Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die Geschichtslüge über Leopold Zunz
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 461 - 462 (sequence 3)
- Language
- German
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461 Prof. Dr. Jüdischer: Eine Geschieh tsliigc über Leopold Zunz. 4.02 A. Salles Wagner: Die Klage um Jephta. Fast zwei und ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Briefe, die eine heftige Presskampagne für uni wider ihre Echtheit ausgelöst hatte, richtete der Redakteur des „Jewish Chronicle* eine Anfrage an Neu mann, „was ia dein Briefe der Kaiserin die Stelle bedeutet, die von Zunzons U eher tritt zum Christentum spricht". Neuina nn veröffentlichte sein Antwortschreiben unter dem Titel: „Die posthumen Briefe der Kaiserin Augusta und ihre Echtheit" in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums1' vom 10. März 1803. Nach dem mit Bezug auf die Zunzstelle gemachten „ausdrücklichem Vorbehalt*: „Hier zu Lande ist durch dieselbe niemand in seinem Glauben an Zunzens Treue gegen das Judentum berührt worden. Und auch heute wurde mir ein Zeugnis für Zunzens Treue als eine Entweihung seines Andenkens erscheinen", verstand es Neumann, das Lügengewebe durch folgende spürkräftige Ausführung zu zerreissen: „1. Den noch lebenden ältesten und vertrautesten Freunden Zunzens (unter denselben ein hochangesehenes Mitglied der Berliner Universität, das in Zunzens Hause von 1832 ab verkehrt hat) ist von einem Verkehr Zunzens hei Hofe absolut nichts bekannt, eben so wenig, dass Zunz je mit irgend einem Mitgliede der königlichen Familie eine Unterredung oder Begegnung gehabt hätte. End für dieses npg^tive Ergebnis ist gewissermassen auch die direkte, positive Bestätigung vorhanden. Zunz hat in einem Tagebuch, überschrieben „Das Buch Zunz. künftigen ehrlxhen Leuten gewidmet", alle seine Erlebnisse, auch die kleinsten, insbesondere Begegnisse und Gespräche mit Personen. Bekanntschaften usw. verzeichnet und kommentiert. Von einer Begegnung mit der Kaiserin, oder Prinzessin Wilhelm, oder Prinzessin von Preussen, oder irgend einem Mitgliede der königlichen Familie steht kein Wort in dem JfBuch Zunz". 2. Was auch weitere biographische Forschung über die Kaiserin*) und über Zunz immer noch an das Tageslicht fördern mag, — heute schon ist sicher, dass die Kaiserin in ihren Gesprächen mit Zunz von der grossen Grille seiner Seele" irchts gehört hat. Ist doch diese Grille in der Tat nichts als eine Lesefrucht aus Heine, die in dem Briefe an Frau v. Bonin freilich absichtlich präpariert, oder durch Missverständnis verJorben erscheint. In seinen „Denkw orten über Ludwig Marcusk< (geschrieben 1844 in Paris) erwähnt Heine auch ..des vortrefflichen Zunz, der in einer schwankenden Uebergangsperiode immer *> Unmittelbar nach Veröffentlichung der Briefe :iu Frau. v. Schöning und an Frau v. Bonin ist in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" [vom 27. August] die Echtheit der Briefe bezweifelt worden, weil nn massgebender Stelle briefliche Beziehungen zwischen der Kaiserin Augusta und den bezeichneten Persönlichkeiten unbekannt seien. Auch Prof. Sehrader [in seiner Schrift: „Augusta, Herzogin von Sachsen, die erste deutsche Kaiserin", Weimar 185)0. S. 32 ff.] bestätigt, da*s derartige Zweifel an allen massgebenden Stelleu bestellen.