Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Alfred Graetzer
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 541 - 542 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sil Karl Schwarz: Alfred Graetzer. 542 Meister im Reiche der Kunst studiert. Und immer wieder kehrte er zurück zur Natur, in ihr seine wahre Lehrmeistern! erblickend, von ihr zu seinen schönsten Schöpfungen b egeistert, zur einfachen, stillen Na- : tur, die seine Jugend verschönt hatte und in :< »■Y die er nun auch zum ewigen Schlummer gebettet wurde. So bilden auch in dem künstlerischen W erke Graetzers die Landschaften den Schwerpunkt und den Gipfel seines Könnens. Eine leise Melancholie, eine verhaltene Schwermut, ein gewaltiger Ernst spricht aus den meisten dieser Blätter. Selten begegnen wir einer leichten Fröhlichkeit wie in dem „Sonnigen Häuschen", einer Erinnerung;m frohe Stunden in der Heimat. In alle Sujets bat er einen Tropfen Wermut geträufelt, den Widerhall seines schick- *alschweren Lebens gehend. Dunkle Wolken renken sich hernieder, düstere Wege durchschneiden das Feld, wild hraust das nasse Element luif und geheimnisvolle Stille umschliesst den Wald. Auch leise träumend liegt die Natur da, ALFRED GRAETZER. Polnischer Jude. bevor sie die wärmende Sonne wachgeküsst. Eine der schönsten und ergreifendsten Schöpfungen, „Am Waldesrand", ist das Letzte, was sein Stift geschaffen. Zu diesen rein land- ■"i schaftlichen Bildern gesellt I sich eine Reihe von Dar- . Stellungen, die man am besten unter dem Namen Allegorien zusammenfasst, feine lyrische Blättchen, wie „Am Rosenstrauch" und „Mutter und Kind" (siehe Abbildung 1910, S 7 und 10), auch einige Zyklen, die fast ausschliesslich seine junge Frau und sein Söhnchen wiedergeben. Immer wieder hat der Künstler seine schöne Gattin porträtiert; die stattliche Erscheinung mit dem k lassisc h schöneu Kopf und den freundlich d reinschauenden A ugen finden wir stets in reicher Abwandlung, wie sie in voller körperlicher Frische die ersten Jahre von Graetzers Ehe verschönte. Und als sich die Schatten des Todes auf sie niedersenkten und schweres Leiden sich auf die müden Lider legte, hat der treuliebende Gatte in schnell skizzierten Blättchen, die künstlerisch zu seinen besten und ergreifendsten Schöpfungen gehören, das (NACH EINER LITHOGRAPHIE.)