Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Ereignisse in Fez
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 585 - 586 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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585 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Ereignisse in Fez. \5S6 Die Schulen der Alliance in Marokko. Mädchenschule in Tanger. C> <n-> Kräften danach strebte, Herr der Situation zu bleiben und sich bemühte, um jeden Preis die Gesandschaft und das europäische Viertel zu erreichen, um es zu schützen, waren wir im Mellah unserem Schicksal überlassen. Ein Detachement von nur 100 Tirailleuren hätte schon genügt, die Greuel zu verhindern, von denen ich Ihnen berichte. Wir sind die unschuldigen Sühneopfer der antifranzösischen Bewegung von Fez gewesen. Wohl sind viel Franzosen getötet und verwundet worden, haben Offiziere, Kaufleute im Lauf des Mittwoch ihr Leben eingebüsst, ■aber viel grösser ist das L^nglück, das im Mellah eine ganze Gesamtheit betroffen hat. In der ganzen Stadt Fez waren wir allein dem Verderben ^ausgeliefert, denn ea ist grausame Wahrheit, dass bei jedem Ausbruch derVolkswut in Marokko Rachsucht und Hass in den Mellahs ihre Befriedigung suchen und finden. Die am Mittwoch begonnene Plünderung setzte sich ohne Unterbrechung bis Samstag morgen fort. Drei Tage lang Die Schulen der Alliance in Marokko« Mädchenschule in Tanger (5. Klasse). wurde im Mellah gestohlen, abgebrannt, niedergemetzelt. Die Nacht vom Mittwoch zu Donnerstag w ar eine Schreckensnaclit, an die ich mein Leben lang denken werde. Ich wachte inmitten meiner geängstigten Familie, die Waffen in der Hand. Wir hörten das Gewehrfeuer, das Geschrei der Opfer. Die Stadt war erleuchtet von dem unheimlichen Schein der Feuersbrunst. Jeden Augenblick erwarteten wir, von der wilden Horde ergriffen und niedergeschlagen zu werden. Wir haben schreckliche Minuten durchlebt. Ich hatte um mich meine Frau, meine Kinder und das Personal der Schulen vereinigt, um gemeinsam zu sterben. Ungeachtet der verzweifelten Gegenwehr, die wir den Mördern entgegengesetzt hätten, wären wir doch zum Tode verurteilt gewesen. wie das Beispiel mehrerer Häuser zeigte, deren Bewohner sich mit dem Mut der Verzweiflung verteidigt hatten und zuletzt doch den Kugeln und den Flammen zum Opfer gefallen waren. Am Morgen des Donnerstagforderte ich angesichts der bereits begangenen Grau-