Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Simson in der bildenden Kunst
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 453 - 454 (sequence 3)
- Language
- German
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45i> Kar] Schwarz: Simson in der bildenden Kunst. 454 Rembrandt: Die Blendung Simsons. ist das Thema, das wiederum Rembrandt seinem frühen Gemälde des Berliner Kaiser Friedrich-Museums zu Grunde gelegt hat. Simson, der Riese, ist vor das Haus seines Schwiegervaters gekommen und fordert stürmisch die Herausgabe seines Weibes. Der Alte öffnet zaghaft den Fensterladen und »ruft ihm den abschlägigen Bescheid zu. Aus den Augen des gewaltigen Kämpen spricht Zorn und Rache, die geballte Rechte streckt er ihm entgegen und weist ihn auf seine Kraft, die er schon vorher bewiesen, da er den Löwen zerrissen, der ihm auf dem Wege entgegengetreten war. Unzählige Male hat die bildende Kunst diese Episode geschildert, fast ebenso oft wie die Szene, da Simson den schmeichlerischen Reden der buhlenden De lila endlich unterliegt. In der Lübecker Bibel von Stephen Amdes aus dem Jahre 1494, in der biblia paupcrum, der Kölner Bibel und im Speculumhumanae salvationis begegnen wir Darstellungen von Simson mit dem Löwen. Mehrfach hat der anonyme deutsche Meister F. S., einer der frühesten deutschen Kupferstecher, der wohl im Elsass tätig gewesen und um 1468 gestorben ist und von dem wir heute 314 Stiche kennen, diese Begebenheit in kleinen Blättchen wiedergegeben: auch die Szene, da Delila den Schlafenden scheert, kommt in seinem Oeuvre zweimal vor. Mehrfach hat die Plastik Simson mit dem Löwen dargestellt, das Münchener Nationalmuseum bürgt mehrere Elfenbeinstatuen dieser Szene. — Unter den grossen Künstlern, die hier in Betracht kommen, wäre zuerst Rubens mit seinem Cremälde zu Stockholm und sodann Dürer mit seinem Holzschnitt zu nennen. ( Als moderner Interpret sei auch Leon Bonnat erwähnt.) Dürers Simson — wahrscheinlich auf einen Stich von Israel von Meckenem, der um 1475 entstanden ist, zurückgehend — ist ein echter Germane, ein gereifter Mann mit vollem Bart und wallendem Gewand, der dem sich duckenden Löwen das Maul aufreisst; Rubens zeigt einen kräftigen Jüngling, der nackt dem Ungetüm entgegentritt und es spielend in Stücke reisst. Ein zarter Jüngling, dem man eigentlich nicht zutraut, dass er in der Verfassung, wie ihn der Künstler abgebildet hat, mit der schwachen Waffe des Kinnbackens tausend Philister erschlagen konnte, ist auch der Simson des Domenichino. Den Höhepunkt in der Geschichte dieses Richters über Israel bildet die Szene mit Delila. der Sturz des Helden aus der Vollkraft seiner göttlichen Gabe zu hilflosem erbärmlichem Jammer. Die Liebe zu einem Weibe wird ihm zum Fallstrick, ihr verrät er das Geheimnis seiner Kraft, und ■ sie .gibt ihn in die Hände der Feinde. Lange widersteht er ihren Bitten und gibt ihr mehrfach Beweise seiner ungeschwächten Kraft. Wie in dem Gemälde von Leon Glaize gezeigt,