Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1912)
- Article
- Unter Proselyten
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 661 - 662 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Kars 1× ep/2506332
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661 S. An-ski: Unter Proselyten. 662 Eine Gruppe von den zum Judentum übergetretenen Kosaken. „Ich trinke ihn nicht/' sag' ich, „weil bei euch überall unrein ist, — im Herzen und auf den Lippen." Kurz, was soll ich Ihnen viel erzählen? Sie bekamen ihren Teil von mir. Ich sagte ihnen solche Dinge, dass sie sich die Ohren zuhielten, auch mit den Fäusten auf mich losgingen. Als sie sich ein bisschen beruhigt hatten, rief einer von ihnen: „Jud, Jud! Du bist ja von Sinnen. Gehst ins jüdische Bethaus." „Gewiss gehe ich," sag' ich, „o, wie schön ist es dort! Die Juden gehen dahin, um Licht über die Welt zu breiten. Nicht beschimpfen solltet ihr sie, sondern den Ort küssen, den ihre Füsse betreten. Die Juden leuchten vor Gott, wie die Sterne am Himmel." „Gauner sind deine Juden, ja!" „So stammt also euer Messias von einem Gaunervolk?" erwidere ich. „Warum glaubst du nicht an den Messias?" „Ich glaube an ihn," sag' ich, „und ich warte zu jeder Stunde, in jedem Augenblick auf sein Kommen. „Warum glaubst du nicht, dass er schon gekommen ist?" „Deshalb," sag ich, „weil geschrieben steht: Und kommen wird der Erlöser und das Volk Israel wird sicher ruhen. . * . Ruht es jetzt sicher? Ihr schlagt es und jagt es und macht es zu Schand und Spott, Ein Beweis, dass der Messias noch nicht gekommen ist."; VI. Im Anfange der 80er Jahre verschickte man B. samt seiner Frau und noch einige von den „jüdisch gewordenen" Familien auf administrativem Wege nach dem Kaukasus, in die Gegend von Kars. Damals machte der Grossfürst Michael Alexandrowitsch eine Reise durch den Kaukasus. Als er durch die Gegend von Kars fuhr, kamen B. und die übrigen deportierten Proselyten, um ihn mit „Salz und Brot" und mit einer Thorarolle zu begrüssen. Er nahm das Salz und Brot, küsste die Thorarolle und sagte, so versichert B.: „Junge Leute! Eure Jerusalem-Gebete haben Gott erreicht." Das bewirkte, dass man die Proselyten ein bisschen in Ruhe liess. Damals liess sich auch B. beschneiden. Eines Tages, als bei B. einige Leute zu Besuch waren, stürmten plötzlich Gendarmen, von einer christlichen Menge gefolgt, ins Haus, zerlDrachen alles und schlugen die Anwesenden in mörderischer Weise. „Totschlagen soll man euch Juden, aus der Welt schaffen!" schrien sie. Es war das kurze Zeit nach den Pogromen, die damals in Südrussland gewütet hatten. Die Proselyten standen noch unter dem Eindruck dieser furchtbaren Geschehnisse. Sie sammelten sogar Spenden für die Opfer.