Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Alfred Graetzer
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 543 - 544 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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543 Karl Schwarz: Alfred Graetzer. 544 ALFR. GRAETZER. (NACH EIXER, LITHOGRAPHIE.) Sinnender Jude. auch oft mit verklärte Antlitz festgehalten, auch auf dem Totenbett noch einmal sich in die verlöschende Schönheit vertiefend. — Mit feiner Beobachtung' und scharfer Charakteristik sind die Porträts einiger bedeutender Männer wie auch rassige Bauerntypen gegeben; zarten Linienreiz und weiches Formgefühl verraten die weiblichen Aktdarstellungen. Erst in der letzten Zeit seines Schaffens hat Graetzer seine Studien auch auf die interessanten Typen der polnischen und russischen Juden ausgedehnt. Angeregt durch Hermann Struck, mit dem er seit vielen Jahren befreundet und oft zusammen war, in dessen Atelier er auch die wundervollen Gestalten ein- und ausgehen sah, sc lud1 er ebenfalls eine Reihe solcher Charakterköpfe. Graetzer, der stets ein grosses Interesse für die Geschicke seines Volkes bekundete und sich dem Gedanken getragen hatte, seine Kunst in den Dienst der bildlichen Ausgestaltung jüdisch-biblischer Szenen zu stellen, offenbart in diesen kleinen Blättehen, die in wohlgelungenen Ausschnitten po I n isc he J u d en k ö p f e zeigen, ein tiefes Erkennen der jüdischen Seel e. A1 lgemein gü 1 - tige Werte sind in diesen müden Augen, diesen sorgenvollen Mienen und bleichen Gesichtern zum Ausdrucke gebracht. Die tiefen Falten der Stirn und der Wangen erzählen von Kummer und Not, von Unterdrückung und Knechtung. Der leidende Zug um den Mund ist das Merkmal unserer östlichen Glaubensbrüder; stumme Resignation jahrhundertelanger Knechtung und Ergebung in das Geschick, ALFR. GRAETZER. Polnischer Jude, (NACH EINER LITHOGRAPHIE.) hat, lagert auf diesen Geunendlich mehr verkünden, ALFRED GRAETZER. Galizlscher Jude. das Gott uns auferlegt sichtern, deren Augen als es Worte vermögen. Jn der langen Reihe seiner Schöpfungen hat sich Graetzer niemals deutlicher als jüdischer Künstler, als ein Künstler, dessen Werke man mit dem Titel ,,jüdische Kunst'* belegen kann, erwiesen als hier. Denn der Begriff ,,jüdische Kunst", der von vielen als zu Unrecht bestehend erklärt wird, ist in dem Sinne als bejahend anzuerkennen, als da ss das Kunstwerk, das von einem Juden geschaffen ist, Eigenschaften aufweist, die nur der jüdischen Rasse zukommen, d. h. wenn Gedanken und Empfindungen in ihm wirksam sind, die einem spezifisch jüdischen Bewusstsein, einer jüdischen Seele entspringen. Wesensverwandte Klänge müssen aus dem Kunstwerk zu uns herübertönen, unsere Gedankenwelt müssen war in der Schöpfung des Künstlers wiedererkennen, Worte müssen aus (NACH EIXER LITHOGRAPHIE.)