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Ost und West · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. Seite 455 - 456

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
Simson in der bildenden Kunst
Date
1912-05-01
Page
Seite 455 - 456 (sequence 4)
Language
German
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455 Karl Schwarz: Simson in der bildenden Kunst. schüttelt er die Fesseln von seinen Gliedern und verjagt die im Hinterhalte lauernden Philister, die jäh aufgescheucht zur Tür des Gemaches hinausstürzen. Doch schliesslich ermattet sein Widerstand, er vertraut ihr das Rätsel seiner Kraft, und das Unglück ereilt den Helden zur seihen Stunde. Da er müde neben ihr niedergesunken, ergreift die Verräterin ein Seheermesser, beugt sich über den ahnungslosen Schläfer und raubt ihm die Macht, die in seinem Haupthaare liegt. Max Liebermanns Radierung gibt in wenigen Strichen diesen Moment der ausführenden Tat, da Delila wie eine Katze mit verräterischem Lächeln sich über ihm windet, leise, ganz leise die langen Locken berührt und mit sicherem Griffe vom Haupte trennt. Auch Hembrandts Berliner Gemälde lässt den schlummernden Simson im Schosse der Ruhlerin ruhen, die gerade im Hegriffe ist, sein Haupthaar zu scheeren, während von hinten bereits ganz leise und zaghaft die ersten Philister in das Gemach st hleirhen. Ein Gemälde Liebermanns, da Delila triumphierend die Locken emporhebt, haben wir bereits in ei;ieni früheren Jahrgang(1903, Seite370) veröffentlichI. Der dramatische Gipfelpunkt der Erzählung ist erreicht; hier greift die Kunst mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ein. Nur die grössten der Meister können wir hier zu Worte kommen lassen — süssliche t Darstellungen wie die eines Rouffio und K... Steuben können neben einem Rubens und Rembrandt nicht bestehen, auch das Gemälde aus der Werkstatt des Andrea Mantegna in der Londoner Naticmal-Galerie sei nur genannt —, erwähnt sei auch nur, dass in der deutschen Graphik mehrfach-die Szeim in kleinen Blättchen mit dem Stichel wiedergegeben wurde, so von Nikolaus Alex. Mair aus Landshut, Heinrich Aldegrever, Hans Brosamer und Albrecht, Altdorfer, der auch in einem Blatt Simson ^eigt, wie er die Stadttore von Gad auf seinen Schultern davonträgt. Am gewaltigsten ist der Augenblick des Lieberfalls von Rubens in dem Gemälde der Münchener' Pinakothek geschildert. Von dem Klirren der Waffen ist der ahnungslose Schläfer erwacl.it, er erkennt die Gefahr, will aufspringen, will in gewohnter Weise die Widersacher verjagen, — da fühlt er seine Ohnmacht; schon stürzen sie über ihn her, binden und fesseln ihn, während das ruchlose Weib lächelnd dem schaurigen Vorgange zuschaut. Der Held setzt sich zur Gegenwehr, gewaltig stemmt er das rechte Knie in die Kissen des Ruhebettes, der linke Fuss hat bereits den Boden erreicht, er versucht es noch einmal die Fesseln zu sprengen, die kräftigen Muskeln dehnen sich, das Auge sprüht in gewohnter Weise — vergebens, er ist der Rache seiner Feinde verfallen. Der grosse Schüler des Rubens, Anton van Dyck, hat in ähnlicher Weise wie sein Meister in einem Gemälde der Wiener Galerie Simsons letzten Kampf geschildert. Wenn man jedoch die beiden Werke vergleicht, so muss man doch dem Rubenschen unbedingt den Vorzug geben, da es mehr Energie und Männlichkeit gibt als die Darstellung des van Dyck. Hier sieht Simson die ruhig daliegende Delila jammervoll an, als wolle er noch Abschied von ihr nehmen, während doch die Auffassung des Rubens, da der Held sein Rembrandt: Simsons Hochzeit.

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