Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1912)
- Article
- Hermann Cohen
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 629 - 630 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2583875-2584019-2584027-2601336--13257-2601414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
629 Dr. Max Eschelbacher: Hermann Cohen. 630 Judentums." Als Juden fühlen sie sich beide als Kulturmenschen, und in ihrer Eigenschaft als Kulturmenschen fühlen sie sich als Juden. Bei der Art, wie Cohen das Judentum betrachtet, erfährt es eine starke Reduktion im Wege der Kritik, erscheinen viele seiner Schöpfungen nur als zeitliche Ausprägungen der religiösen Idee," als vorübergehende Erscheinungsformen ohrie ewigen Wert. „Wir modernen Juden hegen unser Judentum nur als den Glauben an den einzigen Gott, und wir anerkennen nur diejenigen Pflichten, Dabei offenbart er sich bei aller Kritik als eine ungewöhnlich positive Persönlichkeit. Wir haben gesehen, wieviel er von dem gewordenen Judentum ablehnt. Aber was er festhält, das verkündet er mit ausserordentlichem Nachdruck, mit Kraft und mit Innigkeit, und das weiss er überall im Judentum als lebendig und keimkräftig nachzuweisen. Die Hauptgedanken des Judentums, deren Herold Cohen in der Sprache und der Anschauungsweise unserer Zeit wird, sind die Ideen von Gott, > welche mit diesem Grundglauben zusammenvon der Einheit Gottes, die Verkündigung der hängen." So verwirft unser Philosoph auch mit grösster Energie namentlich den Gedanken, dass die Offenbarung- Gottes sich verkörpern könne in einem Buch, in einem heiligen Schrifttum; er sieht in diesem Gedanken nur den ,, Aberglauben vom Worte Gottes." Vielleicht tönen in diesen zornigen Worten, die 1904 seine ,,Ethik" ausspricht, noch die Empfindungen nach, die 1859 der Hirsch-Frankeische Streit, wie oben erwähnt, in ihm erweckt hatte. Aber an die Offenbarung Gottes glaubt er darum doch, und er glaubt, dass sie auch, nur nicht ausschliesslich, in den religiösen Urkunden zu vernehmen sei. Das Wort Gottes könne nicht schlechter wM. %f/ß"' messianischen Zeit und die Forderung der sozialen Gerechtigkeit. Mit glühendem Herzen verkündet er die Gottesidee des Judentums gegenüber dem Atheismus, dem Monismus, dem Pantheismus aller Zeiten. In Tagen, wo dazu Mut gehört, wo ,,ein Philosoph schon wissenschaftlich verdächtig wird, wenn er sich der göttlichen Frage gegenüber nicht Amtsverschwiegenheit auferlegt", fordert er von der Religion, sie müsse ihre Eigenart aufrecht erhalten und dürfe nicht im Meere der Ethik sich auflösen. Eine anständige Moral reiche noch lange nicht aus für das Lebensrecht einer Religion. Eine Religion müsse den Grund ihres Daseins zu stellen sein, als jedes andere Geh. Regierungsrat Prof. Dr, Hermann Cohen, immerdar in ihrem Gottes Produkt der moralischen Lite- Marburg, ratur, wie es sich in der Gebegriffe bewahren und fortentwickeln. Den schönsten Ausschichte, in der Poesie und Kunst überhaupt, endlich auch in der politischen' und rechtlichen Literatur darlege. Und er bekennt, „Es kann keinen Widerspruch gegen die Selbstgesetzgebung, die Autonomie des Menschen, bilden, dass ich den sittlichen Inhalt der gesamten religiösen Literatur erforsche, erlerne und auf seinen sittlichen Reingehalt zu prüfen habe/4 Di&e letzten Worte könnte man als Motto über Cohens Arbeit auf dem Gebiete des Judentums setzen. Als Philosoph, als Kulturmensch, druck für dieLehre des Judentums von Gott sieht er in dem Worte des Propheten Micha, das zu preisen er nicht müde wird: „Gott hat dir gesagt, o Mensch, was gut ist." Das ist die Bedeutung Gottes, dass er dem Menschen verkündet, was gut ist, dass er, Quelle und Bürge der Sittlichkeit zugleich, dem Menschen die Gewähr gibt, dass die Ideale der Sittlichkeit kein leerer Wahn sind. Das ist eine Anschauung von Gott, die zu allen Zeiten im Judentum lebendig gewesen ist, bei den Propheten wie im Talmud, bei den grossen Religionsphilozunächst nicht als Jude, hat er den gesamten sophen und bei andern Lehrern des Judentums. Inhalt unserer religiösen Literatur erforscht und auf seinen sittlichen Reingehalt geprüft. Hier begegnet sich mit Cohen Samson Raphael Hirsch, der es ausgesprochen hat, dass „von Gott