Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 649 - 650

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Article
Jüdische Skizzen
Date
1912-07-01
Page
Seite 649 - 650 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2584019-2584027-2601348--13288-2601424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

649 Felix Perlei: Jüdische Skizzen. 650 geres lesen, als die Skizzen „Das Judentum eine Religion der Schule", „Das Gebet im Judentum". — „Was lehrt uns Harnack?" ist in seiner Kürze und Gedrungenheit wohl die beste Auseinandersetzung mit diesem so vielfach überschätzten, und viel zu ernst genommenen Hoftheologen. Man braucht natürlich nicht mit allen Ansichten des Verfassers übereinzustimmen. Ich kann z. B. nicht finden, dass die spärliche Gabe Ludwig Bambergers zur Publikation von Max Grünbaums Gesammelten Aufsätzen eine solche Grosstat wäre, dass sie als Ehrendenkmal für den berühmten Parlamentarier aufgefasst werden müsste. Im Gegenteil, es hat etwas ungemein Beschämendes, dass ein Mann wie Grünbaum sein Lebenlang mit der drückendsten Armut zu kämpfen hatte, ohne da:r> Ludwig Bamberger, „einer seiner ältesten Jugendfreunde, auf den er in den Anfängen seiner Entwicklung einen starken Einfluß geübt", mit geinen Millionen und seinem mächtigen Einfluss je etwas getan hätte, um ihm das Lebensschicksal zu erleichtern, z. B. durch Beschaffung eines bescheidenen aber stillen Amtes, das dem grossen Forscher ruhige Arbeit ermöglicht und uns gewiss köstliche Gaben beschert hätte. Viel ernster indessen lnuss Widerspruch gegen die Bemühungen des Verfassers, die Wissenschaft des Juclentunie? „umversitätsfähig" zu machen, erhoben werden. Perles vertritt hier eine weitverbreitete, aber sehr gefährliche Tendenz. Ich kann mir nicht helfen, aber der Drang, die Wissenschaft des Judentums von draussen als „universitätsfähig" anerkannt zu sehen, erinnert mich an das Bedürfnis manches Kommerzienratssöhnchens, „leutnantsfähig" zu werden. Die bedeutendsten Errungenschaften der modernen Geistes- und Naturwissenschaften sind ausserhalb der Universitäten gewachsen und geworden. Ich erinnere an die Evolutionstheorie, an die Assyriologie, an die Bakteriologie. Darwin und Spencer haben keine reguläre Universitätsbildung genossen, letzterer weigerte sich, Ehrendoktorate und derlei Firlefanz anzunehmen. Auch die Schöpfer und Bildner der Wissenschaft des Judentums, Rapoport, Krochmal, Luzzatto, Schorr, Zunz, Geiger, Graetz, Steinschneider waren wildgewachsene Bäume, Autodidakten, denn auch die, die einen akademischen Grad besassen, hatten doch das beste Teil ihres Könnens nicht auf der Universität geholt. Einige der gescheitesten MAX LEVI. TRÄUM EKEL Köpfe in Deutschland., wie Ostwald oder Karl Jentsch sind ausgesprochene Gegner des heutigen Wissenschaftsbetriebes auf. den Universitäten mit seinem läppischen und überlebten Vortragswesen. Nein, die Pflege statten unserer Wissenschaft mögen auch fernerhin das jüdische Haus und das Bethamidrasch bleiben, letzteres zu einem F orschungsins t i t u t ausgestaltet und erweitert. Wenn jede Universität einen Ordinarius für „jüdische Wissenschaft" hätte, so hätten wir in 9 von 10 Fällen staatlich besoldete „wissenschaftliche" Antisemiten, die es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten würden, „den Nimbus des auserwählten Volkes" zu zerstören. An dem Esslöffel Talmud und der Messerspitze Midrasch, die dort jetzt schon zum Teil gereicht werden, haben wir wahrlich doch genug. Das weiss Perles, der Herrn Bousset mit eiserner Faust das Genick gebrochen hat, doch wahrlich nur zu gut. Und der Leser des vorliegenden Buches kann es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.