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Ost und West · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 723 - 724

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Article
Julius Rosenbaum
Date
1912-08-01
Page
Seite 723 - 724 (sequence 1)
Language
German
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723 724 JULIUS ROSENBAUM. Von Karl Schwarz. Hie Sezession, hie Grosse Kunstausstellung, so lautet in Berlin die Parole während der Sommermonate. Man muss dort gewesen sein, um mitreden zu können, man muss sich durch diese Hunderte und Aberhunderte von Bildern hindurchgequält haben. Dann geht man auf Reisen, nach der Schweiz, macht in München ein paar Tage Rast: hie Glaspalast, hie Sezession, hie Kunst verein. Man muss dort gewesen sein, um mitreden zu können- Wohin der Kunstliebhaber sich auch wenden mag, überall sperren die Kunstausstellungen ihren entsetzlichen Rachen auf — es gibt kein Eutrinnen: Charybdis und Scylla, grosse Kunstausstellung und Sezession! — Bei dem immer wiederkehrenden Spiel, da hunderte von Kunstwerken schön geordnet an den Wänden sich präsentieren und nach einigen Wochen auf Nimmerwiedersehen verschwinden, drängt sich uns die Frage auf: wo bleiben all diese Bilder, wer kauft JULIUS KOSENBAUM. Stettiner Hafen. BERLIN. JULIUS RGiENBAUM. Streichholzverkäufer, BERLIN. sie?—Wo sie bleiben? Meist im Atelier ihres Schöpfers, denn sie werden nur in wenigen Fällen gekauft,wenn nicht gerade der Künstler schon einen Namen hat. Meistens sind sie nur „Ausstellungsbilder" und ernten im besten Falle einige gut gemeinte Kritiken. — Ein junger Maler, der selbst unter diesem Missgeschick des Künstlertums jahrelang zu leiden hatter hat diesen Gesichtspunkt wieder aktuell gemacht und durch einige feurig geschriebene Artikel einen Künstlerbund in Berlin geschaffen, dessen Sorge die materielle Hebung des Künstlerstandes bildet. Der Berliner Künstlerbund kann nun bereits bei seiner vierten Ausstellung mit Genugtuung auf eine segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Die Notwendigkeit seiner Bestrebungen sind durch den Erfolg bestätigt worden. Der Grundsatz, den Julius Rosenbaum s. Zt. in seinen Artikeln in der „Werkstatt der Kunst" aufgestellt hat und der die Parole der neuen Vereinigung bildet, ist: Kunstwerke lassen sich auch zu geringen Preisen erstehen, fort mit den Phantasiepreisen —• nur so kann der minderwertige Kunsthandel und die Verständnislosigkeit bekämpft werden. — Julius Rosenbaum, der rührige Begründer des Berliner Künstlerbundes, hat mit offenen Augen das Geschick seiner Kollegen betrachtet und wurde durch seine eigenen Kämpfe, sich als Künstler durchzusetzen, zu seinem Vorgehen getrieben. Eine gewandte Feder gab ihm die Möglichkeit, seine Gedanken einer breiteren Oeffentlichkeit vorzutragen und sich Gehör zu verschaffen; er hat dadurch auch seine Persönlichkeit in den Vordergrund des Interesses gerückt, sodass wir gerne auch von dem Künstler hören wollen, der so tarkräftig zur Hebung seines Standes eingetreten ist.

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