte Streichholzverkäufer auf der Treppe, nicht als bemitleidenswerte Fisrur, sondern nur als stille Existenz, an der den Küns'ler das Häufchen Braun mit dem merkwürdigen Lichtspiel in seiner aufgeklappten Schachtel interessiert. Beim Porträt ist die gesuchte Pose vermieden, ganz natürlich erscheinen die Personen, die der Maler selbst die sie charakterisierende Haltung einnehmen lässt. Die „Dame in Blau", eine der letzten Schöpfungen des Künstlers, ist eine in ihrer breiten und grosszügigen Maiweise imposant wiikende Arbeit. BERLIN". JULIUS ROSENBAUM. Dame in Blau. BERLIN.

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