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Ost und West · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. Seite 545 - 546

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Alfred Graetzer
Date
1912-06-01
Page
Seite 545 - 546 (sequence 4)
Language
German
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545 Karl Schwarz: Alfred Graetzer. 546 ihm sprechen, wie sie füglich nur ein Jude sprechen tiefes Mitgefühl mit dem Geschicke seines Volkes und verstehen kann. Und diese kleinen Charakterhatte, dass er ein würdiger Sohn . seines Volkes köpfe sprechen diese. Sprache, lassen die ,,jüdiwar und zum Schlüsse seiner kurzen, aber inhaltsschen" Saiten unseres Herzens erklingen. Sie reichen Lebensbahn auch ein Mehrer. der jüdischen sind ein Beweis dafür, dass Alfred Graetzer ein Kunst geworden ist. DIE JUDEN UND DER TUERKISCH-ITALIENISCHE KRIEG. Von Prof. Dr. Ermanno Loevinson, Rom. Wie man auch über den Krieg denken mag, welcher seit dem Oktober vorigen Jahres um den Besitz von Tripolis und der Kyrenaika zwischen den zwei Mittelmeermächten geführt wird, — so viel ist sicher, dass er von grosser Bedeutung für die Juden ist und noch sein wird, Denn abgesehen davon, dass auf dem umstrittenen Gebiet etwa 19 000 Juden wohnen,*) für die sich bei dem zu erwartenden Aufblühen des Landes unter der italienischen Trikolore eine bessere ökonomische Zukunft eröffnet, als sie ihnen die finanziell anderweitig in Anspruch genommene ottomanische Regierung je bieten könnte, gibt der Krieg auch wieder einmal Gelegenheit zur Widerlegung der Fabel von der Vaterlandslosigkeit der Israeliten. Dürfte auch nach geschlossenem Frieden noch geraume Zeit vergehen, bis genügend Material von hüben und drüben gesammelt sein wird, um eine Uebersicht über die Teilnahme des jüdischen Elements an den Kämpfen zu geben, — eins lässt sich schon jetzt mit Sicherheit feststellen: Auf beiden Seiten zeichnen sich Juden aus! Natürlich sind wir hier in Europa nur ungenügend über das unterrichtet, was türkische Juden leisten, um der ottomanischen Regierung, die sie im allgemeinen gut behandelt, in ihren Nöten beizustehen. So viel dringt aber doch durch, dass sie nicht nur als tüchtige und geschickte Armeelieferanten, wie bekanntlich in Deutschland schon seit den Zeiten des Dreissigjährigen Krieges, für das türkischarabische Heer, sondern in noch viel delikateren Stellungen in deren Lager tätig sind. Beispielshalber sei hier auf die Nachricht hingewiesen, wonach der Zensor im türkischen Lager, welcher die Berichte der Zeitungskorrespondenten und andere Briefschaften durchzulesen hat, bevor sie die Grenze passieren dürfen, ein sprachgewandter Jude aus Konstantinopel ist Während des Burenfeldzuges soll er in der Intendantur tätig gewesen sein. Jedenfalls hat er jetzt eine Vertrauensstellung inne. Andererseits;> verdient hervorgehoben zu werden, dass sich unter den im Besitze des italienischen Bürgerrechts befindlichen Personen, die während des Krieges aus der Türkei ausgewiesen wurden, nicht wenige Juden italienischer und spanisch-portugiesisclaef Abstammung befinden, welche somit rHab1 und Gut auf *) Nach der letzten, im Juli 1911 noch von der türkischen Regierung vorgenommen Volkszählung gab es allein schon im eigentlichen Tripolitanien, abgesehen von Fezzan und der Kyrenaika, 14 0OD-15 000 Juden. dem Altare des italienischen Vaterlandes opferten. Am bekanntesten von ihnen ist der hochgeachtete Ingenieur IsaccoFernandez. Er musste im vergangenen April Konstantinopel, wo er ausser vielen anderen Ehrenämtern das eines Vertreters der Alliance Israelite bekleidete, verlassen. Auf italienischer Seite nahmen die Israeliten Italiens von Anfang an an der allgemeinen Begeisterung für den Krieg teil; ja in mehreren Synagogen, z. B. in Mailand, fanden Feierlichkeiten für die abmarschierenden Soldaten und Offiziere jüdischer Religion statt. Hierbei mag für deutsche Leser die Tatsache hervorgehoben werden, dass nicht nur unter den Reserve-, sondern auch unter den aktiven Offizieren der italienischen Flotte und des italienischen Heeres der Prozentsatz der Juden im Verhältniss zu ihrer Gesamtzahl (etwa 50 000 im ganzen Königreich) ein überaus grosser, die deutschen Antisemiten würden sagen erschreckender ist! Jüdische Offiziere sind eine, man möchte sagen, alltägliche Erscheinung; und so erregt es z. B. absolut kein Aufsehen, dass zu dem Expeditionskorps Hauptmann Mondolfi gehört, der Sohn eines um jüdische Angelegenheiten sehr verdienten Mannes, eines der Delegierten der jüdischen Gemeinden, welche im Herbst 1911 zum ersten Male in Rom zu einem Kongress zusammentraten. Was die Verteilung der jüdischen Offiziere auf dem Kriegsschauplatz anbetrifft, so hat es den Anschein, als ob die italienische Heeresverwaltung sie mit Vorliebe in die beiden jüdischen Hauptzentren der neuen Kolonien, nämlich nach den Städten Tripolis und Bengasi sendet, wohl um den dortigen Juden klar vor Augen zu führen, wie weit man es nach der italienischen Verfassung, die nicht nur auf dem Papiere steht, bringen kann. So war denn schon bei der Besetzung Bengasis in der Kyrenaika, einem der ersten Treffen des gegenwärtigen Feldzuges, einem Israeliten Gelegenheit gegeben, sich auszuzeichnen. Die Zeitungen aller Richtungen, auch der klerikalen, welche sonst gern den Semiten etwas anzuhängen suchen, wussten von dem Heldenmut des Fregattenkapitäns An gel o Frank, der einer venezianischen Familie entstammt, zu berichten. Und tatsächlich ist die Einnahme Bengasis am 19. Oktober zum Teil sein Werk; er erlitt aber dabei eine nicht unbedenkliche Verwundung des linken Beines. Schon allein der Gedanke, dass man einen Juden zum Fregattenkapitän ernennen und ihm eine so wichtige Mission wie die Leitung der Landungs-

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